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Lautlos, elektrisch, ohne China-Teile: Warum Russland diese Drohne aus Deutschland fürchtet

Дата публикации: 24-07-2026 18:56:04

Das Startup Infinteq aus Mülheim an der Ruhr baut Hightech-Drohnen für die Ukraine. Auch Deutschland müsse sich wappnen, sagt der Firmengründer.

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Lautlos, elektrisch, ohne China-Teile: Warum Russland diese Drohne aus Deutschland fürchtet

Stand: 24.07.2026, 20:56 Uhr

Von: Peter Sieben

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Das Startup Infinteq aus Mülheim an der Ruhr baut Hightech-Drohnen für die Ukraine. Auch Deutschland müsse sich wappnen, sagt der Firmengründer.

Mülheim/Ruhr – Die Möwe ist allgegenwärtig. Ein Miniatur-Modell, Maßstab 1:10, steht auf dem Konferenztisch. Das Panoramafenster dahinter gibt den Blick frei auf die Originale in der Produktionshalle: Hintereinander aufgereiht lagert dort Hightech-Drohne hinter Hightech-Drohne. Gull One E, Möwe Eins E, so heißt das Fluggerät, das sie bei Infinteq in Mülheim an der Ruhr zusammensetzen.

Die Drohne Gull One E.

Die Drohne Gull One E ist extrem leise. © Elias Keilhauer

Spannweite der Möwe: 3,30 Meter, Länge: 1,50 Meter. Und mit 50 Zentimetern Höhe ist sie ziemlich flach. Wie ein kleines Tarnkappenflugzeug sieht die Drohne aus. Oder ein Lenkdrachen aus der Zukunft. Aber die Flügler sind kein Spielzeug, sondern hochmodernes Kriegsgerät. Ukrainische Streitkräfte nutzen die Gull One E für die Verteidigung gegen Russland. „Die Ukrainer kamen auf uns zu. Sie hatten bestimmte Wünsche, welche Eigenschaften die Drohnen erfüllen sollen“, erzählt Infinteq-Chef André Komp, der das Unternehmen 2024 gegründet hat.

Komp – hochgewachsen, breit gebaut, kahler Kopf, kräftiger Händedruck – ist kein Neuling in der Branche. Seine Wurzeln liegen im Game-Design, später sattelte er auf Verteidigungstechnologien um. Kein ungewöhnlicher Werdegang, Gaming und Defense-Tech gehen Hand in Hand. Streitkräfte weltweit nutzen Technik, die aus der Computerspielebranche stammt. Die Unreal-Engine etwa, eine 3D-Software für Ego-Shooter, ist längst Standard in militärischen Simulations- und Trainingsumgebungen. Auch viele ukrainische Drohnenpiloten kommen aus der Gamingszene.

Leise Drohnen als Vorteil im Kampf gegen Putins Truppen

„Vom ersten Strich auf dem Papier bis zum ersten Vorflug haben wir die Gull One E in vier Monaten entwickelt“, sagt Komp. „‘Made in Germany‘ kann auch schnell gehen.“ Für die Ukraine könnte das Drohnensystem aus Deutschland einen entscheidenden Unterschied machen. Die Möwe ist VTOL-fähig, wie es im Jargon heißt. Die Abkürzung steht für Vertical Take-Off and Landing, sprich: Sie ist ein Senkrechtstarter und -lander. Und das E im Namen steht für den elektrischen Antrieb: „Dank ihrer E-Turbinen im Flächenflug ist sie sehr leise gegenüber Drohnen mit Verbrennerantrieb“, erklärt Komp.

Die schwer zu ortenden Möwen sind mit 150 Kilometern pro Stunde unterwegs und dienen vor allem der Aufklärung. Sie fliegen im Verband vollautomatisch entlang vorgegebener Routen, auch Start und Landung sind automatisiert. Und: Die Systeme sollen möglichst einfach zu montieren sein. „An der Front sind nicht alle ausgebildete Techniker und Ingenieure. Wir entwickeln Produkte, die truppentauglich sind. Die man auch bei minus 20 Grad und mit Handschuhen aufbauen und bedienen kann.“ 

Produktionshalle von Infinteq

Die Produktionshalle von Infinteq: Fotos sind nur eingeschränkt erlaubt. © Infinteq

Die Möwe war nur der Anfang. In Mülheim entwickeln sie etwa auch Fluggeräte, die Unterwasserdrohnen mitführen und gezielt abwerfen können. Anders als die meisten anderen deutschen Drohnenhersteller versteht sich Infinteq als Systemhaus, das Luft-Drohnen, maritime Sensoren, Steuerungs-Software und Bodenkontrollstationen in einem Paket liefert. Luft, Boden, Wasser: Multi-Domain-Plattform nennen sie das hier. „Alles lässt sich über eine Softwarelösung steuern. Eine einzelne Drohne hat viel weniger taktische Möglichkeiten als im Verbund vernetzte Drohnensysteme die zusammen agieren.“ Das Motto „Connecting Smart Drones“ steht in großen schwarzen Buchstaben auf einem Pfeiler in der Produktionshalle.

Fotos sind nur sehr eingeschränkt erlaubt. Und manche Details aus der Produktion dürfen nicht an die Öffentlichkeit. Keine Informationen sollen nach Russland dringen, oder nach China. Peking steht im Verdacht, russische Soldaten auszubilden. Und Sicherheitsbehörden registrieren immer wieder Cyberangriffe aus dem Land. „Wir verzichten bei unseren Drohnensystemen deshalb bewusst auf Bauteile aus China“, sagt Komp. Journalisten sind selten in der Halle. Aber die Branche ist längst im Wandel und öffnet sich.

Vor ein paar Jahren noch war die Rüstungsindustrie das ungeliebte Stiefkind. Seit dem Ukrainekrieg zeigen sich Politikerinnen und Politiker gern auf Fototerminen bei Rüstungskonzernen wie Rheinmetall und die Bundeswehr macht aufwendige Werbung auf der Spielemesse Gamescom. Und bei Infinteq hat neulich Grünen-Chefin Franziska Brantner während ihrer Sommertour Station gemacht. Komp ist sich des Dilemmas bewusst, Krieg sei schrecklich. „Unser Ziel aber ist die Verteidigung der Demokratie“, sagt er. „Auch in Deutschland müssen wir uns darauf vorbereiten, mehrere Drohnen gleichzeitig abwehren zu können.“ (Quellen: Besuch vor Ort bei Infinteq, eigene Recherchen)

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