Wenn es heiß ist, werden Klimageräte beworben, die angeblich wahre Wunder vollbringen. Doch Vorsicht: Die Physik lässt sich nicht überlisten.
Ventilaoren können bei Hitze für Abkühlung sorgen, aber nur in einem bestimmten Ausmaß.
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Wenn es heiß ist, werden Klimageräte beworben, die angeblich wahre Wunder vollbringen. Doch Vorsicht: Die Physik lässt sich nicht überlisten.
Durch den Klimawandel werden künftige Sommer wohl noch heißer.
Es ist heiß. Wir schwitzen in der Wohnung. Und wir wissen: Durch den Klimawandel werden künftige Sommer wohl noch heißer. Jede Form von Abkühlung ist willkommen, doch niemand kann unbegrenzt viel Zitronensorbet essen, ohne Magenschmerzen zu bekommen. Und so wird man anfällig für allerlei Werbeanzeigen: „Klimaanlage ohne Einbau und ohne Schlauch nach außen“ lesen wir da. „17 Grad Abkühlung in 90 Sekunden!“ Das Internet ist voll von solchen Clickbait-Angeboten, die rasche Hilfe in der Hitzewelle versprechen. Leider sind viele dieser Behauptungen spektakulärer, als die Physik erlaubt.
Die Thermodynamik gewinnt am Ende immer
Keine Klimaanlage kann die Gesetze der Thermodynamik aushebeln: Die Energie, die sich in Form von Wärme in unserem Wohnzimmer befindet, kann nicht vernichtet werden. Man kann sie höchstens abtransportieren. Daher müssen Klimaanlagen, die tatsächlich eine ernstzunehmende Wirkung haben sollen, Wärme nach draußen transportieren – über einen Abluftschlauch oder ein Außengerät. Innen wird es deutlich kühler, draußen wird es minimal wärmer, insgesamt hält sich das Universum wieder einmal brav an das Gesetz der Energieerhaltung.
Ein Klimagerät, das keine Wärme nach draußen abführt, kann zwar trotzdem einen kalten Luftstrom erzeugen, pustet hinten dann aber warme Abluft in den Raum. Wenn man direkt im kühlen Luftzug sitzt, mag sich das zunächst angenehm anfühlen, aber längerfristig wird das Zimmer durch so ein Gerät nicht abgekühlt, sondern aufgeheizt.
Verdunstungskälte und SchmelzwärmeEin bisschen komplizierter wird die Sache, wenn eine Substanz im Spiel ist, die ihren Aggregatszustand ändert – also etwa auftaut oder verdunstet. Wenn wir zum Beispiel nasse Wäsche aufhängen und mit einem Ventilator anpusten, dann trocknet die Wäsche, das Wasser wird zu Wasserdampf. Um die Wassermoleküle, die vorher ein Wassertropfen im Wollpullover waren, voneinander zu trennen, muss Energie aufgewendet werden. Diese Energie muss von irgendwoher kommen – nämlich aus der Wärme. Die Verdunstung erzeugt Abkühlung, ohne dass dabei irgendetwas wärmer werden muss.
Viele simple Geräte, die als mobile Klimaanlage angepriesen werden, beruhen genau auf diesem Verdunstungseffekt. Und tatsächlich kann man durch Verdunstung einen kühlen Luftstrom erzeugen. Das Problem ist nur: Man steigert dadurch zwangsläufig zur gleichen Zeit die Luftfeuchtigkeit und macht die Sache dadurch möglicherweise noch schlimmer.
Wir spüren nicht einfach WärmeWas wir als Menschen nämlich spüren, wenn wir unter der Hitze leiden, ist streng genommen gar nicht die Lufttemperatur, sondern der Wärmeaustausch zwischen unserem Körper und der Umgebung. Wenn wir die Körperwärme nicht mehr effizient genug abgeben können, dann ist uns heiß. Ob das der Fall ist, hängt aber nicht nur von der Lufttemperatur ab, sondern auch von der Luftfeuchtigkeit. In einer trockenen Umgebung verdunstet der Schweiß auf unserer Haut sehr schnell, das kühlt uns ab, und die Hitze ist recht gut zu ertragen. Feuchte Hitze hingegen ist für uns viel unangenehmer: Dann verdunstet der Schweiß nicht mehr so gut, der Körper kann die Wärme nicht mehr so einfach loswerden. Lässt man sich von Verdunstungskälte kühlen, kann es also sein, dass die Luft zwar kühler wird, sich aber noch unangenehmer anfühlt als vorher. Solche Geräte sind nur sinnvoll, wenn die Luft eher trocken ist.
Eine weitere Variante sind Geräte, die man mit Eis füllt. Das ergibt physikalisch gesehen durchaus Sinn. Ein großer Block Eis (zum Beispiel eine durchgefrorene Plastikflasche) kann der Luft beim Auftauen eine beträchtliche Menge an Wärme entziehen. Richtig kühl wird es dadurch zwar nicht, außer man verwendet gigantische Eismengen, aber ein messbarer Effekt ist möglich. Das Problem ist nur: Wenn man das Eis im Tiefkühler produziert, der in derselben Wohnung steht, dann heizt die Abwärme des Tiefkühlers beim Eisproduzieren die Wohnung stärker auf, als sie später vom Eis abgekühlt wird.
Der Ventilator ist besser als sein RufWas sagt uns das? Wenn man eine wirkungsvolle Klimaanlage haben möchte, dann führt am fest eingebauten Split-Gerät oder am Mobilgerät mit Entlüftungsschlauch nach draußen kein Weg vorbei. Wer das nicht möchte, kann zu den üblichen Tricks greifen: Man kann durch Außenbeschattung einen Teil der Sonnenenergie daran hindern, in die Wohnung zu gelangen. Man kann in der Nacht ordentlich durchlüften und die Fenster tagsüber geschlossen halten.
Der gute alte Ventilator wird zwar immer wieder als nutzlos abgetan, weil er den Raum nicht kühlt, sondern nur die Luft bewegt, aber dabei wird der entscheidende Punkt übersehen: Es geht nicht darum, die Zahl zu minimieren, die unser Thermometer anzeigt, es geht darum, sich als Mensch möglichst gut zu fühlen. Und dabei kann uns ein leichter Windhauch, der uns die Schweißperlen auf der Stirn wegverdunstet, ziemlich effektiv helfen. Mit einem feuchten Tuch auf der Stirn und einem eisgekühlten Getränk auf dem Tisch klappt es gleich noch besser.
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