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Was bringt es, wenn jeder einen Baum pflanzt?

Дата публикации: 24-06-2026 08:41:25

83,5 Millionen Menschen leben in Deutschland. Wenn wir für jeden einen Baum pflanzen, dann sollte das doch einen riesigen Effekt haben. Oder?

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Eichen-Baum pflanzen

AUDIO: Was, wenn jeder einen Baum pflanzen würde? (5 Min)

Unser Wald

Stand: 24.06.2026 10:41 Uhr

83,5 Millionen Menschen leben in Deutschland. Wenn wir für jeden einen Baum pflanzen, dann sollte das doch einen riesigen Effekt haben. Oder?

von Anne Sailer

"Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen", lautet ein unvergessenes Zitat Martin Luthers. Dabei steht der Baum bei ihm für Wachstum, Dauerhaftigkeit und Glauben an die Zukunft. Heute werden in Deutschland Bäume in Rekordmengen gepflanzt, weil der heimische Wald durch die Klimakrise akut kollabiert und dringend tiefgreifend umgebaut werden muss. Können wir als Einzelne da helfen? Nützte es heute etwas, einen einzelnen Baum zu pflanzen?

Was können 83 Millionen zusätzliche Bäume?

"Das würde nicht viel ausrichten", meint Dr. Thomas Riedel vom Thünen-Institut. Er leitet die Fachgruppe Inventur, Waldressourcen und Klimaschutz und rechnet vor:

"83 Millionen Bäume machen 16.000 Hektar Fläche".
Klingt viel!
Das wäre eine Waldfläche die der Größe einer thüringischen Kleinstadt wie Gera oder Jena ähnelte.
Das wirkt schon kleiner.
Diese Fläche entspräche gerade einmal 0,1 Prozent des deutschen Waldes. Denn der beherbergt auf 11,4 Millionen Hektar rund 90 Milliarden Bäume.
Oh!

Ein Wanderer sitzt auf einer Bank und blickt über eine begige Waldlandschaft.

Mythos Urwald

War der Wald früher wirklich besser?

War der Wald früher wirklich besser oder verklären wir eine Idylle, die es nie gab? Warum "Urwald" meist menschengemacht ist und wieso wir ihn neu denken müssen, klärt Maike zum Hoff in den Großen Fragen in zehn Minuten.

Eine schlechte Idee ist es dennoch nicht, einen Baum zu pflanzen, aber: Er muss auch wachsen können, um klimaschädliches Kohlendioxid – also CO₂ – wie ein Staubsauger aus der Luft zu filtern. Dafür muss er mindestens zehn Jahre überstehen. Viele Bäume schaffen diese zehn Jahre allerdings nicht, weil sie "unterwegs", also im Laufe ihres Lebens, an Krankheiten eingehen, von Tieren gefressen oder von Parasiten durchlöchert werden, Trockenperioden nicht überstehen oder Stürmen zum Opfer fallen.

Pflanzen allein reicht nicht aus

Es reicht also nicht aus, einen Baum zu pflanzen, er muss auch aufwändig gepflegt werden. Einen Baum zu pflanzen, empfiehlt Thomas Grünwald, Meteorologe an der TU Dresden, trotzdem. Wer Platz dafür habe, könne beispielsweise einen Obstbaum pflanzen. Dieser böte neben Schatten auch essbare Früchte. Grünwald hat aber ganz andere Sorgen. "Dem sächsischen Wald geht es schlecht!" sagt der Meteorologe. Seit 2018 habe man mit den vergangenen Trockenjahre und den Folgeschäden zu kämpfen.

Dem sächsischen Wald geht es schlecht! Dr. Thomas Grünwald, Meteorologe, TU Dresden

Zudem belasten Sturmschäden den Wald. Damit sei der sächsische Wald keine starke CO₂ -Senke mehr, sondern sei fast schon zur CO₂-Quelle geworden ist. Das heißt: Hier werde kaum noch CO₂ gebunden. Grund dafür sei die Bodenatmung, also der Stoffwechsel der Erde, der beim Baumwachstum mitarbeitet. Die schlechte CO₂-Bilanz in Sachsen werde an unterschiedlichen Messstationen der Meteorologen im Land gemessen.

