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Deutsch-israelische Forschung | Max-Planck-Gesellschaft: Legitimierung von Krieg und Okkupation

Дата публикации: 03-08-2026 15:00:52

Ein Bericht belegt die Intensivierung deutsch-israelischer Forschungskooperationen seit Beginn des Gaza-Kriegs, darunter von Israels Armee finanzierte Projekte.

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Eng verbunden: Das Max-Planck-Institut ist mit einem »Minerva-Zentrum« an der Technischen Uni Haifa präsent; Altkanzlerin Angela Merkel erhielt von der Hochschule 2021 die Ehrendoktorwürde.

Eng verbunden: Das Max-Planck-Institut ist mit einem »Minerva-Zentrum« an der Technischen Uni Haifa präsent; Altkanzlerin Angela Merkel erhielt von der Hochschule 2021 die Ehrendoktorwürde.

Foto: Imago/UPI Photo

Im Zeichen der Göttin der Weisheit, der taktischen Kriegführung, der Kunst und des Schiffbaus arbeiten die deutsche Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und israelische Hochschulen seit Jahrzehnten zusammen. Bereits Ende der 1950er Jahre wurden die ersten akademischen Kontakte zwischen der Bundesrepublik und Israel geknüpft. Seit 1973 gibt es die Minerva-Stiftung, die den akademischen Austausch zwischen beiden Ländern fördert, von der MPG getragen und vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert wird. Sie bezeichnet sich selbst als das »Flaggschiff der deutsch-israelischen Wissenschaftskooperation« und vergibt Tausende Stipendien. Zudem betreibt sie derzeit 24 sogenannte Minerva-Zentren an israelischen Universitäten und anderen Instituten.

Die Münchner Gruppe Academics for Justice (AfJ), die seit Längerem insbesondere deutsch-israelische Rüstungskooperationen beobachtet, dokumentiert und kritisiert, hat sich in einem gerade veröffentlichten Report mit den Aktivitäten der Minerva-Zentren befasst. Sie bewertet sie »vor dem Hintergrund der anhaltenden und gut dokumentierten Verstöße Israels gegen das Völkerrecht und die Menschenrechte« und untersucht, inwieweit diese akademischen Partnerschaften dazu beitragen, »diese Verstöße zu ermöglichen und zu normalisieren«.

Aus Sicht der AfJ tun sie das definitiv, wenngleich sich der Großteil der Minerva-Zentren mit naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung, der biblischen Geschichte und der Archäologie befasst. Und so lautet der Titel des 50-seitigen Berichts auch »Die Max-Planck-Gesellschaft und der israelische militärisch-akademische Komplex. Eine Chronik der Kollaboration, Legitimation und Komplizenschaft«.

Der Report fokussiert sich einerseits auf das Minerva-Zentrum für Mikroturbinengetriebene Energiesysteme (Micro Turbine Powered Energy Systems, MTPES) am Technion, der Technischen Universität Haifa, und andererseits auf Symposien und Projekte der vergangenen Jahre. Bei letzteren werden unter anderem Ausgrabungen auf okkupiertem Land in Syrien kritisiert.

Das MTPES-Zentrum befindet sich in der Luftfahrtabteilung des Technions und arbeitet in einem militärischen Forschunglabor, das vom israelischen Verteidigungsministerium und israelischen Waffenherstellern wie Rafael Systems gegründet wurde. Der Direktor des Zentrums liste Dutzende Zuschüsse vom Ministerium, von Rüstungsunternehmen sowie vom Advanced Defence Research Institute (Adri, Institut für fortschrittliche Verteidigungsforschung) am Technion auf, heißt es im Bericht.

