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Migrantenfeindliche Gesänge auf Schulfest: Selbst migrantische Schüler grölen mit

Дата публикации: 23-07-2026 17:04:27

STUTTGART. Fremdenfeindliche Parolen zum Partyhit „L’Amour toujours“ haben erneut für einen Eklat gesorgt – diesmal auf dem Sommerfest einer Stuttgarter Schule. Die entsetzte Schulleitung stellt fest, dass Jugendliche offenbar kaum noch ein Bewusstsein dafür haben, welche Wirkung solche Parolen entfalten: Selbst Schüler mit Migrationshintergrund grölten mit. Die Schule reagierte unmittelbar. Zugleich wirft der Fall grundsätzliche […]
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STUTTGART. Fremdenfeindliche Parolen zum Partyhit „L’Amour toujours“ haben erneut für einen Eklat gesorgt – diesmal auf dem Sommerfest einer Stuttgarter Schule. Die entsetzte Schulleitung stellt fest, dass Jugendliche offenbar kaum noch ein Bewusstsein dafür haben, welche Wirkung solche Parolen entfalten: Selbst Schüler mit Migrationshintergrund grölten mit. Die Schule reagierte unmittelbar. Zugleich wirft der Fall grundsätzliche Fragen über den gesellschaftlichen Umgang mit Migrantenfeindlichkeit auf.

In Partylaune. (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Beim Sommerfest der privaten Merz Schule in Stuttgart hatten einige Jugendliche den Gigi-D’Agostino-Hit „L’Amour toujours“ mit den Parolen „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ übertönt. Nach Angaben von Schulleiter Frederik Merz geschah dies nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung, als rund 200 Jugendliche auf dem Schulgelände weiterfeierten. Der DJ habe die Musik sofort gestoppt, nachdem die Rufe eingesetzt hatten. Ein ehemaliger Schüler, der sich an den Gesängen beteiligt hatte, sei unmittelbar vom Gelände verwiesen worden.

Die Schule sichtete anschließend Videos von dem Vorfall. Wer genau welche Textpassagen gesungen habe, lasse sich daraus allerdings nur schwer rekonstruieren, sagte Merz in einem Interview mit dem SWR. Zudem seien neben Schülerinnen und Schülern der Merz Schule auch Jugendliche anderer Schulen bei dem Sommerfest zu Gast gewesen. Nach Einschätzung der Schulleitung handelte es sich bei den Mitsingenden um eine Minderheit.

Im Mittelpunkt der Aufarbeitung stand für die Schule nach Angaben von Merz nicht in erster Linie die Suche nach weiteren Beteiligten, sondern die pädagogische Auseinandersetzung mit dem Vorfall. Bereits in der Woche nach dem Sommerfest sprach die Schulleitung mit allen Klassen der Mittel- und Oberstufe über die Gesänge und ordnete sie ausdrücklich als unvereinbar mit den Werten der Schule ein.

„Für uns war wichtig, dass wir eine sehr klare Einordnung finden konnten, dass diese Rufe zu uns als Schule überhaupt nicht passen“, sagte Merz. Die Merz Schule verstehe sich als internationale Schulgemeinschaft. „Wir haben in jeder Klasse mehrere Kinder mit Migrationshintergrund und Freundschaften über alle Nationen hinweg – das macht auch unser Werteverständnis aus.“

Nach Angaben des Schulleiters reagierten viele Jugendliche betroffen. Zwar habe sich niemand freiwillig als Beteiligter zu erkennen gegeben. „Wir haben aber ehrliche Bestürzung darüber gespürt“, sagte Merz. Besonders Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund seien durch die Vorfälle getroffen gewesen. Zugleich habe der ehemalige Schüler, der unmittelbar nach den Gesängen vom Gelände verwiesen worden war, bereits kurz darauf das Gespräch mit der Schulleitung gesucht. Er habe Reue gezeigt; der Vorfall sei ihm nach Angaben des Schulleiters „extrem peinlich“ gewesen.

