Mercedes-CEO Ola Källenius wird am Dienstag zum Quartalsbericht wohl eine gefallene Rendite im Pkw-Geschäft und auch niedrigere Umsätze verkünden. Das jedenfalls erwarten Analysten im Schnitt. Ihr Fokus gilt zudem dem schwierigen Geschäft in China.
Ola Källenius (57) hat viel versucht, um Mercedes seit seinem Amtsantritt vor gut sieben Jahren neu zu positionieren, den Börsenwert zu heben, die Marke mit dem Stern wieder zum Leuchten zu bringen. Nun steht der CEO wieder da, wo er gestartet war – der Autobauer ist ein Reparaturfall: weniger verkaufte Autos, die Rendite im ersten Quartal 2026 auf 3,5 Prozent abgesackt, der Aktienkurs – von Källenius zwischendurch fast verdoppelt – sinkt wieder in Regionen wie bei seiner Amtsübernahme.
Insofern wundert es nicht, dass der CEO erst im kommenden Jahr wieder spürbaren Auftrieb erwartet (Lesen Sie die große Mercedes-Analyse hier ). Grund ist in erster Linie der weiterhin stark einbrechende Absatz im wichtigen chinesischen Markt. Im zweiten Quartal setzte der Dax-Konzern 511.900 Pkw und Vans ab, etwa 6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders ins Gewicht fällt dabei der Rückgang von rund 30 Prozent bei Pkw in China. Das Management hatte bereits signalisiert, insbesondere zu Jahresbeginn mit einer schwächeren Absatzentwicklung zu rechnen. Im zweiten Halbjahr sollen neue Modelle im volumenstarken Kompaktsegment sowie die überarbeitete S-Klasse für Entlastung sorgen.
Die um Sondereffekte bereinigte operative Marge im Pkw-Geschäft lag im vergangenen Jahr nach einem deutlichen Rückgang bei 5,0 Prozent und dürfte 2026 nun zwischen 3 und 5 Prozent liegen. Bei den Zöllen rechnet der Vorstand mit weiter steigenden Belastungen gegenüber den rund eine Milliarde Euro aus dem Jahr 2025. Auch Wechselkurseffekte werden voraussichtlich negativ wirken.
In der aktuellen Branchensituation mit erhöhten US-Einfuhrzöllen und angesichts der Schwäche in China muss Mercedes höhere Rabatte gewähren, um Fahrzeuge abzusetzen. Der durchschnittliche Verkaufspreis der Autos sank zuletzt deutlich. Zudem drücken Modellwechsel und -anläufe, unter anderem bei den volumenstarken Baureihen C-Klasse und dem entsprechenden Kompakt-SUV GLC, auf die Ergebnisse.
Halbwegs stabiler Umsatz und Absatz erwartetDer Konzernumsatz soll dennoch auf dem Niveau des Vorjahres von 132,2 Milliarden Euro bleiben. Beim Pkw-Absatz wird ebenfalls ein Wert auf Vorjahresniveau von rund 1,8 Millionen Fahrzeugen erwartet, während der Absatz von Vans leicht über den 359.000 Einheiten des Vorjahres liegen soll.
Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern dürfte im Vergleich zu den 5,8 Milliarden Euro des Vorjahres deutlich steigen. Zum einen werden erste Einsparungen aus dem Stellenabbau wirksam, zum anderen fallen die entsprechenden Einmalkosten nicht mehr in der Höhe des Vorjahres an.
Allerdings belasten Auszahlungen für Aufhebungsverträge den freien Mittelzufluss im Industriegeschäft – also ohne Finanzdienstleistungen. Dieser dürfte erneut leicht sinken, nachdem die Kennzahl bereits im vergangenen Jahr deutlich von 9,2 auf 5,4 Milliarden Euro zurückgegangen war. Finanzchef Harald Wilhelm stellt jedoch einen Zufluss von mehr als 4 Milliarden Euro in Aussicht.
Analyst Tom Narayan von der kanadischen Bank RBC rechnete zuletzt mit einer operativen Marge im Pkw-Geschäft im unteren Bereich der anvisierten Jahresbandbreite von 3 bis 5 Prozent. Dabei stützt er sich auf den deutlich wachsenden Anteil der Vollelektroautos am Absatz, die bisher nicht so profitabel sind wie Verbrennervarianten. Sollte sich der Markt in China weiter schwach entwickeln, könnte Mercedes gar eine Abschreibung auf die Geschäfte in der Volksrepublik buchen.
Philippe Houchois von der US-Investmentbank Jefferies sprach davon, dass das Management im letzten Call die Pkw-Marge im Bereich der Jahresspanne bestätigt habe. Bei den Vans sei das obere Ende der Bandbreite von 8 bis 10 Prozent zu erwarten, und die Finanzdienstleistungen liefen besser als prognostiziert.
Die von Bloomberg befragten Analysten rechnen für das zweite Quartal im Schnitt mit einem Rückgang der bereinigten operativen Marge im Pkw-Geschäft von 5,1 auf 3,8 Prozent. Insgesamt erwarten die Experten einen Umsatzrückgang von gut 3 Prozent auf 32,1 Milliarden Euro.
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Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sollte sich vom schwachen Vorjahreswert dagegen um fast ein Drittel auf 1,66 Milliarden Euro erholen. Damals hatten nicht nur die US-Zölle zu Buche geschlagen, das Stellenabbauprogramm verschlang zusätzlich rund 560 Millionen Euro. Unter dem Strich dürfte es daher auch mit 1,5 Milliarden Euro gut die Hälfte mehr Gewinn geben als ein Jahr zuvor.
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