In mehreren Publikationen des Minerva-Zentrums am Technion wird das Adri als Sponsor aufgeführt. Diese Einrichtung ermögliche die israelische Kriegführung in Gaza, die zunehmende Siedler- und Armeegewalt gegen Palästinenser im Westjordanland sowie Zerstörung und Besetzung großer Gebiete im Südlibanon, so die Überzeugung der Autor*innen des Berichts. Adri-Direktor Jacob Nagel sei einer der engsten Partner von Israels Premier Benjamin Netanjahu und führender Berater der Israelischen Streitkräfte (IDF). 2025 lobte Nagel die Tätigkeit seiner Einrichtung: »Während des Gaza-Krieges haben wir schnell akademische Konzepte in Einsatzlösungen für das Schlachtfeld verwandelt.«

Das ebenfalls am Technion angesiedelte, 2023 geschlossene Franz-Ollendorf-Minerva-Zentrum für Verarbeitung und Automation wurde vom Gründer von Cortica AI geleitet. Die Tochterfirma des Unternehmens, Corsight IA, entwickelt Gesichtserkennungs- und Überwachungstechnologie. Im Jahresbericht von Amnesty International 2025 wird Corsight IA mit Menschensrechtsverletzungen in Gaza und der Westbank in Verbindung gebracht.

»Während des Gaza-Krieges haben wir schnell akademische Konzepte in Einsatzlösungen für das Schlachtfeld verwandelt.«

Jacob Nagel Direktor Advanced Defence Research Institute am Technion in Haifa, das militärische Forschungen des dortigen Zentrums der Max-Planck-Gesellschaft finanziert

Dem Minerva Center for Human Rights an der Hebrew University in Jerusalem werfen die Autor*innen des Berichts vor, dass es zu einer Tagung unter dem Titel »Der Gaza-Krieg und das Internationale Recht« den Chef der zuständigen Abteilung der IDF, Brigadegeneral Roni Katzir, als Redner eingeladen hatten. »Eine solche akademische Veranstaltung, abgehalten in einer Zeit, in der die IDF gerade gravierende Verletzungen internationalen Rechts inklusive Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Genozid beging, erweckt den Eindruck, dass solche Aktionen normalisiert und legitimiert werden«, moniert der Bericht.

Er rügt zudem etliche weitere von Minerva-Zentren ausgerichtete Tagungen unter Beteiligung aktueller und ehemaliger israelischer Militärs. Auch ein Workshop des Fritz-Haber-Minerva-Zentrums für Molekulare Dynamiken auf den von Israel okkupierten syrischen Golan-Höhen im Jahr 2021 wird kritisiert. Ebenso werden archäologische Grabungen in illegalen israelischen Siedlungen in Ostjerusalem in Kooperation mit einer Siedlervereinigung beanstandet.

In der Kritik steht auch die feierliche Eröffnung eines neuen Büros der Max-Planck-Gesellschaft in Jerusalem im Beisein von Israels Präsident Isaac Herzog im Dezember 2024. Herzog hatte alle Palästinenser vom Kind bis zum Greis als Verantwortliche für die Massaker an Zivilisten in Israel durch die Hamas am 7. Oktober 2023 bezeichnet – und damit zu legitimen Zielen im Krieg »gegen die Hamas« erklärt.

Das Agieren der MPG und der Minerva-Zentren ist indes vollständig von der Bundesregierung gedeckt. Erst am Wochenende betonte die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann in der »Bild«: »Für die CDU Deutschlands ganz klar: Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen den Terror und Aggression.«

Weitgehend kritiklos haben bislang alle deutschen Regierungen an der Seite Israels gestanden. Nur den bereits vor dem Gaza-Krieg massiv ausgeweiteten Bau illegaler Siedlungen in der Westbank auf palästinensischem Land kritisierten deutsche Regierungschefs von Zeit zu Zeit. Sie erklärten, dieser müsse gestoppt werden, ohne dass daraus etwas folgte.

Auch das Vorgehen des Landes im Libanon und die Angriffe auf den Iran werden aktuell von der Bundesregierung gerechtfertigt und relativiert. Und so dürften auch die akademischen Kooperationen weiter finanziert werden, auch jene, die militärische Forschung betreffen.

Solche Kooperationen fortzusetzen, bedeute »aktive Partnerschaften mit Institutionen aufrechtzuerhalten, die in Unterdrückungssysteme eingebunden sind und von ihnen profitieren«, heißt es im Bericht. Das aber stehe im Widerspruch »zum von der Max-Planck-Gesellschaft formulierten Bekenntnis zu ethischer Forschung und den Menschenrechten«. Die Autor*innen appellieren an die MPG, ihre Partnerschaften mit israelischen Forschungseinrichtungen »sofort und transparent« zu evaluieren, »insbesondere jene mit Verbindungen zum militärischen Sektor« und zu Aktivitäten in besetzten Gebieten.

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