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Corona-Pandemie: Aufschub hatte kaum Einfluss bei Krebsoperationen

Дата публикации: 01-07-2026 10:47:36

Beim Lockdown 2020 haben Krankenhäuser Operationen verschoben, etwa zur Tumorentfernung. Eine Studie aus Halle zeigt nun, dass dies keinen Einfluss darauf hatte, ob das Gewebe vollständig entfernt wurde.

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Drei Menschen in blauen Kitteln stehen um einen Patienten und führen Geräte in dessen Bauch.

AUDIO: Wartezeiten während der Pandemie und ihr Einfluss auf Krebsoperationen (1 Min)

Forschung aus Halle

Stand: 01.07.2026 12:47 Uhr

Mit dem ersten Lockdown 2020 begannen Krankenhäuser Operationen zu verschieben. Auch solche, bei denen Tumore entfernt werden sollten. Eine Studie der Universitätsmedizin Halle zeigt nun, dass dies, insgesamt betrachtet, keinen Einfluss darauf hatte, ob das Krebsgewebe vollständig entfernt werden konnte.

von MDR WISSEN / jar

"Durch die Pandemie-Maßnahmen geriet die Behandlung vieler Menschen, darunter Krebspatient:innen, teilweise in den Hintergrund. Die Sorge, dass diese Verzögerungen das Tumorwachstum begünstigt, eine Operation erschwert oder die Sterblichkeit erhöht haben könnten, ist zunächst sehr nachvollziehbar", erklärt Ulrich Ronellenfitsch, Experte für Bauchchirurgie bei Krebserkrankungen an der Universitätsmedizin Halle.

Daten von über 17.000 Krebspatienten

Ronellenfitsch und sein Team werteten daher Daten eines internationalen Forschungsnetzwerks aus. In diesem COVIDSurg genannten Zusammenschluss wurden die Auswirkungen der Pandemie auf die chirurgische Krebsbehandlung untersucht. Fast 20.000 Patientinnen und Patienten aus 466 Krankenhäusern in 59 Ländern flossen in die Analyse ein. Mehr als 17.000 von ihnen erhielten zwischen Ende März – dem Zeitpunkt des ersten Lockdowns in Deutschland – und Mitte September 2020 eine Krebsoperation.

Corona Impfung

Die Wartezeit betrug dabei drei bis vier Wochen, 85 Prozent waren nach elf Wochen operiert. Insgesamt wurden die 15 weltweit häufigsten Krebsarten berücksichtigt, wobei Brustkrebs ein Fünftel der Fälle ausmachte.

Vollständige Resektion in 90 Prozent der Fälle – unabhängig von Wartezeit

Es zeigte sich, dass die beobachteten Verzögerungen insgesamt keinen erkennbaren Einfluss darauf hatten, ob ein Tumor vollständig entfernt werden konnte. "In mehr als 90 Prozent der Fälle war eine vollständige Tumorentfernung möglich. Die Rate sogenannter R0-Resektionen, also Operationen, bei denen kein Tumorgewebe an den Schnitträndern zurückblieb, blieb trotz der Wartezeiten gleichbleibend hoch", erklärt Ronellenfitsch.

Ein Mann unterzieht sich einer physikalischen Therapie mit Hilfe eines Trainers auf einem Laufband in einem Haus.

Auch auf die Sterblichkeit nach 30 Tagen hatte eine längere Wartezeit keinen Einfluss. Tatsächlich lag die Mortalität innerhalb eines Monats bei denen leicht höher, die relativ schnell, also innerhalb von zwei Wochen operiert wurden. Ronellenfitsch erklärt dieses überraschende Ergebnis: "Selbstverständlich unterscheiden sich die verschiedenen Tumorarten und Krankheitsstadien in ihrer Dringlichkeit. Es ist anzunehmen, dass komplexe und kritische Fälle trotz aller Umstände meist schneller operiert wurden als weniger komplexe. Die Schwere der zugrundeliegenden Erkrankung erklärt zugleich aber auch eine erhöhte Sterblichkeitsrate."

"Diagnostik und Vorbereitung Gold wert"

In ihrer Aussage ist die Studie aber limitiert. So hat sie langfristige Auswirkungen auf Überleben oder Rückfallrisiko nicht untersucht. "Die Betroffenen und ihre Angehörigen haben verständlicherweise Angst, dass ein Tumor während der Wartezeit außer Kontrolle gerät. Egal, ob mit oder ohne Pandemie, es darf natürlich zu keiner unnötigen Verzögerung kommen", so Ronellenfitsch. Doch von einer überstürzten Operation sei ebenfalls abzuraten. "In vielen Fällen ist eine sorgfältige Diagnostik und Vorbereitung Gold wert. Ob ein schneller Eingriff sinnvoll ist oder ob zunächst gezielte Vorbehandlungen erfolgen sollten, muss immer individuell entschieden werden."

idw/jar

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