Queerer Zirkus, Ausstellungen, Partys und natürlich Demos: Beim 48. Berliner CSD ist viel los in der Stadt. Unsere Tipps für ein regenbogenbuntes Wochenende.
Der Christopher Street Day war schon immer beides – Demo und Party. Bei der am Wochenende stattfindenden 48. Ausgabe des Berliner CSD dürften die kämpferischen Töne aus aktuellem Anlass (Rechtsruck, Spardruck, Wahlkampf) ziemlich laut sein.
Neben dem großen Umzug am Samstag gibt es jede Menge Events drumherum– wir haben Ihnen eine Auswahl zusammengestellt. Aktuell informiert Sie ab Freitagnachmittag der CSD-Blog der Queerspiegel-Kolleg:innen auf tagesspiegel.de. Solidarische Grüße sendet das Ticket-Team!
1 ... auf der Straße
© dpa/Frank Hammerschmidt
Die Zeiten sind politisch, das macht das Motto „Haltung ist hot“ deutlich. Und dass der diesjährige CSD zwar bunt, aber kein Kindergeburtstag ist, zeigt sich auch daran, dass Rechtsextremisten wieder eine Gegenveranstaltung angemeldet haben.
Los geht das CSD-Wochenende, das sich erstmals über zwei Tage erstreckt, schon am Freitag mit einem Demokratieabend mit Reden und Konzerten (ab 18 Uhr, u.a. Wilhelmine) am Brandenburger Tor – im Fokus steht die Berlin-Wahl im September.
Am Samstag startet um 12 Uhr die große CSD-Demo in der Leipziger Straße (Eröffnung 11:30 Uhr). Die Route führt über den Potsdamer Platz, vorbei am Nollendorfplatz zur Siegessäule.
Mit 83 Wagen, 55 Fußgruppen und Zigtausenden Menschen soll es erneut einer der größten CSDs in Europa werden. Die Abschlusskundgebung mit Reden und Musik findet am Brandenburger Tor statt (ab 16.30 Uhr, u.a. Ebow).
Es gibt weitere Demos wie die Internationalist Queer Pride (Sa), den Drag March und den Dyke* March (Fr). Ach ja, falls Sie unsicher sind – auch als Straight Ally, als heterosexuelle Person, darf man beim CSD für Vielfalt kämpfen. (ans)
2 ... mit Platten
© IMAGO/Pond5 Images
Schallplatten sind, jedenfalls aus Sammlerperspektive, ein empfindliches Kulturgut. Bei starker Sonneneinstrahlung verformen sie sich, bei unsachgemäßer Behandlung verkratzen sie, bei starken Erschütterungen springen sie, bei Regen oder Caipi-Dusche pappen sie mit Cover oder Innenhülle zusammen.
Alles Argumente, die dagegen sprechen, dass beim CSD-Umzug auf den Sattelschleppern noch mit Vinyl aufgelegt wird. Das muss sich natürlich spätestens bei den vielen Afterpartys in den Clubs ändern.
Zum Beispiel im Beate Uwe, wenn Bézier, BrthrMidnyt, F.E.Y.D, SXCL, Nicki Black und andere im freundschaftlich-sportlichen B2B-Modus (Back-to-Back, also abwechselnd) Scheiben mit House und Electro auflegen. (wun)
3 ... für Museums-Allies
© PR
Ist das nun kindisch, oder gar beleidigend, wenn man beim Angebot des Museums für Kommunikation grinsen muss, dass die Teilnehmer:innen des CSD die Toiletten kostenlos „nutzen“ dürfen?
Schon, aber um die verminte Kommunikation über Sex und Gender geht es auch bei der Sonderausstellung „Apropos Sex“. Der Besuch ist am Samstag frei.
Im Ernst: Das Museum bietet außerdem eine Protestschild-Werkstatt im Hof und ein kühles Getränk. Nächster CSD-Kulturstopp: Neue Nationalgalerie.
Auf der Außenterrasse unter Gilbert Bakers „Rainbow Flag“ legt Roi Perez (Foto), Resident-DJ der Panorama Bar, zum Warmlaufen auf, bis die Demo um ca. 13 Uhr vorbeikommt. (ipa)
4 ... mit Genuss
© Emilia Lyon
Ohne Mampf kein Kampf: Einstimmen kann man sich unter anderem beim Brunch im Vagabund Kesselhaus mit Burlesque und Drag unter dem Motto „Bottoms Up“ (Sa 12-16 Uhr) oder im Schöneberger Ableger von Frühstück 3000 – die machen gemeinsame Sache mit dem Club Ficken 3000 (die Restaurantterrasse liegt auf der Route): erst Frühstück, dann Party.
Zum Ausklingen nach Demo und Partynacht gibt es dann in der Markthalle Neun eine CSD-Spezialausgabe vom Breakfast Market, mit Frühstück aus der ganzen Welt, Workshop, Infoständen und ein bisschen Musik. (ans)
5 ... für FLINTAS
© dpa/Jens Büttner
Die CSD-Party der beliebten FLINTA-Partyreihe „Girls Town“ am Samstag ist schon ausverkauft, aber zum Glück gibt es am selben Abend noch die offizielle FLINTA-Pride-Party des CSD im Frannz Club in der historischen Kulturbrauerei.
Bei der können Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen ausgelassen feiern, ohne von cis Männern begafft oder belästigt zu werden.
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Auf drei Dancefloors werden queere Pop-Hits, Rockmusik, Soul, House und Techno gespielt, auch der lauschige Biergarten im Innenhof ist geöffnet. Wer hungrig von der Demo kommt, ist hier auch gut aufgehoben: Es gibt Mitternachtsnacks und Gratis-Eis. (ero)
6 ... im Zirkus
© PR/Nathan Dobbelaere
Die Kompanie House of Circus aus Amsterdam gastiert seit Anfang Juni mit ihrer Produktion „Carnivale Royale“ im Chamäleon. Die schillernde Show (aus der auch unser Aufmacherbild oben stammt) bringt Drag und zeitgenössischen Zirkus zusammen.
Hier kann jeder so sein, wie er mag. Auf der Bühne sind spektakuläre Luftakrobatik, Comedy und Drag-Performances zu erleben – aber auch Diskriminierungserfahrungen werden angesprochen.
Am CSD-Wochenende (Fr/Sa) sind gleich drei Shows auf dem Spielplan. Sie sind empfohlen für Zuschauer ab 16 Jahren. „Carnival Royale“ läuft bis 2. August.
7 ... im Kino
© Jonas Walter
Zylinder, Weste und Zigarettenetui von Marlene Dietrich, diverse Requisiten aus Wieland Specks Ost-West-Liebesgeschichte „Westler“ oder als Blickfang ein gelber Anzug von Rosa von Praunheim, mit dem der Regisseur an Aids-Tote erinnerte: Mit „Inventing Queer Cinema“ hat die Deutsche Kinemathek im Frühjahr ihre erste Ausstellung am neuen Standort im E-Werk eröffnet, samt begleitendem Filmprogramm mit 97 Werken.
Im Fokus stehen Filme und Filmschaffende, die das queere Kino in Deutschland geprägt haben. Herzstück ist eine Installation übereinander gehängter Bild- und Texttafeln, die den Platz in der schmalen, hohen Halle gut ausnutzt. (meh)
Eine Besprechung der Ausstellung können Sie hier lesen.
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