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Wie der Bremer Timo Behrens den harten Weg in die Rad-Elite meistert

Дата публикации: 31-07-2026 03:00:00

Der Bremer Radrennfahrer Timo Behrens strebt nach der World Tour. Trotz Rückschlägen wie einem heftigen Sturz gibt er nicht auf. Sein Bruder Niklas ist dabei sein großes Vorbild.

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Die letzten Narben seiner Schürfwunden sind am Arm und an den Händen noch gut zu erkennen. Vor knapp zwei Monaten stürzte der Bremer Radrennfahrer Timo Behrens beim Nachwuchsrennen Paris–Troyes mit knapp 70 Kilometern die Stunde – und kam mit blutig geschürften Armen und Händen als 55. im Ziel an. "Dabei habe ich wirklich noch Glück gehabt, dass bei dem Sturz nicht mein Schlüsselbein durchgebrochen ist", sagt der 24-Jährige. Seitdem blieben die größeren Rennen aus, die Heilung hätte sich dann doch gezogen.

Timo Behrens stürzte beim Rennen Paris-Troyes schwer.

Timo Behrens stürzte beim Rennen Paris-Troyes schwer.

Foto: Guillaume Lecaplain

Aber Timo Behrens weiß auch, dass so etwas zum Profi-Radsport dazugehört. Denn da will er hin – und auch das erreichen, was sein zwei Jahre jüngerer Bruder Niklas geschafft hat. Der wurde, nachdem er 2024 U23-Weltmeister wurde, direkt vom Profiradteam Visma – Lease a Bike um Spitzenfahrer Jonas Vingegaard unter Vertrag genommen, fuhr seitdem bei den Klassikern Paris–Roubaix und in der World Tour mit. "Ich bin zwar sein größerer Bruder", erzählt Timo Behrens, "aber diesbezüglich der Kleine, er ist da mein Vorbild."

Und es war auch sein Bruder Niklas Behrens, der die Türen für die Karriere im Profiradsport geöffnet hat. Mit etwas "Vitamin B", wie Timo Behrens zugibt, hat er im vergangenen Jahr einen Platz im Nachwuchsteam der Top-Mannschaft Alpecin-Premier Tech bekommen, dessen Profiteam bei allen großen Rundfahrten auf der World Tour vertreten ist. "Meine Werte waren auf einem guten Level, fast schon auf World-Tour-Niveau. Aber dass gleich so ein großes Team angebissen hat, das hatte ich gar nicht erwartet." Und eigentlich war er auch ein "Quereinsteiger" in den Radsport, wie er sagt, denn die Idee vom Profiradsport musste sich erst einmal entwickeln.

Meine Werte waren auf einem guten Level, fast schon auf World-Tour-Niveau. Aber dass gleich so ein großes Team angebissen hat, das hatte ich gar nicht erwartet.

Timo Behrens

"Ich bin als Kind geschwommen, so wie Niklas auch", erinnert er sich. Im Alter von 14, 15 Jahren war es aber fast schon zu langweilig für die beiden, so wechselten die Brüder zum Triathlon. Dort lernte er auch seine Partnerin, die ehemalige Bundesliga-Triathletin Lea van Beek, kennen. "Es ist auf jeden Fall gut, wenn du eine Partnerin mit sportlichem Background hast, die aber auch weiß, was es bedeutet, wenn du einen Sport professionell ausübst", sagt Timo Behrens.

Chaotische, rasante Rennen unter den Nachwuchsfahrern
Timo Behrens will den Sprung in die Radsport-Elite schaffen.

Timo Behrens will den Sprung in die Radsport-Elite schaffen.

Foto: IMAGO/Carla Nagel

Doch Geld zu verdienen mit dem Triathlonsport sei fast eine Unmöglichkeit, den Sport neben einer Vollzeitbeschäftigung auszuüben ebenfalls schwer, meint der 24-Jährige, der nebenbei auch eine Ausbildung zum Tischlergesellen absolvierte. "2022 habe ich dann gemerkt, dass der Fokus mehr auf dem Radfahren liegt", erzählt er. Und dann kam das eine zum anderen: Sein Bruder Niklas startete voll durch, "ich bin ihm dann etwas nachgetanzt", schmunzelt Timo Behrens.

