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Wie Mallorcas Tiere unter der Hitze leiden - und was wir von ihnen lernen können

Дата публикации: 01-08-2026 07:07:57

Es grunzt, es stinkt, und es ist brütend heiß. 10 Uhr morgens, in einem Schweinestall nahe des Inseldorfs Ariany. Das Thermometer zeigt weit über 30 Grad, die Luftfeuchtigkeit ist erdrückend. Hier schwitzt man wie ein Schwein, möchte man meinen. „Stimmt aber nicht, Schweine schwitzen nicht, und das ist das Problem. Dadurch sind sie extrem hitzeanfällig“, sagt Toni Mestre. Er ist der Besitzer des Zuchtbetriebs. 200 Mutterschweine, ungezählte Ferkel, die jüngsten gerade mal einen Tag alt. Eingepfercht in kleinen Gehegen, die nur bedingt Kontakt zur Mutter zulassen – zur Sicherheit der Jungen, damit die Säue sie nicht mit ihren 250 Kilo Körpergewicht zerquetschen, betont Mestre. Und bei alldem: keine Klimaanlage.

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Es grunzt, es stinkt, und es ist brütend heiß. 10 Uhr morgens, in einem Schweinestall nahe des Inseldorfs Ariany. Das Thermometer zeigt weit über 30 Grad, die Luftfeuchtigkeit ist erdrückend. Hier schwitzt man wie ein Schwein, möchte man meinen. „Stimmt aber nicht, Schweine schwitzen nicht, und das ist das Problem. Dadurch sind sie extrem hitzeanfällig“, sagt Toni Mestre. Er ist der Besitzer des Zuchtbetriebs. 200 Mutterschweine, ungezählte Ferkel, die jüngsten gerade mal einen Tag alt. Eingepfercht in kleinen Gehegen, die nur bedingt Kontakt zur Mutter zulassen – zur Sicherheit der Jungen, damit die Säue sie nicht mit ihren 250 Kilo Körpergewicht zerquetschen, betont Mestre. Und bei alldem: keine Klimaanlage.

Die kleinen Ferkel dürfen nur bedingt Kontakt zur Mutter haben, um nicht zerquetscht zu werden

Die kleinen Ferkel dürfen nur bedingt Kontakt zur Mutter haben, um nicht zerquetscht zu werden / Nele Bendgens

Mestre arbeitet sein Leben lang mit Schweinen. Genau wie sein Vater einst. „Warm war es auf Mallorca im Sommer immer. Aber diese plötzlichen, frühen und lang anhaltenden Hitzephasen ohne nächtliche Abkühlung hat es so nicht gegeben. Für mich sind sie ein Desaster“, schimpft der Mallorquiner. Elf Säue starben ihm in den vergangenen Monaten weg, sechs Prozent mehr als normalerweise, dazu mehrere Ferkel. Traurig, ja, vor allem finanziell, findet Mestre. Immerhin sind es die Tiere, die seinen ohnehin knapp bemessenen Lebensunterhalt einbringen. Ein Mitarbeiter will bezahlt werden, dann das Futter („eine Sau frisst gut eine Tonne pro Jahr“). Für teure Klimaanlagen sei nicht genügend Geld verfügbar.

Gleich neben dem Ferkelstall, durch dessen offene Fensterlöcher die Hitze hineinwabert, ist ein Außenbereich. Hier gibt es Bäume, Tümpel. Keine Ferkel, dafür schwangere Mutterschweine, die sich offensichtlich sauwohl fühlen. Fast alle liegen bis zum Kopf im Matschwasser. „Um die brauche ich mir keine Sorgen machen“, sagt Toni Mestre. Aber die Kleinen hier laufen zu lassen sei nicht möglich. „Es sei denn, ich nehme hin, dass mir mehrere aus jedem Wurf wegsterben oder sie zu mager bleiben. Das passiert in Freilaufgehegen. Aber dann lohnt sich die Zucht wieder nicht.“

Im Tümpel lässt es sich aushalten

Im Tümpel lässt es sich aushalten / Nele Bendgens

Es sind die Sorgen eines Mallorquiners vom alten Schlag. Der aus familiärer Tradition auf die Landwirtschaft setzt – und mit neuen Bedingungen hadert: dem fortschreitenden Tierschutz, der Bürokratie, der Inflation. Und jetzt auch noch der massiven Hitze. Hilfe vom Staat? Fehlanzeige.

