Mit rauer Stimme und Hits wie "Total Eclipse of the Heart" hat Bonnie Tyler Musikgeschichte geschrieben. Nun ist die Sängerin mit 75 Jahren gestorben. Ein Rückblick auf ihr Leben.
Vor ihrem Spiegel, mit einer Haarbürste in der Hand, träumte sich die kleine Bonnie Tyler in die Welt des Showbusiness. Ihr Weg von den kleinen Pubs in Südwales bis auf die großen Bühnen der Welt ist eine Geschichte voller Zufälle, harter Arbeit und unerschütterlicher Leidenschaft für die Musik.
Meine Mutter war ein Opernfan. Als Kind habe ich sie schon singen gehört, wenn ich aus der Schule kam und noch gar nicht im Haus war. So gesehen musste ich einfach Sängerin werden.
Diesen Traum hegte Bonnie Tyler schon seit Kindheitstagen. Mit einer Haarbürste als Mikrofonersatz übte sie vor dem Spiegel. Am liebsten sang sie Songs von Tina Turner oder Janis Joplin.
Bis diese Träume Realität werden sollten, war es noch ein langer Weg. Gayner Hopkins, so ihr richtiger Name, war ein schüchternes Mädchen. In der Schule fiel sie nicht durch Glanzleistungen auf. Zunächst arbeitete sie als Verkäuferin in einem Supermarkt. Doch dann meldete ihre Tante sie bei einem Talentwettbewerb des örtlichen Rugby-Clubs an.
Dort sang sie "Those were the days" von Mary Hopkin und den Ray Charles-Hit "I can't stop loving you". Sie wurde prompt Zweite. Dieser Erfolg gab ihr Selbstvertrauen: Sie schloss sich der Band "Bobby Wayne & The Dixies" als Backgroundsängerin an. Später gründete sie ihre eigene Gruppe "Imagination" und tingelte durch örtliche Pubs.
Sieben Jahre war ich mit meiner Band unterwegs, ohne dass wir die Aufnahmen an eine Plattenfirma geschickt hätten.
Der Zufall wollte es, dass der Talentsucher Roger Bell 1974 auf sie aufmerksam wurde. Eigentlich war er nach Südwales gekommen, um eine Band zu sehen, die im Club eine Etage höher spielte. Er verwechselte jedoch das Stockwerk und hörte stattdessen Bonnie Tyler "Nutbush City Limits" singen. Wenig später erhielt sie eine Einladung nach London ins Plattenstudio und ihre erste Single "My! My! Honeycomb" entstand – ein Flop.
Erfolg stellte sich mit ihrer zweiten Single ein: "Lost in France" erreichte 1976 die Top Ten in Großbritannien. Das Lied konnte sich bei uns 33 Wochen lang in den Hitparaden behaupten. Auch ihr Team war eine runde Sache: Mit Ronnie Scott und Steve Wolfe hatte sie ein erfolgreiches Gespann um sich. Sie übernahmen das Songwriting. Darüber hinaus waren sie ihre Produzenten und Manager in Personalunion.
Die Freude über diese ersten Erfolge wurde jedoch bald getrübt. Es stellten sich Probleme mit ihrer Stimme ein. Auf ihren Stimmbändern hatten sich Knötchen gebildet, die operativ entfernt werden mussten. Nach dem Eingriff klang sie noch rauer als zuvor.
Dies sollte sich aber nicht zu ihrem Nachteil entwickeln. In dieser neuen Tonlage gelang ihr 1977 mit "It’s a heartache" der endgültige Aufstieg in die erste Liga. Die Platte lief rund um den Globus höchst erfolgreich. Bald machte der Begriff eines "weiblichen Rod Stewart" die Runde.
"Goodbye to the Islands" war das letzte Album, das sie 1981 mit diesem Team veröffentlichte. Es war fast schon ein prophetischer Titel. Ihre Vorstellungen deckten sich nicht mehr mit dem, was Ronnie Scott und Steve Wolfe planten. Es folgte die Trennung.
Ich hatte keine Lust mehr, diese Country-Rock-Musik zu machen. Ich wollte mehr in Richtung Rock gehen.
Bonnie Tyler schloss einen Plattenvertrag bei einer neuen Firma ab. Sie begann eine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Musikproduzenten und Komponisten Jim Steinman. Er war für sie der Mann der Wahl, nachdem er ihr Lieblingsalbum "Bat out of hell" von Meat Loaf produziert hatte – ein Jahrhundertwerk.
