Immobilienpreise steigen bis 2035 weiter. Doch real lohnt der Kauf oft kaum. Wo Käufer gewinnen – und wo Verluste drohen.
Die Immobilienpreise werden auch in den kommenden zehn Jahren weiter steigen. Doch nicht überall machen Sie mit einem Hauskauf Gewinn. Wir zeigen alle 400 Städte und Landkreise im Vergleich.
Glücklich ist, wer sich eine Wohnung in München leisten kann. Schließlich ist die bayerische Landeshauptstadt der teuerste Flecken Deutschlands. Für 100 Quadratmeter Eigentumswohnung zahlen Sie hier nach neuen Daten des Postbank Wohnatlas 2026 rund eine Million Euro. Darin sind typische Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Grundbucheintrag, Makler und Notar enthalten.
Nach der Preisprognose des Wohnatlas wächst der Wert einer Immobilie in München bis 2035 jedes Jahr um 0,6 Prozent zuzüglich der Inflation. Liegt diese bei durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr, hätte eine Eigentumswohnung in obiger Größe in zehn Jahren einen Verkaufspreis von rund 1,17 Millionen Euro. Damit würden Sie rund 162.000 Euro Gewinn machen. Das ist Rekord in Deutschland.
Drei weitere Regionen folgen. Direkt hinter der Stadt München liegen der Landkreis München und der nahe Landkreis Starnberg mit je 153.000 Euro Wertzuwachs. Platz vier geht an den Landkreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Selbst wenn man die Ferienimmobilien etwa auf der Insel Sylt abzieht, bescheren Ihnen steigende Preise hier noch einen Wertzuwachs von 151.000 Euro in zehn Jahren.
Die genannten Regionen sind die positiven Ausreißer. Insgesamt rechnet der Postbank Wohnatlas mit durchschnittlich 0,4 Prozent Wertsteigerung für deutsche Immobilien. Bei einem heutigen Preis von durchschnittlich 333.000 Euro für 100 Quadratmeter und zwei Prozent Inflation wäre das ein Wertzuwachs von rund 48.000 Euro in zehn Jahren. Am höchsten ist er in den Ferienregionen der Alpen. Hier winken durchschnittlich 108.000 Euro. Die Top-7-Städte Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Köln, Düsseldorf und Stuttgart folgen mit 93.000 Euro. Alle anderen Großstädte locken mit durchschnittlich 54.000 Euro Wertzuwachs. In Mittelstädten sind es noch rund 50.000 Euro. Am wenigsten gibt es in ländlichen Gebieten, die keine Ferienregionen wie Nordfriesland sind. Hier liegt der erwartete Wertzuwachs nur bei 41.000 Euro.
Das liegt auch daran, dass es immerhin neun Regionen gibt, in denen die Preise sinken werden. Sie liegen alle in Ostdeutschland. Der Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt führt das Negativranking an. 100 Quadratmeter Eigentumswohnung kosten hier aktuell rund 124.000 Euro. In zehn Jahren sollen sie nur noch 116.500 Euro wert sein. Das ist nach Inflation ein Wertverlust von rund 7500 Euro. Ähnlich weit runter geht es im Erzgebirgskreis in Sachsen mit 7000 Euro und dem Vogtlandkreis in Sachsen mit 6000 Euro. Letzter ist heute schon die günstigste Region Deutschlands.
Das sind aber alles nur die absoluten Gewinne. Wie gezeigt, hängen die oft auch damit zusammen, wie viel Geld Sie zunächst investieren. Wer rein auf die prozentuale Wertsteigerung schaut, ist in Leipzig am besten bedient. Die inflationsbereinigten 1,9 Prozent pro Jahr sind hier bundesweit ungeschlagen. Dahinter folgt das Berliner Umland: Der Landkreis Barnim kommt auf 1,5 Prozent, in den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald sind es 1,4 Prozent. Der Landkreis Oberhavel folgt mit 1,3 Prozent. Diesen Wert erreicht auch das Berchtesgadener Land aus Bayern. In all diesen Regionen gibt es 100 Quadratmeter Eigentumswohnung für weniger als 500.000 Euro.
Den prozentual größten Verlust machen Sie im schon erwähnten Landkreis Mansfeld-Südharz mit rund 1,5 Prozent pro Jahr. Im sächsischen Vogtlandkreis – schon heute die günstigste aller deutschen Regionen – geht es jährlich um 1,4 Prozent nach unten. Im Landkreis Greiz in Thüringen sind es 1,3 Prozent.
Wer nicht auf dem Land kaufen möchte, ist nach München am besten in Potsdam aufgehoben. Hier bekommen Sie bis 2035 einen Wertzuwachs von rund 112.000 Euro. Dahinter liegt schon Leipzig mit 108.000 Euro. Die sächsische Großstadt ist dafür aber nur halb so teuer wie Potsdam.
Relativ gesehen gibt es neben Leipzig zwei weitere Großstädte mit Wertzuwächsen von mehr als einem Prozent pro Jahr. Die eine ist die sächsische Hauptstadt Dresden. Hier sind es 1,1 Prozent. Das ergibt absolut immerhin 74.000 Euro Plus in zehn Jahren. Die andere ist Ludwigshafen am Rhein in Rheinland-Pfalz. Hier geht es relativ um 1,2 Prozent pro Jahr und absolut um 71.000 Euro bis 2035 nach oben.
Die einzige Großstadt mit Verlusten liegt ebenfalls in Sachsen. Die Immobilienpreise in Chemnitz werden demnach pro Jahr um 0,005 Prozent sinken. Dank Inflation bleibt am Ende trotzdem ein Plus von knapp 12.000 Euro. In Hagen in NRW ist der Zugewinn mit 0,03 Prozent am geringsten. Knapp davor steht noch Salzgitter in Niedersachsen mit 0,17 Prozent. In all diesen drei Städten sind Immobilien auch heute schon sehr günstig. 100 Quadratmeter kosten nirgendwo mehr als 220.000 Euro.
Trotz der schönen Gewinnzahlen lohnen sich Immobilieninvestments in Deutschland auf Sicht kaum. Bisher haben wir sie immer inklusive der Inflationsrate gerechnet. Deswegen wachsen alle Immobilien-Werte teils deutlich an. Inflationsbereinigt sieht das aber anders aus. 162.000 Euro Wertzuwachs in München bis 2035 werden so sogar zu einem realen Verlust von 46.000 Euro. Die inflationsbereinigte Wertsteigerung von knapp 0,6 Prozent jährlich reicht in zehn Jahren nicht aus, um die typischen Nebenkosten eines Wohnungskaufs auszugleichen.
So bleiben inflationsbereinigt nur noch zwölf Regionen, in denen Sie auch in heutiger Kaufkraft Zuwächse erzielen. Am höchsten ist der in Leipzig mit rund 25.000 Euro. Dahinter folgt das Berchtesgadener Land in Bayern mit knapp 14.000 Euro vor dem Landkreis Ostallgäu mit 8600 Euro. Ludwigshafen am Rhein ist neben Leipzig die einzige weitere Großstadt in der Liste. Zu den Gewinnern gehören auch die Landkreise Barnim, Dahme-Spreewald, Oberhavel und Teltow-Fläming rund um Berlin, sowie die Mittelstädte Landsberg am Lech und Kaufbeuren sowie die Landkreise Ebersberg und Erding in Bayern.
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