Es ist teilweise ein Gemetzel unter den Fahrern.

Timo Behrens über die Nachwuchsrennen

Doch einfach so in den Profiradsport reinzuschlüpfen und dort schnell Fuß zu fassen, gelingt nur in Ausnahmefällen. Hartes Training gehört dazu, um die 160 bis 170 Kilometer fährt Behrens fünf- bis sechsmal die Woche. Mal besucht er dabei seine Großmutter in seiner Geburtsstadt Bremerhaven, fährt dann nachmittags zurück. Und bei den Rennen geht es richtig zur Sache. "Es ist teilweise ein Gemetzel unter den Fahrern", meint der 24-Jährige. "Manchmal wird von Anfang an nur Gas gegeben, ohne jegliche Taktik und ohne Teamabsprachen." Das sei deutlich anders als bei der World Tour, wo die Teams sich das Rennen taktisch einteilen. Bei den Nachwuchsrennen will aber jeder zeigen, was er kann, auch wenn es dadurch "ziemlich chaotisch" werden kann. "Der Konkurrenzkampf ist riesig, vielleicht sogar größer als bei der World Tour, wo jeder seine Aufgaben hat", erzählt Timo Behrens.

Messen mit den Elite-Fahrern

Dank seines Teams konnte er schon die ersten Erfahrungen in der Top-Riege des Radsports sammeln. Bei der Deutschland-Tour, die zur UCI ProSeries gehört, fuhr er als Gastfahrer gegen Größen wie Wout van Aert, Marco Haller oder Danny van Poppel, die schon bei Rundfahrten wie der Tour de France gestartet sind. Allerdings fuhr er auch erstmals gegen seinen Bruder Niklas. "Das war schon besonders", erinnert sich Timo Behrens. Teilweise hätten sie sich auch gegenseitig angefeuert und motiviert, als sie für ihre Kapitäne anfahren mussten.

Aber auch eine Knieverletzung bestimmte seine erste Saison. "Ich wäre gerne mehr Rennen gefahren, das stimmt", blickt Behrens zurück. Und auch das aktuelle Jahr lief nicht so ganz, wie er sich das gewünscht hat. Denn so langsam wächst der innere Druck, das weiß er. Der Vertrag bei Alpecin-Premier Tech läuft in diesem Sommer aus, sein Management ist gerade dabei, Optionen auszuloten. Denn die Ziele sind da: Am liebsten würde der 24-Jährige eines Tages natürlich gerne die Tour de France fahren, auch wenn er sich eher bei den Eintagesklassikern wie Mailand–Sanremo sieht.

Timo Behrens weiß: Er muss sich ranhalten, wenn er diese Ziele erreichen will. Der Sprung in die Elite sollte spätestens nächstes Jahr gelingen, das sagt er selbst. "Früher war 24, 25 noch ein normales Alter, um in die World Tour zu kommen, aber mittlerweile sind sie alle jünger geworden." Beispiel dafür ist unter anderem der gerade einmal 19-jährige Franzose Paul Seixas, der gerade die Tour de France als Gesamt-Vierter absolviert hat. "Ich weiß, dass die Zeit läuft. Aber ich habe mir immer gesagt, ‚normal‘ arbeiten kann ich ein Leben lang, Profisport vielleicht nur 15 Jahre." Es ist so ein wenig wie "Wenn-nicht-jetzt-wann-dann?". Aber er sagt auch: Wenn es nicht gelingen sollte, dann hat er noch immer seine Tischlerausbildung in der Tasche. Und die hat er sein ganzes Leben.

Zur Sache

Niklas Behrens fährt wieder

Der Bremer Niklas Behrens ist das erste Mal seit seiner Operation am Herzen wieder im Sattel. Der 22-Jährige fährt derzeit mit seinem Team Visma Lease-a-bike bei der Dänemark-Rundfahrt und ist aktuell 90. im Gesamtklassement. Bei der 881 Kilometer langen Rundfahrt, die fünf Etappen umfasst, wird Behrens seine beiden Teamkollegen Wout van Aert und Christophe Laporte unterstützen.

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