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New-Glenn-Rakete von Jeff Bezos: Eine Explosion – und der Mond ist für die USA weiter weg

Дата публикации: 08-06-2026 09:31:00




Bei einem Test ist eine New-Glenn-Rakete von Blue Origin explodiert. Dabei wurde die gesamte Startrampe massiv beschädigt. Das bringt die neuen US-Mondpläne mehr als nur durcheinander. Dabei spielt die New Glenn eine wichtige Rolle.



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New-Glenn-Rakete von Jeff Bezos Eine Explosion – und der Mond ist für die USA weiter weg

In der Nacht vom 28. auf den 29. Mai ist die New-Glenn-Rakete bei einem Test explodiert.

Foto: AP/@JConcilus

Analyse | Cape Canaveral · Bei einem Test ist eine New-Glenn-Rakete von Blue Origin explodiert. Dabei wurde die gesamte Startrampe massiv beschädigt. Das bringt die neuen US-Mondpläne mehr als nur durcheinander. Dabei spielt die New Glenn eine wichtige Rolle.

Es sollte nur ein simpler Test vor dem nächsten Start sein. Schon dreimal ist die New-Glenn-Rakete erfolgreich abgehoben. Bislang war sie eine Erfolgsgeschichte für das US-Raumfahrtunternehmen Blue Origin des Amazon-Gründers Jeff Bezos. Für die Ingenieure gab es darum keinen Anlass zur Sorge. Die Triebwerke sollten gezündet werden und mit reduzierter Schubkraft arbeiten. Doch am 29. Mai um 3 Uhr morgens passierte es: Die Rakete explodierte während des Testlaufs auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida – und beschädigte auch die Startrampe LC-36A massiv. Blue Origin hat vier Jahre (2016 bis 2020) Arbeit und insgesamt eine Milliarde US-Dollar in diese Rampe investiert, damit ihre 98 Meter hohe Rakete von dort abheben kann. Und derzeit gibt es keine Alternative. Zwar will das Unternehmen auch den Startkomplex LC-36B nutzen und zudem im kalifornischen Weltraumbahnhof Vandenberg entsprechende Anlagen aufbauen. Doch beides ist noch viele Monate davon entfernt, einsatzbereit zu sein.

Mit anderen Worten: Die New Glenn wird in absehbarer Zeit nicht mehr starten können. Und das wiederum wirft die US-Mondpläne zurück. Schließlich kann die New Glenn derzeit bis zu sieben Tonnen Nutzlast zum Mond befördern. In der nächsten Ausbaustufe mit mehr Triebwerken sollen es sogar etwa 20 Tonnen sein. Vor allem aber scheint Blue Origin deutlich weiter zu sein als der Konkurrent SpaceX von Elon Musk, wenn es um den Mond geht.

US-Mondbasis setzt auf New Glenn

Erst am 26. Mai hatte Jared Isaacman, Chef der US-Raumfahrtbehörde Nasa, die neuen Pläne für eine Mondbasis vorgestellt, die von den Vereinigten Staaten aufgebaut werden soll – um eine dauerhafte lunare Präsenz möglich zu machen. Beginnen sollte das „Moon Base“-Projekt bereits im Herbst, spätestens im Winter dieses Jahres. Mit dem Start einer New Glenn. Die Rakete sollte die erste, unbemannte Version der Blue-Origin-Mondfähre – mit dem Namen Blue Moon – auf den Weg bringen.

Das Ziel: Die Fähre würde auf dem Mond landen und unter anderem untersuchen, wie viel Mondstaub – das feine, scharfkantige Regolith – von den Triebwerken aufgewirbelt wird. Schließlich kann es Instrumente, Außenhüllen und Dichtungen beschädigen. Die Daten sind auch wichtig, um zu entscheiden, wie weit Anlagen auf dem Mond von Lande- und Startplätzen entfernt sein müssen. Das scheint nun nicht mehr möglich.

Zumal der Test auch entscheidend gewesen wäre für die bemannte Version der Mondfähre, mit der Astronauten bei der Artemis-IV-Mission auf den Mond hätten landen können. Die ist für 2028 vorgesehen. Die Explosion und die Beschädigung der Startrampe werden diese Pläne vermutlich zurückwerfen und die Nasa vor neue Herausforderungen stellen.

