Europas Banken wollen den Einfluss amerikanischer Zahlungsdienstleister einschränken
Ein alltäglicher Anblick in deutschen Supermärkten: Bezahlen mit Karte
Foto: IMAGO/Rolf Poss
Im Zahlungsverkehr wird, wie in anderen besonders lukrativen Wirtschaftszweigen, mit harten Bandagen gekämpft. Dazu gehören »feindliche« Übernahmeversuche. Nun droht sogar dem Platzhirschen Paypal das vorzeitige Aus. Ein Zeichen der Schwäche (des Börsenkurses) des weithin bekannten Unternehmens. Der kalifornische Konzern gilt in Deutschland als wichtigster Zahlungsabwickler im Onlinehandel über das Internet. Ein bislang auf Unternehmenskunden spezialisierter Zahlungsabwickler, Stripe, und ein Finanzinvestor haben den Aktionären von Paypal ein Kaufangebot vorgelegt. Die Übernahmepläne folgen auf eine lange Talfahrt des Aktienkurses: War ein Paypal-Anteil während der Corona-Pandemie noch bis zu 300 US-Dollar wert, waren es in diesem Sommer kaum noch 40 Dollar. Der Ausgang des Übernahmekampfes ist weiterhin offen.
Wegen der schlecht laufenden Geschäfte war Anfang Februar schon der Vorstandschef von Paypal mit sofortiger Wirkung abgesetzt worden. Übernommen hat später der bisherige Verwaltungsratsvorsitzende Enrique Lores. Auch Lores hat die Börsen nicht beruhigt, ganz im Gegenteil. Nach diesem abrupten Führungswechsel war der Aktienkurs um rund 20 Prozent abgestürzt. Der neue Boss hat daraufhin angekündigt, Paypal mit einer Umstrukturierung und Sparmaßnahmen wieder auf einen Wachstumskurs zu führen. Einige Tausend der etwa 25 000 Jobs im Konzern sollen dafür gestrichen werden.
Der noch junge elektronische Zahlungsdienst Wero zielt auf mehr europäische Selbständigkeit.
Der Zahlungsdienstleister ist Namensgeber für die »Paypal-Mafia«. Sie besteht aus einer Gruppe früherer namhafter Paypal-Gründer und -Beschäftigter wie Elon Musk und dem deutschen Donald-Trump-Sponsor Peter Thiel. Diese »Mafiosi« haben andere bedeutende Technologieunternehmen im Silicon Valley wie Tesla, Palantir oder Youtube entwickelt.
Lange schwamm Paypal auf einer Erfolgswelle. Die Zahl der aktiven Accounts beträgt laut Statista mehr als 400 Millionen in mehr als hundert Ländern. Basis für den Erfolg waren die Besonderheiten des Zahlungsverkehrs in den USA: Dort wurden meist Schecks verwendet, die für Online-Transaktionen denkbar ungeeignet sind. Mit dem Siegeszug des Internethandels im vergangenen Jahrzehnt wuchs zugleich das bereits 1998 gegründete Paypal dann rasant.
Das Unternehmen sieht sich in Deutschland, seinem wohl wichtigsten Markt nach den USA, verstärkter Konkurrenz gegenüber, etwa den Bezahldiensten von Tech-Konzernen wie Apple und Google. Diese haben Paypal mit ihren Diensten Google Pay und Apple Pay auch an den Ladenkassen überholt. Weitere Konkurrenten sind im Anmarsch. Dazu gehört perspektivisch der digitale Euro. Den wünscht sich die europäische Bankwirtschaft allerdings so eingeschränkt, dass er nicht die eigenen Umsätze im Zahlungsverkehr schmälert.
Die Finanzdienstleister bauen daher ihre European Payments Initiative (EPI) aus – ein Zusammenschluss europäischer Zahlungsdienstleister und Banken aus sieben Ländern –, um der US-amerikanischen Konkurrenz einen Teil des Geschäfts abzunehmen. Frühere, weitgehend nationale Versuche, ein neues System aufzubauen, waren allesamt gescheitert. Die Initiative zielt nun mit dem noch jungen elektronischen Zahlungsdienst Wero (ein Kunstwort aus dem englischen »Wir« und »Euro«) auf mehr europäische Selbständigkeit.
Um diese ist es wie auf anderen Feldern strategischer Infrastruktur bislang eher schlecht bestellt. Hinter Paypal, Google Pay und anderen von europäischen Verbrauchern genutzten Zahlungsdienstleistern stehen die US-Konzerne Visa und Mastercard. Deren Symbole sind vielen Verbrauchern von ihren EC-Karten bekannt. Visa und Mastercard wickeln in Deutschland und weltweit Zahlungen ab. Sie selbst stellen jedoch keine EC- und Kreditkarten aus. Stattdessen betreiben sie Netzwerke, über die Zahlungen zwischen Banken, Einzelhändlern und Verbrauchern laufen. Dazu arbeiten sie mit Banken und Sparkassen in Deutschland zusammen, welche die jeweiligen Karten an die eigene Kundschaft ausgeben. Geld verdienen Visa und Mastercard (und deren Bankkunden) durch die Transaktionsgebühren: Für jede abgewickelte Zahlung erhalten die Unternehmen vom Händler einen Anteil am Umsatz. Üblich ist ein Satz zwischen 1 und 2 Prozent des Kartenumsatzes.
In den Ländern der Europäischen Union wurden im Gegensatz zur USA Rechnungen bereits seit Jahrzehnten meistens per Überweisung bezahlt. Doch im internationalen Zahlungsverkehr wurden und werden Gebühren erhoben, die Paypal lange unterbieten konnte. Erst durch die Regulierung des europäischen Zahlungsverkehrs – mit der Internationalen Kontonummer (IBAN) und der Bankenidentifikation SWIFT (identisch mit BIC) – wurde es möglich, dass EU-Überweisungen großteils gebührenfrei sind. Ziel der europäischen Initiative EPI ist nun die Errichtung einheitlicher europäischer Zahlungsverfahren für Kunden und Händler, die mit eigener Infrastruktur in Konkurrenz zu den US-amerikanischen Unternehmen Visa und Mastercard treten sollen.
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