„Ich bin erstaunt, dass es kein Gefühl dafür gibt, was man mit solchen Aussagen anrichten kann und dass es scheinbar eine Bagatelle geworden ist“

Gerade diese Gespräche hätten jedoch ein weiteres Problem sichtbar gemacht. Selbst Jugendliche mit Migrationshintergrund hätten die fremdenfeindlichen Parolen mitgesungen. Für Merz ist das ein Hinweis darauf, dass viele junge Menschen die Tragweite solcher Aussagen nicht mehr wahrnehmen. „Ich bin erstaunt, dass es kein Gefühl dafür gibt, was man mit solchen Aussagen anrichten kann und dass es scheinbar eine Bagatelle geworden ist“, sagte er dem SWR. Mit welcher Selbstverständlichkeit entsprechende Sprüche skandiert würden, bereite ihm große Sorgen. „Es scheint mir, dass es bei vielen Jugendlichen ganz normal ist, so etwas zu skandieren.“

Der Vorfall wirft aus Sicht der Schulleitung deshalb Fragen auf, die über die eigene Schule hinausreichen. Merz zeigte sich überrascht, dass die Gesänge nach Einschätzung der Polizei strafrechtlich nicht relevant seien. Er selbst sei zunächst davon ausgegangen, dass es sich um volksverhetzende Äußerungen handele. Tatsächlich sieht die Polizei nach bisherigem Ermittlungsstand keinen Straftatbestand erfüllt, bezeichnete die Parolen jedoch als „massiv geschmacklos“.

Der Schulleiter regt deshalb eine gesellschaftliche Debatte über die Grenzen der Meinungsfreiheit an. „Wann ist mal die Grenze erreicht, wo Meinungsfreiheit aufhört und der volksverhetzende Anteil beginnt?“, fragte er im SWR-Interview. Gerade zum Schutz der Demokratie müsse darüber diskutiert werden.

„Für Diskriminierung und extremistisches Gedankengut ist an unseren Schulen kein Platz“

Auch der Verband Deutscher Privatschulen Baden-Württemberg, dem die Schule angehört, distanzierte sich deutlich von dem Vorfall. „Für Diskriminierung und extremistisches Gedankengut ist an unseren Schulen kein Platz“, erklärte Verbandspräsident Michael Büchler. Wenn Schülerinnen und Schüler fremdenfeindliche Parolen anstimmten, verletze dies die Würde anderer Menschen und erfordere eine sofortige und konsequente Reaktion. Zugleich verwies der Verband darauf, dass rechtsextremistische und fremdenfeindliche Entgleisungen eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung widerspiegelten, die inzwischen auch Schulen erreiche.

Der Fall erinnert an den bundesweit beachteten Sylt-Skandal aus dem Jahr 2024. Damals hatten Gäste einer Bar ebenfalls zu „L’Amour toujours“ die Parolen „Deutschland den Deutschen! Ausländer raus!“ gerufen. Videos der Szene verbreiteten sich millionenfach in den sozialen Medien und führten zu zahlreichen Nachahmungen. Die strafrechtlichen Ermittlungen wurden in den meisten Fällen später eingestellt, weil die Gerichte die Äußerungen überwiegend von der Meinungsfreiheit gedeckt sahen.

An der Merz Schule soll der Vorfall nach Angaben ihres Schulleiters jedoch nicht das Bild der Schulgemeinschaft bestimmen. Vielfalt und internationale Offenheit prägten das Schulleben und sollten dies auch künftig tun. Gerade deshalb sei es wichtig gewesen, unmittelbar nach dem Sommerfest deutlich zu machen, dass fremdenfeindliche Parolen an der Schule keinen Platz haben. News4teachers

Deutschland hat ein Rassismus-Problem (auch in den Schulen) – und das nicht erst seit gestern. Ein Kommentar

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