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Mutmaßlich islamistischer Anschlag in Berlin: Terrorverdächtiger nach CSD-Anschlag getötet

Дата публикации: 26-07-2026 17:31:26

Nach dem Terroranschlag auf den Berliner CSD am Samstag ist der mutmaßliche Täter von der Polizei erschossen worden. Der 21-Jährige war als Gefährder bekannt und trotz einer im Mai verhängten Jugendstrafe wegen “Vorbewährung” auf freiem Fuß.

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Nach dem Terroranschlag auf den Berliner CSD am Samstag ist der mutmaßliche Täter von der Polizei erschossen worden. Der 21-Jährige war als Gefährder bekannt und trotz einer im Mai verhängten Jugendstrafe wegen “Vorbewährung” auf freiem Fuß.

Zehntausende Menschen hatten auf dem Christopher Street Day (CSD) friedlich gefeiert. Mehr als 80 Trucks mit Musik waren in Richtung Tiergarten und zur Abschlussparty am Brandenburger Tor unterwegs. Gegen 22.00 Uhr heulten rund um die Feiermeile immer mehr Sirenen von Rettungswagen und Polizeiautos auf. Von allen Seiten fuhren Dutzende Einsatzwagen mit Blaulicht zum südlichen Rand des Tiergartens. Ein weißer Van war auf einem Fußgängerweg in den Park gefahren. Nach Angaben der Polizei hatte der Fahrer auf dem dunklen Weg zahlreiche Menschen angefahren, die vom CSD kamen; schließlich krachte er in einen Baum. Der Fahrer verließ anschließend das Fahrzeug und floh. Der Tatverdächtige sei mutmaßlich auch mit einer Machete auf Passanten losgegangen, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).

Eine Frau starb, 29 Menschen erlitten teils schwere Verletzungen. Dutzende Sanitäter und Notärzte der Berliner Feuerwehr versorgten die Verletzten noch in der Nacht unmittelbar am Park. Menschen wurden in Rettungswagen geschoben und in Krankenhäuser gebracht. In einem schnell aufgebauten Zelt sprachen Seelsorger mit Zeugen der Tat, die unter Schock standen. Die Polizei sperrte den gesamten Park ab.

Nach dem 21 Jahre alten Abdul Ballout war seit Sonntagmorgen öffentlich gefahndet worden. Ein Hubschrauber kreiste über dem Tiergarten, mit Wärmebildkameras wurde aus der Luft nach dem Täter gesucht. Zunächst blieb die Suche erfolglos. Die Polizei hatte ein Foto des Mannes veröffentlicht. Noch in der Tatnacht hatte ein Spezialeinsatzkommando eine Wohnung in Berlin-Schöneberg gestürmt. Dort wurde der Gesuchte jedoch nicht angetroffen.

Nun ist der Tatverdächtige bei einem Polizeieinsatz getötet worden. Das bestätigte die Berliner Senatsinnenverwaltung gegenüber dpa. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet, dass ein Spezialeinsatzkommando in einer Gartenlaube in Berlin-Spandau den Täter gestellt habe. Nach Informationen von BILD soll Ballout die Einsatzkräfte bei dem Zugriff mit einer Stichwaffe angegriffen haben. Die Polizisten eröffneten daraufhin laut Bericht das Feuer. Der 21-Jährige wurde getroffen und erlag seinen Verletzungen.

Gericht stellte Vollstreckung der Strafe zurück

Der mutmaßliche Täter hatte sich Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden zufolge radikalisiert und gehörte der islamistischen Szene an, wie Dobrindt sagte. Der Mann sei bereits in der Vergangenheit “auffällig” geworden. Der Bundesinnenminister sprach von einem “hohen Maß von Straftaten” und einer "islamistischen Radikalisierung" des 21-Jährigen.

Abdul Ballout sei 2005 in Deutschland geboren worden und deutscher Staatsbürger, sagte Dobrindt. Er habe einen libanesischen Hintergrund. Seine Mutter sei 2002 in Deutschland eingebürgert worden. Nach Angaben des Spiegel war Ballout als Jugendlicher bereits wegen Körperverletzung und räuberischer Erpressung verurteilt worden. Später soll er sich islamistisch radikalisiert haben und als Anhänger der Terrororganisation "Islamischer Staat" aufgefallen sein. Die Polizei habe ihn als Gefährder eingestuft. Im Juli 2025 soll Ballout im Libanon festgenommen worden sein, nachdem er versucht habe, nach Syrien zu reisen und sich dem IS anzuschließen. Ein Militärgericht habe ihn zu drei Monaten Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung sei Ballout am 17. November 2025 nach Deutschland zurückgekehrt, noch am Flughafen BER festgenommen und anschließend in Untersuchungshaft genommen worden, sagte Bundesinnenminister Dobrindt.

Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft klagte ihn wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat (§ 89a Strafgesetzbuch (StGB)) an und beantragte eine Jugendstrafe von knapp drei Jahren. Das Amtsgericht (AG) Tiergarten verhängte im Mai 2026 eine Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Allerdings kam Ballout auf freien Fuß. Denn das Gericht sprach eine “Vorbewährung” aus. Dabei handelt es sich um eine Besonderheit des Jugendstrafrechts. Nach § 61 Jugendgerichtsgesetz (JGG) kann ein Gericht sich die Entscheidung, ob eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird, für einen späteren Zeitpunkt vorbehalten. Ziel der Vorbewährung ist es, trotz bestehender Zweifel dem Täter die Chance zu geben, durch sein Verhalten zu zeigen, dass die Vollstreckung der Jugendstrafe nicht erforderlich ist. Das Urteil war noch nicht rechtskräftig; die Generalstaatsanwaltschaft Berlin hatte nach Spiegel-Informationen Berufung eingelegt.

Als Auflage sollte Ballout an einer Deradikalisierungsberatung des “Violence Prevention Network” teilnehmen. Dessen Geschäftsführer Thomas Mücke sagte dem Spiegel, es habe im Juni und Juli zwei Vorgespräche gegeben. B. habe sich dabei “freundlich, nichtssagend, angepasst” gezeigt. Konkrete Hinweise auf eine bevorstehende Gewalttat habe es nicht gegeben. Eine Entscheidung über die endgültige Aufnahme in das Programm sollte nach einem dritten Gespräch fallen. Doch dazu kam es nicht mehr. 

Nach Informationen von t-online erhielten die Ermittler wenige Wochen vor der Tat einen Hinweis darauf, dass Ballout im Internet das Bild einer Waffe veröffentlicht habe. Bei einer Wohnungsdurchsuchung sei allerdings lediglich eine Spielzeugwaffe gefunden worden. Ballout soll zumindest zeitweise observiert worden sein. Umfang und Dauer der Überwachung sind bislang unklar. Den weißen Citroën-Transporter, mit dem der Anschlag verübt worden sein soll, soll Ballout nach Recherchen der Bild unter eigenem Namen angemietet haben.

Generalbundesanwalt soll Ermittlungen übernehmen

Noch bevor der Tod des Tatverdächtigen bekannt wurde, hatte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) angekündigt, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernehmen werde. “Der Innenminister hat bereits mitgeteilt, dass es sich um einen islamistischen Anschlag handelt. Der Generalbundesanwalt wird die Ermittlungen übernehmen”, sagte Hubig. Zu diesem Zeitpunkt war noch die Berliner Generalstaatsanwaltschaft zuständig. 

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte vor einem Gedenkgottesdienst in Berlin: “Diese Taten haben nur einen Zweck: Sie wollen unsere Gesellschaft spalten, sie wollen uns das Wichtigste nehmen, was wir haben, nämlich unsere Offenheit und unsere Freiheit.” Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des CSD rief Merz zu: “Lassen Sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern.” Nach der Andacht besuchte der Bundeskanzler den Tatort und legte dort gemeinsam mit weiteren Spitzenpolitikern weiße Blumen nieder. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte: "Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben.“

Unklar war zunächst, wie der Täter mit seinem Auto in den abgesperrten Tiergarten gelangen konnte. Vor zahlreichen Eingängen hatte die Polizei im Vorfeld schwere Poller aufgestellt. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) betonte, die eigentliche Strecke des CSD sei nicht getroffen worden. "Dort ist der Täter nicht drauf gekommen. Weil die Polizei, die Sicherheitsbehörden, diesen Christopher Street Day abgesichert haben“, sagte Wegner. Der Angriff habe sich rund 400 Meter entfernt ereignet. Dort hätten sich jedoch weiterhin Besucherinnen und Besucher befunden, die die Veranstaltung verlassen hatten oder wieder dorthin gehen wollten.

Fast 29.000 Menschen werden islamistischer Szene zugerechnet

Am Sonntagnachmittag trauerten und demonstrierten Hunderte Menschen vor dem Brandenburger Tor. “Gestern war ein Angriff auf uns alle, auf alle unsere Identitäten, auf unsere Existenzen, auf unsere Gemeinschaft und unsere Demokratie. Und wir lassen uns davon nicht unterkriegen”, hieß es in einem Redebeitrag. Menschen legten Blumen nieder, zündeten Kerzen an und lagen sich in den Armen. Andere hielten Regenbogenflaggen, Plakate und Banner hoch. Darauf stand unter anderem: “Hass ist tödlich” und “Ein Angriff auf eine ist ein Angriff auf uns alle”.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz rechnete dem Islamismus im vergangenen Jahr 28.645 Menschen zu. Im Jahr 2024 waren es 28.280 gewesen. Als gewaltorientiert gelten Schätzungen zufolge 9.110 Menschen. Im Vorjahr waren es noch 9.540. “Die Gefährdung durch den islamistisch motivierten Terrorismus in Deutschland ist anhaltend hoch”, heißt es beim Verfassungsschutz. Die islamistisch motivierten Anschläge in Berlin, Bielefeld, Essen und München hätten 2025 symbolisch für die Bedrohung durch dschihadistische Akteure in Deutschland und Europa gestanden.
 

dpa/fz-LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Mutmaßlich islamistischer Anschlag in Berlin: . In: Legal Tribune Online, 26.07.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/60517 (abgerufen am: 27.07.2026 )

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