Alphabet hat die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn getoppt. Anleger werden jedoch durch hohe KI-Investitionen verschreckt. Google brauchte deshalb erstmals seit dem Börsengang seine Barmittel auf.
Im zweiten Quartal hat Google zum ersten Mal seit dem Börsengang vor mehr als zwei Jahrzehnten Barmittel aufgebraucht. Gigantische Investitionen in die KI-Infrastruktur haben das Unternehmen zu einem kapitalintensiven Unternehmen gemacht. Der freie Cashflow für die drei Monate bis Ende Juni sank auf minus 5,9 Milliarden Dollar – deutlich weniger als von Analysten erwartet.
Googles Mutterkonzern Alphabet will in diesem Jahr rund 200 Milliarden US-Dollar für KI-Infrastruktur ausgeben. Der Internet-Riese hob seine Prognose für Kapitalinvestitionen abermals an.
Das zweite Quartal schloss Alphabet mit einem Gewinn von 112 Milliarden Dollar ab. Davon waren jedoch rund 99 Milliarden Dollar ein reiner Buchgewinn durch die Aufwertung von Beteiligungen. Alphabet hält unter anderem Anteile an Elon Musks Weltraumfirma SpaceX und dem KI-Entwickler Anthropic.
Die Entwicklung von Alphabets eigenem Geschäft übertraf im vergangenen Quartal die Erwartungen. Der Umsatz wuchs im Jahresvergleich um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit Erlösen von knapp 117 Milliarden Dollar gerechnet.
Trotz der deutlich übertroffenen Prognosen gab die Aktie von Alphabet im nachbörslichen Handel deutlich nach und verlor zeitweise rund 5 Prozent an Wert: Die hohen KI-Investitionen verschrecken Anleger. Für den Anstieg der Ausgaben sind zum Teil auch die höheren Kosten für Bauteile wie Speicherchips verantwortlich. Deren Preise werden wiederum durch Engpässe wegen der exorbitanten Nachfrage für den Bau von KI-Rechenzentren hochgetrieben.
Im Kerngeschäft mit Werbung rund um die Google-Suchmaschine stieg der Umsatz im Jahresvergleich um fast 17 Prozent auf 63 Milliarden Dollar. In den vergangenen Jahren wurde viel spekuliert, ob neue Rivalen, die mit Hilfe Künstlicher Intelligenz auf Anfragen eher Antworten statt Links liefern wollen, Googles führender Suchmaschine das Leben schwer machen könnten. Doch der Internet-Riese integrierte selbst KI-Funktionen in seine Suchmaschine – und kann das eigene Geschäft dadurch ausbauen.
Das Cloud-Geschäft sprang um rund 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar hoch. Analysten hatten im Schnitt mit etwa 22,2 Milliarden Dollar gerechnet.
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Alphabet sieht das Wachstum als Beleg dafür, dass sich die gewaltigen Investitionen in Infrastruktur für Künstliche Intelligenz auszahlen. Nach der nächsten Anhebung der Prognose rechnet der Konzern nun für dieses Jahr mit Kapitalausgaben zwischen 195 und 205 Milliarden Dollar. Und im kommenden Jahr würden die Investitionen noch einmal "bedeutend" höher ausfallen, sagte Finanzchefin Anat Ashkenazi.
Die Spanne war erst im Frühjahr von 175 bis 185 Milliarden Dollar auf 180 bis 190 Milliarden Dollar angehoben worden. Im zweiten Quartal gab der Konzern knapp 45 Milliarden Dollar für den Ausbau aus.
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