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Chef der OLB: „Wir werden Bremen nicht verlassen“

Дата публикации: 18-06-2025 03:00:00

Die Übernahme der OLB durch die Crédit Mutuel hat viele überrascht. Stefan Barth spricht über die Nacht der Entscheidung in Oldenburg, die Zukunft der Marken Targobank und OLB und das Interesse aus dem Ausland.

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Zur Person

Stefan Barth (48)
ist seit vier Jahren Vorstandsvorsitzender der OLB nach Stationen bei verschiedenen Finanzinstituten. Barth ist in Bayern geboren. Zusammen mit seiner Familie lebt er in Wien und pendelt zur Arbeit nach Oldenburg.

Herr Barth, wie gut ist Ihr Französisch?

Stefan Barth: Ich hatte in der Schule Französisch. Dann habe ich es nicht mehr gebraucht. Insofern ist es etwas eingerostet. Tatsächlich nehme ich seit ein paar Wochen aber wieder Französischstunden.

Anstoß ist, dass Ihre OLB in Zukunft in den Armen der Crédit Mutuel Alliance Fédérale ein bisschen französisch sein wird?

Genau. Ich möchte mich mit den Kollegen unterhalten können. Das funktioniert natürlich auch auf Englisch. Für mich ist das aber vor allem ein Gebot der Höflichkeit.

Zur Crédit Mutuel gehört bereits die Targobank. Die Nachricht der Übernahme auch der OLB sorgte für Überraschung. Wie klein war der Kreis, der vom Plan wusste?

Wir haben den Kreis sehr eng gehalten. Es waren auf unserer Seite vielleicht 40 Kolleginnen und Kollegen involviert. Die Prüfung einer Übernahme ist sehr intensiv, weil der Käufer sich alles genau anschaut. Der Kreis wächst darum kontinuierlich. Das Risiko, dass irgendwann etwas durchsickert, war auf allen Seiten gegeben. Das wäre für den Börsengang, den wir eigentlich im Fokus hatten, problematisch gewesen. Es spricht für die Belegschaft der OLB, dass hier nichts dergleichen passiert ist. Unsere Leute sind sehr integer und loyal – vielleicht ein norddeutsches Auszeichnungskriterium.

Was haben Sie eigentlich den Abteilungen spendiert, die über die vergangenen Jahre immer wieder einen Börsengang vorbereitet haben, zu dem es dann nie kam?

Das haben alle gern gemacht. Im Ernst: Wir mussten uns alle erst mal schütteln. Der Börsengang war lange Zeit das präferierte Ziel – auch von den Eigentümern. Jetzt ist es anders gekommen. Das muss sich setzen. Im Haus selbst gab es eine kleine Welle, weil sich alle zunächst gefragt haben: Was ist passiert? Das hat sich jedoch schnell gelegt. Unser Vorteil ist: Die OLB von heute ist aus fünf Instituten entstanden, sodass alle schon mindestens eine Übernahme mitgemacht haben und daher die Situation gut einordnen können.

Im Gespräch mit „Bloomberg“ erklärten Sie, der in diesem Jahr geplante Börsengang wäre wahrscheinlich ohnehin wieder schiefgegangen.

Es wäre zumindest schwierig geworden. Der Kaufvertrag wurde am 20. März um 2 Uhr in der Nacht unterschrieben. Wäre das nicht erfolgt, hätten wir um 8 Uhr in der Früh verkündet: Wir gehen an die Börse. Wir haben fast bis zur letzten Sekunde beide Wege verfolgt. Das Szenario Börsengang wäre genau in die Zeit gefallen, als es wegen des „Liberation Day“ von Donald Trump immense Unsicherheit in den Märkten gab. Diese Volatilität hätte die adäquate Preisgestaltung der Aktie ganz schwer gemacht – wenn nicht sogar unmöglich.

Nehmen Sie uns mit in die Nacht. Wie war es dann um 2 Uhr, als die Sache entschieden war?

Wir waren bei uns in Oldenburg im Büro. Ein kleines Kernteam. Wir standen permanent in Kontakt mit den Anwälten, schließlich brauchen Sie von allen Gesellschaften die Unterschriften und beispielsweise auch mit den anderen Kommunikationsabteilungen. Das ist ein immenser Aufwand.

Danach mussten wir etwas runterkommen vom Dealmode. Wir waren erschöpft und zufrieden und haben uns alle zur Belohnung noch ein Bier aufgemacht.

Ihre Eigentümer waren bisher Finanzinvestoren: Apollo Global Management und Grovepoint sowie der Pensionsfonds der Lehrer in Texas. Die Crédit Mutuel ist eine Genossenschaftsbank. Macht das einen Unterschied?

Ja. Definitiv. Unsere jetzigen Eigentümer haben gemäß ihres Plans günstig einkaufen, teuer verkaufen' eine natürliche Investitionszeit – die irgendwann endet. Wir haben uns als OLB sehr gut transformiert. Unser Wert ist immer weiter gestiegen. Jetzt ist der Zeitpunkt für einen anderen Eigentümer gekommen – und zwar einen strategischen. Genau das ist die Crédit Mutuel. Die Bank glaubt an den Markt in Deutschland. Crédit Mutuel hat uns nicht für einige Jahre gekauft, sondern denkt in ganz anderen Zeithorizonten. Wir ergänzen uns mit der Targobank sehr gut. Ich bin damit happy. Crédit Mutuel ist ein hervorragender Käufer.