Schließlich steht für das kommende Jahr die Mission „Artemis III“ an. Dabei sollen Astronauten im Erdorbit mit ihrer Orion-Kapsel an eine Landefähre andocken. Derzeit ist noch offen, ob beide Unternehmen, Blue Origin und SpaceX, daran teilnehmen werden. Aber die Aussichten beim Unternehmen von Jeff Bezos sahen bislang sehr gut aus. Zumindest bis zur Explosion am 29. Mai.

SpaceX hinkt hinterher

Könnte davon also wieder Elon Musk profitieren? Ursprünglich hatte er im Jahr 2021 als Einziger den Zuschlag der Nasa erhalten, auf Basis des Starships eine Mondlandefähre zu bauen: das HLS (Human Landing System oder Astronauten-Landesystem). Doch seit einiger Zeit macht die Entwicklung des Starships nur geringe Fortschritte. Das war auch der Grund, warum vergangenes Jahr Blue Origin bei den US-Plänen für den Mond an ihm vorbeigezogen war.

Und wenn man die Entwicklung der Riesen-Rakete von SpaceX nüchtern betrachtet, sieht man seit dem zweiten Testflug am 18. November 2023 immer nur das Gleiche. Das Starship hebt ab, der Super Heavy Booster wird abgekoppelt und soll landen. Die zweite Stufe, das eigentliche Starship, wassert nach knapp einer Stunde im Indischen Ozean. Das klappt mit ständigen Veränderungen und Verbesserungen mal mehr, mal weniger gut. Dennoch bleibt der Eindruck, dass Fortschritte nur in sehr kleinen Schritten gemacht werden. Trotz der großen Worte des SpaceX-Gründers Elon Musk. Zudem stehen für ein Mondlande-System noch einige kritische Tests aus. Das Starship muss im All betankt werden können – wofür mehrere Starts in kurzer Abfolge möglich sein müssen. Die zweite Stufe muss zudem für den Mond komplett überarbeitet werden und deutlich an Masse verlieren. Außerdem muss SpaceX beweisen, dass das mehr als 50 Meter hohe HLS aufrecht auf unserem Trabanten landen und wieder abheben kann.

Es sind noch viele große Schritte, die Elon Musk gehen muss. Und das sehr schnell. Schließlich müssen sich die Astronauten, die auf dem Mond landen werden, noch mit dem Schiff vertraut machen. Ebenso wie die Nasa-Ingenieure. Wenn man es überschlägt, wären bis zur Artemis-IV-Mission mehr als zehn Starts, eher um die 20 nötig. Innerhalb von zwei Jahren. Wir haben aber zwischen dem 20. April 2023 und dem 23. Mai 2026, also in drei Jahren, nur zwölf Testflüge verfolgen können. Realistisch scheint es darum nicht, dass SpaceX in so kurzer Zeit erfolgreich sein wird. Zumal es immer unvorhergesehene Rückschläge geben kann. So wie bei Blue Origin.

Optimismus bei Blue Origin

Mittlerweile hat sich auch Dave Limp, Chef von Blue Origin, am 2. Juni über die Plattform „X“ zu Wort gemeldet. Er verbreitet Optimismus. Die Treibstoff-Tanks am Boden seien „zum Glück“ nicht beschädigt worden. Denn es wäre sehr zeitaufwendig, sie sonst zu ersetzen. Der Wasserturm scheint ebenfalls intakt. Der Startturm sei dagegen in Mitleidenschaft gezogen worden. Aber er könne repariert werden und muss nicht neu aufgebaut werden. „Noch vor Ende des Jahres werden wir starten“, verspricht Limp. Er schließt mit dem Firmenmotto Gradatim Ferociter – „Schritt für Schritt und wild entschlossen“.

Auch Jared Isaacman zeigte sich in einem CNBC-Interview zumindest so weit zuversichtlich, dass er nicht an Verzögerungen bei dem „Moon Base“-Projekt glaubt. An den Plänen zu den Artemis-Missionen hält er fest.

Druck aus China

In China wird man das genau verfolgen. Die asiatische Großmacht plant bis 2030 mit Astronauten auf dem Mond zu landen. Möglichst noch vor den USA. Und dort macht man tatsächlich Schritt für Schritt, aber entschlossen Fortschritte. Erst am 24. Mai hat man mit der Shenzhou-23-Mission drei Astronauten zur Tiangong-Raumstation gebracht. Sie sollen unter anderem Lebenserhaltungssysteme testen. Einer von ihnen soll sogar ein Jahr lang im All bleiben. Alles in Vorbereitung einer zukünftigen Mond- und später auch Marsmission.

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