Haustiere leiden teilweise noch mehr unter der Hitze als wir Menschen. Doch nicht immer ist es für die Halter ersichtlich, wann ihre Lieblinge wirklich in Gefahr schweben. Interview mit der deutschen Tierärztin Jeanette Haug, die seit 2007 eine Praxis in Cala Ratjada betreibt.
Haustiere leiden teilweise noch mehr unter der Hitze als wir Menschen. Doch nicht immer ist es für die Halter ersichtlich, wann ihre Lieblinge wirklich in Gefahr schweben. Interview mit der deutschen Tierärztin Jeanette Haug, die seit 2007 eine Praxis in Cala Ratjada betreibt.
Beobachten Sie, dass die Hitze den Haustieren in den letzten Jahren stärker zusetzt?
Selbstverständlich. Tiere leiden genau wie wir vermehrt darunter. Gerade ältere Tiere haben massive Probleme oder jene mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Leishmaniose. Aber ich habe diesen Sommer auch deutlich mehr jüngere Tiere behandelt , die nicht gut mit den Temperaturen klarkommen und bei denen Atemnot oder Kreislaufprobleme auftreten.
Welche Anzeichen sollten das Alarmsignal sein, um zum Tierarzt zu gehen?
Wenn die Tiere exzessiv hecheln, überhaupt nicht mehr zur Ruhe kommen und die Zunge blau wird. Auch wenn sich der Brustkorb sehr stark bewegt und man die Herzfrequenz extrem pulsieren sieht oder sich das Tier überhaupt nicht mehr bewegen will und die Nase warm ist, sollte man dringend reagieren.
Wie behandeln Sie Tiere mit Hitzschlag?
Das hängt davon ab, mit welcher Situation wir es zu tun haben. Wenn die Körpertemperatur sehr stark angestiegen ist und es massive Kreislaufprobleme gibt, bleibt das Tier in der Klinik, bekommt Infusionen, und wir versuchen, die Körpertemperatur vorsichtig herunterzukühlen. Das darf man auch nicht zu schnell machen. So versuchen wir, die Symptome zu stabilisieren. Wenn es sich um einen leichteren Fall handelt – denn die Menschen sind manchmal einfach sehr besorgt –, hilft oftmals schon ein gutes Beratungsgespräch darüber, was man tun sollte und wie man sich tagsüber verhalten sollte.
Und das wäre?
Im Grunde gelten die gleichen Regeln wie für uns Menschen: Anstrengungen während der heißen Mittagszeit vermeiden. Spaziergänge nur am frühen Morgen und späten Abend. Ganz wichtig ist der ständige Zugang zu frischem Wasser, gerne auch über verschiedene Näpfe an unterschiedlichen Stellen im Haus, gerade für Katzen, damit sie immer die Möglichkeit haben, ausreichend zu trinken. Schattenplätze sind wichtig. Es gibt auch Kühlmatten, oder man kann ein feuchtes Handtuch verwenden, wenn die Tiere das mögen. Außerdem sollte es einen Rückzugsort im Haus geben. Sie sollten definitiv immer die Möglichkeit haben, hineinzugehen, wenn es ihnen draußen zu warm wird.
Je nach Rasse ist der Leidensdruck noch höher, oder? Sind manche gänzlich ungeeignet für Mallorca?
Das ist eine schwierige Frage. Tiere mit kurzem Nasenbereich, also Bulldoggen, Französische Bulldoggen, Möpse und Shih Tzus haben durch ihre Anatomie natürlich generell Probleme mit der Atmung. Solche Patienten leiden wesentlich stärker unter der Hitze. Auch bei Hunden mit dichter Unterwolle muss man sich fragen: Ist es sinnvoll, mit einem solchen Hund auf Mallorca zu leben? Wobei ich dazu sagen muss: Ich habe etliche Hunde in der Praxis, etwa Siberian Huskys oder Malamutes, die interessanterweise sehr gut mit der Hitze zurechtkommen. Und was Katzen angeht: Alle Sphynx-Katzen oder Nacktkatzen sind sehr hitzeanfällig, das ist auf Mallorca ein Problem.
Und Meerschweinchen oder Kaninchen?
Sie haben noch viel größere Probleme mit der Wärmeregulation. Bei ihnen verändert sich der Zustand sehr, sehr schnell. Sie haben bei Wärme auch oft Magen-Darm-Probleme. Man sollte deshalb versuchen, diese Tiere an heißen Tagen irgendwo unterzubringen, wo es ruhig und eher kühl ist, damit sie sich erholen können.
Auch nachts bleibt es heiß. Kommt man da um Klimaanlagen überhaupt herum?
Kaum. Die Menschen, die eine Klimaanlage haben, erzählen immer, dass ihre Tiere ständig davor liegen. Das kann ich auch bei mir zu Hause beobachten. Oder sie legen sich im Keller auf die kühlen Fliesen.
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