Im Bund läuft alles auf Schwarz-Rot hinaus. Eine NRW-Analyse zeigt: Wähler der Parteien nähern sich in einem Kernthema längst an.
Essen. Im Bund läuft alles auf Schwarz-Rot hinaus. Eine NRW-Analyse zeigt: Wähler der Parteien nähern sich in einem Kernthema längst an.
In Berlin läuft alles auf eine schwarz-rote Koalition hinaus. Für NRW könnte man sagen: Die Wählerinnen und Wähler der beteiligten Parteien sind längst aufeinander zugegangen.
Wie aus einer Datenanalyse des Münsteraner Wahl-Kompass hervorgeht, die dieser Redaktion exklusiv vorliegt, stehen sich Wählerinnen und Wähler in NRW durchaus näher, als die Kanzlerkandidaten von SPD und Union im Wahlkampf den Anschein erwecken wollten.
NRW-Wähler von CDU und SPD rücken aufeinander zu„Die Parteien haben sich bei dieser Bundestagswahl so stark voneinander abgegrenzt wie lange nicht mehr“, sagt der Münsteraner Politikwissenschaftler Norbert Kersting. „Man hat sich sehr stark auf die Ränder konzentriert. Die Wähler aber stehen klar in der Mitte und sind auch in Fragen aufeinander zugegangen, in denen CDU und SPD auf Konfrontation gesetzt haben.“
Der Politik-Professor Norbert Kersting hat mit seinem Team den Wahl-Kompass entwickelt, eine der größten Online-Wahlhilfen in Deutschland. © Uni Münster | Picasa
Das gelte für Fragen zur Migration ebenso wie für eine einheitliche Krankenversicherung oder die Schuldenbremse, sagt der Münsteraner Politologe mit Blick auf Daten aus dem Wahl-Kompass. Bei dieser Online-Wahlhilfe konnten Menschen ihre politische Haltung mit denen der Parteien im Bundestagswahlkampf abgleichen und Daten anonymisiert spenden.
Kersting sagt, dass SPD-Wähler aus NRW in der Asyldebatte inzwischen eher restriktive Maßnahmen befürworten und damit an die CDU heranrückten. CDU-Wähler dagegen sähen vermehrt Vorteile darin, private und gesetzliche Krankenversicherung zusammenzuschließen – eine Forderung der SPD.
Aus fürs Deutschlandticket? CDU-Anhänger mehrheitlich dagegenDass einflussreiche Christdemokraten unlängst von einem Ende des Deutschlandtickets sprachen, dürfte demnach eher für Ärger sorgen: Von den CDU-Wählern aus NRW, die den Wahl-Kompass genutzt haben, wollen drei Viertel das stark subventionierte Abo für Bus und Bahn beibehalten. Bei der SPD sind es sogar 85 Prozent.
Aber auch in den zentralen Themen, die derzeit die deutsche Politik beschäftigten, stünden CDU- und SPD-Wähler in NRW näher beieinander als bislang, so Kerstings Analyse von über 108.000 bereinigten Datenspenden aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland. Der Aussage, dass Deutschland mehr Geld für seine militärische Verteidigung ausgeben solle, stimmt jeder zweite von SPD und CDU zu. Nimmt man noch die sehr Überzeugten dazu, sind es 71 bzw. 82 Prozent. Auch insgesamt sieht man den Daten an, dass hohe Militärausgaben in NRW unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs viel Zuspruch erhalten.
Militär und Infrastruktur: Historisches KreditpaketAber wie sehr soll sich Deutschland für solche Ausgaben verschulden? Im Wahlkampf hatte sich die CDU vehement für eine strikte Haushaltsdisziplin eingesetzt. Noch vor Beginn der Koalitionsverhandlungen haben sich Union und SPDnun aber auf ein historisches Kreditpaket verständigt, um Investitionen in die Infrastruktur und in die Verteidigung zu ermöglichen. Kersting glaubt, dass diese Kehrtwende der CDU hin zu mehr Schuldenmachen durchaus von Wählerinnen und Wählern mitgetragen werde: „Es gibt auch eine große Gruppe von Unentschiedenen in der CDU in dieser Frage, die mit der Parteilinie mitgehen werden.“
Die Daten zeigen zwar, dass CDU-Wähler immer noch mehrheitlich an der Schuldenbremse festhalten wollen - doch nach Kerstings Darstellung verschiebt sich das Bild. Beim Wahl-Kompass hat jeder dritte CDU-Wähler erklärt, dass sich der nächste Bundestag nicht strikt an die 2009 unter der damaligen Großen Koalition ins Grundgesetz geschriebene Schuldenbremse halten solle. Die SPD-Wähler in NRW sind deutlich überzeugter: Jeder zweite gibt im Wahl-Kompass an, dass die Neuverschuldung des Bundes nicht allzu streng reglementiert werden solle.
Für die Koalitionsverhandlungen und die künftige Regierung seien seine Erkenntnisse durchaus positiv, so Kersting. Parteien müssten offen sein für die Meinungen ihrer Anhänger, sonst seien künftige Wahlerfolge in Gefahr. Anders als bei der bisherigen Ampel-Regierung dürfte eine schwarz-rote Koalition durchaus harmonischer regieren, so der Fachmann.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Пропал звук в колонках | 0 | 10 | 03-08-2026 |