"Wir messen über einem alten Fichtenwald, der gibt CO₂ in der Atmosphäre ab, gleichzeitig ist eine Fläche mit Sturmschaden eine CO₂ -Quelle." Deswegen, so Grünwald, sei Aufforstung jetzt sehr wichtig. Und dabei zähle jeder Baum. Wenn sich der Einzelne einbringen möchte, könne er beispielsweise an den Pflanzaktionen des Sächsischen Forstamtes beteiligen oder Pflanzaktionen mit Spendengeldern unterstützen.

Wanderweg von Schierke auf den Brocken
Ein Mensch – ein Baum? Wie viele Bäume brauchen wir wirklich?

Derzeit verursachen die Deutschen jährlich rund acht bis neun Tonnen CO₂ pro Person. Das entspricht, so rechnet Meteorologe Thomas Grünwald, rund einem halben Hektar Fichtenwald. Auf dem stehen, laut seiner Rechnung, rund 100 bis 150 gesunde Fichten. Und um die Fichten steht es allerdings besonders schlecht.

Aufforstung bedeutet heute nämlich auch Waldumbau. Dr. Thomas Grünwald

Die gesunden Fichten werden immer seltener, da die Nadelbäume einst nur in wenigen kühlen und feuchten Regionen in Deutschland beheimatet waren, werden sie immer kränker. Ihr Anteil am deutschen Wald ist um rund 400.000 Hektar gesunken. Daher steige der Anteil der Laubbäume. Die Fläche der Laubbäume ist um rund 300.000 Hektar gewachsen.

Nahaufnahme von lichtdurchfluteten Blättern vor einem Blätterdach.

unicato - Das Kurzfilmmagazin

Wald - Rohstoff und Mythos

Der Wald ist weit mehr als eine Ansammlung von Bäumen: Er ist ein Ort mit kultureller Bedeutung und ein unverzichtbarer Dienstleister. unicato blickt auf den Wald als Sehnsuchtsort, Lebensraum und Konfliktzone.

Klimawandel beeinflusst Forstwirtschaft

Bei der Aufforstung, erklärt Grünwald, sei man mittlerweile auf Baumarten aus dem Süden Europas umgestiegen. Weder Buchen noch Eichen sind an die extreme Trockenheit angepasst. Daher greife man bei neuen Pflanzungen mehr und mehr auf ausländische Baumarten zurück. Diese stammten aus dem Mittelmeergebiet wie die serbische Fichte beispielsweise. Dennoch: Aufforstung hilft! Sie braucht aber Zeit, eine Dekade geht ins Land, bis ein Baum ausreichend CO₂ bindet.

Bäume zu pflanzen hilft also in den ersten zehn Jahren nicht, um das das Klimagas CO₂ zu binden, von dem zu viel in der Atmosphäre ist. Das betrifft vor allem Wälder mit sehr großen Schadensflächen, sagt Grünwald. Sein Team hat das berechnet. Die Bilanz: pro Hektar kaputtem Wald, der ersetzt werden muss, "werden also in den ersten zehn Jahren 300 Tonnen CO₂ zusätzlich quasi freigesetzt oder nicht gebunden".

Ein grüner Wald mit dichten Bäumen durch die das Licht der Sonne scheint.
Wir brauchen ein neues Bewusstsein für den Wald

300 Tonnen CO₂ entsprechen ungefähr 2,5 Millionen Kilometern Autofahrt. Also, Doch keinen Baum pflanzen – es lohnt nicht und rauf aufs Kreuzfahrtschiff? Marco Horn vom Staatsbetrieb Sachsenforst schüttelt den Kopf. Er fordert ein gesellschaftliches Bewusstsein für den Wald in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland.

"Man kann auch schon damit anfangen, indem man einfach den Wald wertschätzt, keinen Müll hinterlässt, keinen Müll in den Wald wirft, was wir viel zu häufig leider sehen, dass man achtsam umgeht, keine Waldbrände unachtsam auslöst zum Beispiel." Denn am Waldökosystem hängt so viel mehr, sagt Hirn, "ganz viele Tierarten, Pflanzenarten, Pilzarten, klimatische Wirkung, und das wäre gut, wenn man das sozusagen im Hinterkopf hat."

Bäume pflanzen ist also nur eine von vielen Möglichkeiten, dem Wald zu helfen. Aber es gibt zumindest ein gutes Gefühl.

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