Mallorquinische Tricks

„Schweine und Hühner sind die empfindlichsten Nutztiere, was Hitze angeht“, bestätigt Tierärztin Magda Adrover, die für die Vereinigung von Mallorcas Biolandwirten (APAEMA) tätig ist. Hühner versuchten immerhin noch mit dem Öffnen ihrer Schnäbel ein wenig Temperatur zu regulieren, oder durch das Aufstellen der Federn. „Allerdings wirkt sich das auf die Eierschalen aus, sie sind im Sommer dünner.“ Schweinen bliebe nur der Tümpel. Oder, hinter Gittern, die Hoffnung auf künstliche Kälte. „Die Verantwortung liegt da klar beim Halter.“

Nicht alle Nutztiere gäben im Sommer Grund zur Sorge. „Schafe sind hitzeresistenter. Natürlich muss man sie im Frühjahr scheren, aber die dann verbleibende Wolle ist eine gute Dämmung auch gegen Hitze“, weiß die Veterinärin. Die empfindlichsten Stellen der Schafe seien die wenig behaarten Köpfe. „Deshalb stecken sie sie bei hohen Temperaturen oft zusammen und schirmen sie mit ihren Körpern ab, das hat nichts Konspiratives an sich.“ Einheimische Arten wie die Ovella Roja Mallorquina hätten sogar noch einen besonderen Hitzetrick: „Am Schwanzende haben sie einen Fettknubbel, der als Reserve dient und Fett und Wasser speichert, ähnlich wie bei Kamelen die Höcker“, so Adrover. Auch Kühe und Pferde trotzten der Hitze besser als Schweine und Federvieh. „Sie schwitzen sehr viel. Das kühlt sie auf natürliche Weise.“

Und doch: „Sobald die Temperaturen über 24 oder 25 Grad klettern, stresst das alle Nutztiere hier auf der Insel. Sie befinden sich dann nicht mehr in ihrer Komfortzone, müssen auf Überlebensmodus umschalten und fahren andere Mechanismen herunter.“ Sprich: Sie wachsen langsamer, sind weniger fruchtbar und schlechter gegen Krankheiten geschützt. „Würden die klimatischen Veränderungen nicht so schnell voranschreiten, könnten sich die Tiere körperlich langsam daran anpassen. Doch es geht einfach zu schnell“, so Adrover.

Von den Schafen lernen

Immerhin: Ihr Verhalten passen die Tiere sehr wohl an, ganz instinktiv – wenn man ihnen den Freiraum dazu gibt. „Sogar besser als wir Menschen. Im Sommer legen sich meine Schafe um 8 Uhr morgens schlafen und stehen erst um 20 Uhr wieder auf. Das sollten wir alle tun“, sagt Xisco Llompart. Der 54-Jährige war eigentlich Kunstlehrer und Kulturbeauftragter in Barcelona, kehrte vor 25 Jahren dann aber doch auf seine Heimatinsel zurück, um dort die alten Ländereien seines Großvaters bei Llucmajor wiederzubeleben. Zuvor hatten sie 20 Jahre lang brachgelegen. Ein radikaler Lebenswandel, den er bis heute nicht bereut.

„Ich pflanze Bäume und züchte Schafe, und das so nachhaltig wie möglich. Ich lerne von der Natur und mit ihr“, erzählt Llompart. Alles ökologisch, mit immer weniger Maschinen im Einsatz. Eine Philosophie. „Das Problem vieler Ländereien hier ist, dass es nicht mehr genug Johannisbrot-, Mandel- und Feigenbäume gibt. Gerade bei Hitze. Sie sind perfekte Klimaanlagen. Ich stehe gerade selbst unter einem algarrobo, fantastisch“, schwärmt er am Telefon.

Ohne schattenspendende Bäume geht es nicht

Ohne schattenspendende Bäume geht es nicht / Xisco Llompart

Das bestätigt der deutsche Bio-Landwirt Georg Bräutigam. Auch er ist ein Aussteiger, gab vor mehr als 20 Jahren seinen Job bei einer Bank in Deutschland auf und kam auf die Insel, um Bauer zu werden. Zunächst in Capdepera, seit einigen Jahren auf der Finca Can Piol bei Vilafranca. Hier hält er unter anderem Kühe. Wie alle Landwirte versucht er, seine Tiere so gut es geht vor der Hitze zu schützen. Natürlicher Schatten sei für das Vieh deutlich effektiver als Zeltplanen oder Wellblechdächer, betont er. „Blätter verschiedener Bäume halten die Hitze besser ab. Unter wilden Oliven, Kiefern oder Eichen ist die Temperatur gleich viel niedriger.“ Wichtig sei, während der heißen Monate auf die Ernährung der Tiere zu achten. „Man darf nicht denken, dass sie weniger fressen. Auch im Sommer muss das Futter gut sein“, so Bräutigam. „Und natürlich viel Wasser.“

Tierisch heiß

Tierisch heiß

„Bei Freilandtieren sollte man am besten verschiedene Wasserstellen einrichten, damit sie nicht so weit laufen müssen“, rät Tierärztin Magda Adrover. „Und immer frisch und kühl halten, sonst trinken sie es nicht, obwohl sie es bräuchten.“ Anpassen, entgegenwirken, wachsam bleiben – nur so ließen sich die Hitzeperioden aushalten. „Und mit der Hoffnung, dass sie möglichst bald zu Ende gehen.“

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