Die Aalener Bäderdebatte geht weiter: Mitgliederzahlen des Fördervereins Bädle in Unterrombach steigen rasant, doch die Herausforderungen sind groß.
Stand: 30.07.2026, 05:00 Uhr
Von: Jürgen Steck

Die Aalener Bäderdebatte geht weiter: Mitgliederzahlen des Fördervereins Bädle in Unterrombach steigen rasant, doch die Herausforderungen sind groß.
Aalen-Unterrombach. Es war kein strategisch geplanter Feldzug, sondern ein Aufschrei aus dem Bauch. Als im Herbst vergangenen Jahres klar wurde, dass die Finanzierung der Aalener Freibäder auf wackligen Beinen steht, formierten sich in Unterrombach Menschen, die eines gemeinsam haben: Das Freibad im Ort – das Bädle – ist für sie nicht irgendein Schwimmbad. Es ist Heimat. Und diese Heimat wollen sie gemeinsam bewahren.
Das Freibad als generationsübergreifender TreffpunktGerade erst wurde das Jubiläum gefeiert: Seit 1936 existiert das Freibad am Rande des Stadtteils. Neun Jahrzehnte lang war es der Ort, an dem Generationen schwimmen lernten, Freundschaften schlossen und Sommer verbrachten. Jochen Wörner, einer der Initiatoren des frisch gegründeten Fördervereins, bringt es auf den Punkt: „Da ist schon Identifikation. Das ist der Platz, wo man halt groß wird."
Er selbst ist nachts ins Bädle eingestiegen, als Jugendlicher, wie so viele damals, verrät er mit einem Schmunzeln. 20 Pfennig, den Eintritt, haben er und seine Freunde manchmal an der Kasse hingelegt – freiwillig, als stilles Schuldeingeständnis quasi. Das Bad war damals nicht nur ein Freizeitort. Es war der Treffpunkt schlechthin, denn Urlaub kannte man in den Nachkriegsjahrzehnten kaum.
Soziale Bedeutung für Familien und KinderWas das Bädle für Unterrombach bedeutet, geht weit über das Schwimmen hinaus. Als der Stadtteil in den 1970er-Jahren nach Aalen eingemeindet wurde, verlor er vieles: das Rathaus, die Eigenständigkeit, das Selbstbestimmungsgefühl. Das Bädle blieb. Ortsvorsteher Hartmut Schlipf formuliert es so: „Das ist eines der wenigen Dinge, die uns als Ursprungsgemeinde geblieben sind." Kein Rathaus mehr, kein eigenes Zentrum – aber das Bädle. Es ist mehr als ein Bad. Es ist Identität.
Soziale Bedeutung für Familien und KinderDr. Norbert Schinko, ebenfalls im Vorstand des Fördervereins, ergänzt den sozialen Aspekt, der im öffentlichen Diskurs oft untergehe: Für Familien, die sich keinen Urlaub leisten können, ist das Bädle der Sommer. Ein günstiger Abendtarif, ein Eis, eine Runde schwimmen: Lebensqualität für wenig Geld. Und noch etwas: Das Bädle ist die einzige Grünanlage, die Unterrombach wirklich hat.
Schnelle Mobilisierung und VereinsgründungGenau deshalb reagierte der Stadtteil mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit, als klar wurde, dass es eine intensive Diskussion um die Zukunft der Bäder geben wird, dem "Bädle" in einem Gutachten gar das Aus prognostiziert wurde. Bei einer ersten Bürgerinformation, die eine Arbeitsgruppe des Ortschaftsrats einberief, lagen am Ende des Abends 132 unterschriebene Zettel vor: Menschen, die dem Förderverein beitreten wollten, noch bevor er überhaupt gegründet war. Inzwischen zählt der Verein – nach knapp zehn Wochen – 470 Mitglieder. Die Zahl wächst weiter.
Erste Erfolge und Herausforderungen im EhrenamtDie Gründung war kein leichter Weg. Steuerliche Gemeinnützigkeit, Registereintrag, Spendenstruktur – all das musste in kürzester Zeit aufgebaut werden. Nun steht der Verein auf eigenen Beinen – und er hat schon Konkretes erreicht: Der Gemeinderat beschloss, dass ehrenamtliche Stunden mit 15 Euro pro Stunde angerechnet werden, berichtet Schlipf. Zudem haben sich rund 50 Personen sich bereits im Bereich Rettung ausbilden lassen, auf eigene Initiative und ohne Kosten für die Stadt.

