Vom Absturz zum Titelhelden: Ferran Torres kämpft sich aus Depressionen und Kritik zurück – und wird mit seinem Final-Tor gegen Argentinien zu Spaniens neuem Helden.
Vom Absturz zum Titelhelden: Ferran Torres kämpft sich aus Depressionen und Kritik zurück – und wird mit seinem Final-Tor gegen Argentinien zu Spaniens neuem Helden.
„I refuse to sink“, steht auf seinem Knöchel neben einem Anker. Ferran Torres „weigert sich, unterzugehen“. Viele Kräfte versuchten bereits, ihn untergehen zu lassen. Doch er ist noch da – und nun auf dem emotionalen Olymp angekommen. Torres ist Spaniens Tor-Held, Spaniens Weltmeistermacher.
Sein Treffer in der Verlängerung im Endspiel gegen Argentinien (1:0) bescherte „La Furia Roja“ den zweiten Titel der Geschichte. Seine eigene Geschichte erzählt dabei ein beeindruckendes Comeback.
Torres' Stern ging früh und steil auf – mit 17 debütierte er als erster Spieler, der im 21. Jahrhundert geboren wurde, für den FC Valencia in der spanischen La Liga. Schnell sicherten sich Pep Guardiola und Manchester City die Dienste und holten den jungen Spanier für viel Geld auf die Insel.
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Durchsetzen konnte er sich im Star-Ensemble der Engländer nicht, daher folgte nach anderthalb Jahren der Wechsel zurück nach Spanien – der FC Barcelona lockte. Dort fiel Torres aber in eine noch viel tiefere Krise.
Den hohen Erwartungen, die auch seine hohe Ablösesumme mit sich brachte, konnte er nicht gerechtwerden. Fans verspotteten ihn, wünschten seinen Abgang. Er selbst definierte sich in der Zeit nur über Tore, er sei „besessen“ gewesen, wie er rückblickend erzählte.
„Ich wollte jemand sein, der ich nicht bin. Es war mir egal, ob ich schlecht oder gut gespielt habe. Alles, was zählte, waren Tore. Wenn ich nicht getroffen habe, begannen die schweren Zeiten.“
Dabei verlor er sich selbst, ergab sich den Erwartungen anderer.
Depressionen. Sogar über ein Karriereende habe er nachgedacht, Torres nannte es selbst einen „bodenlosen Abgrund“, aus dem er „keinen Ausweg“ fand. Noch schlimmer:
„Als ich gegen Depressionen kämpfte, war der beste Moment des Tages, wenn ich meine Tabletten nahm und ins Bett ging. Ich hatte jeglichen Lebenswillen verloren.“
Zusammenbrüche, toxische Liebesbeziehungen: Torres berichtete, wie er in manchen Nächten aufwachte und unkontrolliert zu weinen begann. Er erkannte, er braucht Hilfe.
Eine Therapie bei dem renommierten Sportpsychologen José Ángel Caperán führte Torres wieder ins Licht. Der heute 26-Jährige lernte, sich von äußeren Einflüssen zu befreien. Dazu zählten vor allem die Sozialen Netzwerke. Torres begann eine strenge „digitale Hygiene“.
„Ich habe gelernt, wichtige von unwichtigen Meinungen zu unterscheiden. Ich habe mit meinem Psychologen daran gearbeitet, zu wissen, wie ich damit klarkomme, wann die Dinge gut laufen und wann nicht.“
Mit neuem Namen kehrte er zurück: „El Tiburón“. Der Hai. Ein Spitzname, der für den „wahren Ferran“ stehe.
„Für meine Disziplin und meinen Charakter, meine Fähigkeit zu konkurrieren und meinen Wunsch, immer der Beste zu sein. Der Spitzname steht für einige sehr wichtige Aspekte.“
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Torres kämpfte sich aus dem Loch heraus, wurde auch in Barcelona zu einem wichtigen Faktor. Der Spanier avancierte zwar nie zum konstanten Torjäger, aber er lernte, mit Rückschlägen und Kritik besser umzugehen.
Die WM stellt das eindrucksvoll unter Beweis. Torres war in „La Roja“ nur Ersatzmann, erntete für seine Auftritte viel negatives Echo. Am Ende ist er der strahlende Held.
„Ich wurde oft kritisiert, aber das Schicksal schenkt denjenigen Schönes, die es verdienen“, sagte er nach dem WM-Triumph, der nur dank seines Tores in der Verlängerung möglich war. Nun ist Torres der gefeierte Held Spaniens.
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