In der aktuellen Folge des WZ-Konjunkturpodcasts geht es um das Thema Cybersicherheit.
Wuppertal · In der aktuellen Folge des WZ-Konjunkturpodcasts geht es um das Thema Cybersicherheit.
Thomas Lämmer Gamp (v.l.), Bereichsleitung Netze und Infrastruktur bei der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft, André Betzer, Regionales Konjunkturbarometer, Philip Schmersal, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens und Markus Doumet vom Regionalen Konjunkturbarometer diskutieren über das Thema Cybersicherheit.
Foto: Andreas FischerBei Schmersal wäre es fast passiert. Nur durch die Warnungen von gleich zwei Landeskriminalämtern und der darauf folgenden schnellen und richtigen Reaktion des Unternehmens, konnte größerer Schaden durch eine geglückte Cyberattacke abgewendet werden. „Wir haben innerhalb von 90 Minuten die gesamte Schmersal-Gruppe vom Netz genommen, über 2000 Leuten waren plötzlich offline. Der Virus war bereits auf 20 Systemen von uns drauf, der Verschlüsselungsbefehl hatte aber zum Glück noch nicht stattgefunden“, erzählt Geschäftsführer Philip Schmersal im WZ-Podcast zum Thema Cybersicherheit.
Das Landeskriminalamt hatte über einen anderen Fall mitbekommen, dass auch Schmersal im Fokus der Kriminellen war. Wenn es in diesem Fall heißt, dass größerer Schaden abgewendet werden konnte, ist das relativ. Denn insgesamt hatte das Unternehmen einen Schaden von mehr als fünf Millionen Euro. Eine Lösegeldforderung der Hacker, um geklaute Daten wieder zu bekommen, hätte diese Summe aber womöglich weit übertroffen. Schmersal ist nur ein prominentes Beispiel, für ein Unternehmen, das im Fokus von Kriminellen stand, die durch das Internet kommen. Die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die Bergische Uni und die Industrie- und Handelskammer sind weitere Opfer.
Jedes zehnte Unternehmen schon Opfer von Cyberangriff geworden
Das Regionale Konjunkturbarometer hat die Bergischen Unternehmer befragt, inwieweit diese sich mit dem Thema auseinandersetzen oder schon betroffen waren. Dabei haben 85 Prozent der Unternehmen angegeben, dass sie in den vergangenen zwei Jahren nicht von einem Angriff betroffen waren. Gleichzeitig meldete aber jedes zehnte Unternehmen zurück, durchaus mit einem begrenzten Schaden Opfer geworden zu sein.
„Diese Zahl haben wir uns dann genauer angesehen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht um Unternehmensgröße oder Branche geht, von großen Mittelständlern bis zu kleinen Unternehmen, von Industrieunternehmen bis zu Dienstleistern ist die Bedrohung groß“, sagt Professor Markus Doumet vom Regionalen Konjunkturbarometer. Ein Unterschied zwischen kleinen und großen Betrieben würde sich aber beim Thema Notfallpläne zeigen. Rund ein Drittel haben demnach ausgearbeitete Notfall-Pläne, zwei Drittel haben nur teilweise ausgearbeitete Pläne und ein weiteres Drittel hat keine.
Die Ergebnisse des Barometers decken sich auch mit den Erfahrungen von Thomas Lämmer-Gamp. Er ist Bereichsleiter Netze und Infrastruktur bei der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft und Projektleiter der Modellregion Cybersicherheit. Ebenfalls auffällig ist, dass nicht viele Unternehmen so offen mit dem Thema umgehen, wie Schmersal es gemacht hat. „Es ist natürlich die Sorge, dass das ein Imageschaden nach sich zieht, dass Kunden nervös werden. Allerdings lässt es sich nicht immer geheim halten, denn wenn es zu einer Verschlüsselung kommt und Daten abgeflossen sind, sind sie nach dem Datenschutzrecht verpflichtet, ihre Kunden, die in den Datenbanken sind, darüber zu informieren“, erklärt Lämmer-Gamp im Podcast.
Wie die Umfrage zeigt, sorgen trotz bewusster Gefahr viele Unternehmen nicht vor. „Wenn wir ganz ehrlich sind, viele Unternehmen haben nicht die Mittel, um sich entsprechend vorzubereiten. Solche Investitionen werden häufig zurückgestellt, wie es nicht sofort einen Return on Investment gibt. Das ist aber, ein Kardinalfehler. Denn es stellt sich nicht die Frage, ob man getroffen wird, sondern wann man getroffen wird. Und wenn der Tag da ist, kann es sein, dass das Unternehmen glimpflich davonkommt, der Schaden gering ist. Vielleicht ist er aber auch der letzte Sargnagel für den Betrieb“, so Lämmer-Gamp.
Bei Schmersal hat man die Attacke als Warnsignal verstanden und trotz Vorkehrungen noch einmal nachgebessert. „Wir haben das zum Anlass genommen, unsere gesamte Infrastruktur neu aufzuziehen. Doch das waren Millioneninvestitionen bei einem Unternehmen unserer Größe. Sie brauchen externe Hilfe, Berater, die IT-Mannschaft und die Mitarbeiter müssen geschult werden. Der Aufwand ist groß und hört nicht auf. Denn man muss sich einfach klar machen, dass es ein Wettrüsten ist und dass ich es dem Angreifer schwerer machen muss, als es vielleicht andere machen“, so der Geschäftsführer. Über seine Systeme kann Schmersal in Erfahrung bringen, wie viele Angriffe pro Tag auf das Unternehmen laufen. Das Ergebnis: Mehrere Hundert größere und kleinere Attacken treffen Schmersal täglich. Das zeigt auch, wie breitgestreut die Täter vorgehen.
Damit Unternehmen nicht mit dem Thema alleine dastehen, gibt es die Modellregion Cybersicherheit. Das Projekt ist vom Land NRW finanziert. Durch gemeinsame Veranstaltungen, mit IT-Sicherheitsunternehmen und mittelständischen Unternehmen soll das Thema Cybersicherheit nochmal mehr ins Bewusstsein gerufen werden. Die Anmeldezahlen zu den Veranstaltungen zeigen, dass dies auch gelingt. „Zudem sollen unmittelbar nutzbare Tools entwickelt werden, die den Unternehmen bei der Umsetzung im Betrieb hilft“, so Lämmer-Gamp. Ein Simulationsprogramm zur Schulung von Auszubildenden gibt es bereits (die WZ berichtete).
„Die Gefahr ist real und das Thema ernst. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten sollten Unternehmen aufrüsten und sich externe Hilfe holen. Das ist gut investiertes Geld. Und es sind auch nicht immer direkt Millionen Investitionen. Man kann oftmals mit einfachen Mitteln schon sehr viel erreichen, mit Schulungen und Investitionen in Software“, sind sich Schmersal und Lämmer-Gamp zum Ende des Podcasts einig.
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