Ihre Neuausrichtung erwies sich als Volltreffer. Gleich die erste Veröffentlichung "Faster than the speed of the night" brach Rekorde. Das Album war gespickt mit zahlreichen Cover-Versionen großer Rock-Hits. Und es enthielt den Power-Song "Total Eclipse of the Heart".
Damit war ich die erste Sängerin, die in den britischen Album-Charts direkt von 0 auf Platz 1 kam. Ich habe Pink Floyd von der Spitze verdrängt.
Mit diesem Lied schubste sie in Amerika sogar Michael Jackson vom Hitparaden-Thron. Zudem brachte ihr das Album eine Grammy-Nominierung ein.
Die Arbeit mit Jim Steinman entwickelte sich zu einem Höhepunkt in ihrer Karriere. Sie bildeten ein Dream Team, alles passte haargenau. So stammt auch die Hymne "Holding out for a hero" aus dem Soundtrack des Films "Footloose" von ihm. Mit den rockigen Titeln war ein kompletter Imagewechsel verbunden. Es entstand das Erscheinungsbild, das sich in die Erinnerung vieler gebrannt hat: Leder-Outfit, Schulterpolster, Struwwelfrisur und auffällige Ohrringe.
Für meine Zottelfrisur habe ich so viel Haarspray benötigt, dass darunter sogar die Ozonschicht gelitten hat.
Unter der Regie von Desmond Child entstand 1988 das Album "Hide your heart". Hier sang Bonnie Tyler eine Reihe von Titeln, die erst später in anderen Versionen weltberühmt wurden: Mit "Save up all your tears" hatten Robin Beck und Cher einen Hit. "The best" geriet mit Tina Turner zum Klassiker. "Don’t turn around" ist gleich zweimal in die Musikgeschichte eingegangen: mit der britischen Reggae-Band "Aswad" und später mit der schwedischen Pop-Gruppe "Ace of Base".
Ich habe nie verstanden, warum dieses Album nicht den Erfolg brachte, den es verdiente.
Während einer kurzen Auszeit kaufte und sanierte sie ein im Jahr 1850 erbautes Haus in Wales. Dann begann Bonnie Tyler Anfang der 1990er Jahre damit, ihre Aktivitäten verstärkt auf Europa auszurichten. Dieter Bohlen verhalf ihr mit maßgeschneiderten Liedern zu neuen Erfolgen. "Bitterblue" konnte es in einigen europäischen Ländern mit dem Erfolg ihres karriereprägenden Albums "Faster than the speed of night" aufnehmen. In Norwegen erhielt sie dafür beispielweise 4-fach Platin.
Es hat Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten. Bei einigen Stücken hat er seinen Namen gar nicht erst angegeben, um mir nicht zu schaden. Er wusste, dass seine Person sehr polarisiert.
Im Anschluss daran ging sie viele Jahre lang als Live-Künstlerin auf Tournee. Sie arbeitete weltweit mit hochkarätigen Produzenten wie Humberto Gatica, David Foster oder Mike Batt zusammen. Außerdem machte sie Aufnahmen mit dem "Philharmonischen Orchester Prag".
2013 nahm sie für Großbritannien am Eurovision Song Contest teil. Mit ihrem Beitrag "Believe in me" konnte sie allerdings nicht punkten. Sie landete abgeschlagen auf dem 19. Platz. Dennoch denkt sie gerne an dieses Erlebnis zurück.
Über 50 Jahre war Bonnie mit ihrem Mann Robert Sullivan verheiratet gewesen, einem ehemaligen Jockey und Immobilienunternehmer. Das Paar lebte zusammen in einem Haus in seiner Heimat Wales und an der Algarve in Portugal und hatte keine Kinder.
Aus Anlass ihres bevorstehenden 75. Geburtstags ging Bonnie Tyler 2026 auf große Jubiläums-Tournee durch mehrere Länder und wollte dabei auch in Deutschland auftreten. Doch nach einer Not-OP wegen eines Darmdurchbruchs in Portugal musste die Sängerin in ein künstliches Koma versetzt werden. Davon erholte sie sich nicht mehr.
Am 8. Juli 2026 ist Bonnie Tyler im Alter von 75 Jahren in einem Krankenhaus in Portugal gestorben.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
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