Doch genau da hakt es. Heckenschneiden, Aufsicht, Kasse oder Putzdienst – all dies wäre möglich, aus Sicht der Vereinsvorderen. Jedoch: Aktive Ehrenamtsarbeit im Bad selbst sei in dieser Saison noch nicht möglich, so die Botschaft der Stadtverwaltung an den Verein. Das finden Schlipf, Wörner und Schinko schade. Die Begründung: organisatorische Gründe. Wörner sagt es ohne Umschweife: „Es wäre uns lieber, wenn es anders wäre." Die Bereitschaft sei vorhanden – aus der Bevölkerung, aus den Vereinen, aus dem Förderverein. Jetzt müsse auf Stadtwerke-Seite nachgezogen werden.
Kritik an hohen Sanierungskosten und GutachtenBesonders kritisch sieht der Förderverein das vorliegende Gutachten, das. Knapp sechs Millionen Euro Sanierungskosten stehen im Raum. Allein 800.000 Euro für die Gartenanlage, 300.000 Euro für den Kiosk, 1,5 Millionen für Planungskosten. Schinko schüttelt den Kopf: „Wenn ich lese, dass der Kiosk 300.000 Euro kosten soll, verlässt mich die Fantasie."
Der Verein fordert kein Gegengutachten um des Widerspruchs willen, aber ein differenzierteres: Was ist zwingend notwendig? Was lässt sich strecken? Was braucht man vielleicht gar nicht? „Ein Gutachter soll nicht empfehlen zu schließen, sondern analysieren, was möglich ist", sagt Schlipf. Ihn ärgert auch, dass über viele Jahre wenig in den Erhalt der Bäder investiert worden sei, weil immer wieder ambitionierte Neubauprojekte im Mittelpunkt standen.
Hoffnung auf politische Unterstützung und MitspracheDer Förderverein setzt deshalb große Hoffnungen auf die kommende Klausurtagung des Gemeinderats zum Thema Bäderversorgung. Wörner gibt sich vorsichtig optimistisch: „Ich glaube, das Bewusstsein ist entstanden, dass die Leute das Bädle wirklich wollen." Zumindest bei der Stadtverwaltung sieht er einen Lernprozess. Bis Oktober sollen die Zahlen detailliert und transparent aufgearbeitet vorliegen. Dann entscheidet sich, wohin die Reise geht. Wichtig ist Schlipf die Botschaft, dass der Erhalt des Bädles nicht in Konkurrenz steht zum Spiesel-Freibad in Wasseralfingen oder zum neuen Hirschbachbad.
Forderung nach realistischen Lösungen und Beteiligung
Was der Förderverein will, ist klar: keine Schließung, sondern eine schrittweise, realistische Lösung. Kein Luxusbad, aber ein funktionsfähiges. Und echte Mitsprache. „Wir fordern nicht einfach", sagt Schlipf. „Wir bieten Hilfe an." Das ist das Angebot aus Unterrombach und Hofherrnweiler.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Aalener Bäder vor ungewisser Zukunft: Förderverein Bädle schlägt Alarm | 0 | 9.83 | 27-07-2026 |
| 2 | Photovoltaik statt Atomkraft: Heftige Debatte in Aalen um Solarprojekt von RUD | 0 | 8.86 | 29-07-2026 |
| 3 | Welche Pläne die Stadt Aalen mit der alten Musikschule hat | 0 | 11.1 | 27-07-2026 |
| 4 | Gerüchte über Schreinerei Hieber in Aalen-Wasseralfingen: Was tut sich wirklich? | 0 | 11.04 | 28-07-2026 |
| 5 | Warum das Geburtshaus von Norbert Rehm womöglich abgerissen wird | 0 | 8.1 | 25-07-2026 |
| 6 | Colorado domestic violence shelters struggle to stay open as federal crime victim funds dry up | -2 | 7 | 15-07-2026 |
| 7 | Hameseder zu Wehrdienst: Entscheidend, dass sich genug Rekruten melden | 0 | 6.64 | 28-07-2026 |
| 8 | Гриб: пенсионерам нужно выдавать бесплатные путевки в санатории | 0 | 10 | 28-07-2026 |
| 9 | Онопко: футболисту ЦСКА Ахметову не стоило показывать красную карточку | 0 | 0 | 25-04-2021 |
| 10 | Арифметика экологического надзора: как реки Забайкалья страдают от золотодобытчиков | -2 | 6 | 30-06-2026 |