Die EZB muss der Übernahme noch zustimmen. Die Vorbereitungen für die Integration laufen bereits. In der Belegschaft gab es durchaus Sorgen um die Arbeitsplätze. Ein Stellenabbau ist aber nicht geplant. Das können Sie heute bereits zusichern?

Das kann ich. Es gibt ganz klare Aussagen der Eigentümer: Es wird keinen Stellenabbau geben. Mitarbeiterentlassungen sind nicht in der DNA dieser Gruppe. Die Eigentümer der Crédit Mutuel sind ihre Kunden – ähnlich wie bei unseren Volksbanken. Die Bank soll auch zum Gemeinwohl beitragen. Crédit Mutuel will natürlich auch Gewinn machen. Der Fokus ist aber ein anderer.

Wie viele Abmachungen lassen sich im Zuge eines solchen Verkaufs treffen? Zum Beispiel, ob die OLB als Marke bleiben wird?

Über den Kaufvertrag kann ich natürlich nicht sprechen. Zunächst ist die Entscheidung der Crédit Mutuel, dass die OLB ein gleichberechtigtes Schwesterinstitut neben der Targobank wird. Das soll auf jeden Fall die nächsten Jahre so bleiben. Grundsätzlich sind beide Banken gut aufgestellt. Unser Anspruch muss sein, ihre jeweiligen Stärken bestmöglich zu nutzen. Unter welcher Flagge das dann läuft? Ob OLB? Ob Targobank? Die Frage der Marken ist nicht entscheidend, solange wir unseren Wachstumspfad verfolgen und unsere Kunden zufriedenstellen. Wir werden uns später damit beschäftigen, ob es eine Marke oder zwei Marken geben soll. Am Ende des Tages ist die Frage: Was will Paris? Es geht beides. Wir sehen das bei uns selbst: De facto ist das Bankhaus Neelmeyer eine anerkannte Marke. Das gesamte Back-up kommt von der OLB.

Am Bremer Marktplatz sind seit Kurzem OLB und Neelmeyer gemeinsam vertreten. Wie wichtig ist Bremen für die Bank?

Bremen ist einer unserer größten und wichtigsten Standorte. Bremen ist Stammsitz des Bankhauses Neelmeyer. Und hier hatte die Bremer Kreditbank ihren Sitz – also der Ursprung der heutigen OLB. Wir haben uns bewusst für den Verkauf des Gebäudes am Marktplatz entschieden. Wir sind eine klasse Bank, aber kein guter Immobilienmanager. Da gibt es Bessere, in dem Fall die Gustav Zech Stiftung. Teil des Deals war aber: Wir wollen wieder am Markt präsent sein. Wir werden Bremen also nicht verlassen.

Welche Veränderungen planen Sie generell beim Filialnetz?

Wir haben 80 Filialen in Deutschland, davon 40 in der Weser-Ems-Region. Die Überschneidungen mit der Targobank sind minimal. Wo es in einer Straße links eine OLB gibt und rechts eine Targobank, werden wir vielleicht perspektivisch überlegen, ob wir die nicht zusammenziehen. Unwahrscheinlich, dass in unserer Region die OLB verschwindet – da hätte ich in Delmenhorst, Aurich und Co. kein gutes Gefühl.

Die OLB tritt heute modern mit Neongrün im Logo auf. Die Sprüche sind kecker: „150 Jahre alt und noch nie von uns gehört? Ziemlich gut für eine Bank“.

Das ist mein Lieblingsspruch!

Warum war der Wandel nötig?

Die Bank hat eine Historie von mehr als 150 Jahren. Wir haben viele sehr loyale Kunden in der Region. Da ist die Oma Kundin bei uns, ihre Tochter und Enkelin – wie du es dir wünschst. Die Marke an sich ist nicht so ins Auge gefallen. Das war ein bisschen konservativ und altbacken und nicht passend für einen deutschlandweiten Auftritt. Wir haben seit der Übernahme der Degussa Bank aber bereits mehr Kunden außerhalb der Region. Wir haben gesagt: OLB bleibt OLB. Wir sind nun moderner und frecher und kommen weg von „Oldenburgische Landesbank“. Zumal es irreführend ist: Wir waren nie eine Landesbank. Der Name kommt daher, weil wir bei Gründung das Privileg hatten, Geld zu drucken. Die Bank war immer in Privatbesitz.

Ruhe soll bei der OLB auch mit der neuen Eigentümerin nicht einkehren. Sie wollen weiterwachsen. Weil das der Markt erfordert?

Ja. Ich glaube, man muss diese Ambitionen haben. Der Bankenmarkt verändert sich rapide. Es ist ein Signal, dass Unicredit aus Italien auf die Commerzbank schielt. BBVA aus Spanien startet gerade in Deutschland, JP Morgan hat Interesse am Markt. Da kommen ganz neue Akteure rein – mit attraktiven Preisen und digitalem Angebot. Wenn ich da als Bank nicht schnell reagieren kann, werde ich mich nicht durchsetzen. Das Interesse an Deutschland hat sich brutal geändert. Warum? Die Unternehmen in den USA sind alle schon relativ hoch bewertet. Und mit Trump ist auch nicht alles rosig. Die Investoren schauen wieder auf Europa – nicht nur bei den Banken.

Das Gespräch führte Lisa Schröder.

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