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IETF 126: Was KI für die Standardisierung bedeutet

Дата публикации: 30-07-2026 14:53:00

Die IETF beschäftigt sich verstärkt mit KI. Auf dem 126. Treffen in Wien wurden erste Weichen gestellt, um Protokolle für KI-Agenten zu definieren.

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Die allgegenwärtige künstliche Intelligenz beschäftigt auch die Internet Engineering Task Force (IETF). Auf dem 126. IETF-Treffen in der vergangenen Woche in Wien stellte die Standardisierungsorganisation wie schon im vergangenen Jahr Weichen, um Regeln für den Umgang mit KI zu entwickeln. Zugleich beschert der KI-Boom der IETF mit knapp 2000 Anmeldungen so viele Teilnehmer wie seit Langem nicht.

Gleich drei sogenannte „Birds of a Feather”-Treffen (BoF) widmeten sich der Frage, welche Protokolle für KI-Agenten definiert werden könnten. Dabei geht es um das Auffinden der KI-Agenten, um spezielle Gateways und schließlich eine Art eigenen Session-Layer für die Kommunikation zwischen KI-Programmen. BoF-Sitzungen erkunden häufig das Terrain, bevor eine Arbeitsgruppe eingerichtet wird.

Statt der „Discovery“ von KI-Agenten im gesamten Internet empfiehlt die BoF-Gruppe „Discovery of Agents, Workloads, and Named Entities“, eine standardisierte Möglichkeit für das Auffinden von Agenten innerhalb von Teil- oder Unternehmensnetzen zu entwickeln.

Als Beispiele für den Einsatz von KI-Gateways – und die Aufgaben für eine Arbeitsgruppe in der Zukunft – wurde der Austausch zwischen chinesischen Banken und 6G-Telekomprovidern präsentiert. Beide Gruppen waren insbesondere von chinesischen Firmen vorgeschlagen worden – darunter Huawei, ZTE, Alibaba, China Telecom und China Mobile.

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Der dritte BoF-AgentProto zielt auf eine Art Session-Layer im Stil von SIP, über den der Kontext signalisiert werden soll. Dass SIP als Modell genannt wird, sei wenig überraschend, schmunzeln Beobachter. Denn zu den Initiatoren gehören ehemalige SIP-Autoren; Cullen Jennings (Cisco) und Jonathan Rosenberg.

Genug Protokolle vorhanden?

Grundsätzlich soll für die neuen KI-Dokumente auf Altbewährtes zurückgegriffen werden. Discovery, Gateways oder Session Layer sind nichts Neues für die Standardisierer. Mögliche Bausteine reichen von uralten Protokollen wie DNS bis zu neueren Standards wie „Messaging Layer Security“ (MLS), „Remote ATtestation ProcedureS“ (RATS) oder „Workload Identity in Multi System Environments“ (WIMSE).

Eigentlich seien KI-Bots auch nichts anderes als „Programme“, grummelten manche Entwickler. Eine Standardisierung begrüßen trotzdem viele. Standards könnten den in vielen Firmen entwickelten proprietären Lösungen, etwa für Gateways, entgegenwirken. Überdies könne sich die IETF dem Boom – der Firmen enorm viel Geld kostet – kaum entziehen.

Ohne KI geht es nicht

Wie groß der Druck ist, zeigt auch, dass manche Entwickler die BoFs erst gar nicht abgewartet und längst Dokumente vorgelegt haben. Ein Beispiel sind etwa die Arbeiten einer Gruppe italienischer Cisco-Entwickler, die ihrem Entwurf „Secure Low-Latency Interactive Messaging“ (SLIM) zufolge einen „Transport Layer“ für KI-Agenten schaffen wollen.

Welche der in Wien vorgestellten Ideen für KI-Agenten es bis zur RFC-Nummer schaffen und welche davon sich im überhitzten KI-Markt durchsetzen, darüber lasse sich noch keine Prognose abgeben, sagte Dirk Kutscher gegenüber heise online. Kutscher, Professor an der Hochschule Emden/Leer, ist aktuell Vorsitzender der Internet Research Task Force (IRTF), der Forschungsschwester der IETF.

Es sei derzeit praktisch unmöglich, den Überblick über die KI betreffenden Ideen in der IETF zu behalten, betonte Kutscher. Neben BoFs und Vorschlägen in regulären Arbeitsgruppen gab es auch noch ein Dutzend sogenannte inoffizielle Sidemeetings. Eine eigene IRTF-Research-Group soll nach Kutschers Vorstellung künftig ein Forum bieten, auf dem sich Forscher und Entwickler über KI austauschen können.

Fluch und Segen von KI in der Standardisierung

Man stehe vor der Frage, ob KI als Werkzeug der Standardisierung genutzt wird, oder ob mit KI generierte Spezifikationsentwürfe verboten werden sollen, erklärte Mark Nottingham, IAB-Mitglied und Standardspezialist bei Cloudflare. Er hat eigens für die Arbeit in der IETF ein LLM trainiert, mit dem er E-Mail-Diskussionen zusammenfassen oder die eigene Neutralität als Chair prüfen kann.

Vielleicht sei die KI-Entwicklung eine existentielle Bedrohung des klassischen IETF-Prozesses, warnte Nottingham. Wenn eine Arbeitsgruppe 60 lange Dokumente in einer Woche erhalte und erste Bots auf den Mailinglisten der Organisation auftauchten, um mantraartig bestimmte Entwürfe zu favorisieren, drohe der bisher übliche Prozess und die Prinzipien „Rough Consensus und Running Code“ zusammenzubrechen.

(vbr)

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