Ruhestand – aber nicht wirklich weg. Dekan Theo Welsch hört zum 1. Juni auf, will aber „Priester in Reichweite“ bleiben. Welche Abschieds-Gottesdienste er sich ausgesucht hat, ist kein Zufall.
Tholey · Ruhestand – aber nicht wirklich weg. Dekan Theo Welsch hört zum 1. Juni auf, will aber „Priester in Reichweite“ bleiben. Welche Abschieds-Gottesdienste er sich ausgesucht hat, ist kein Zufall.
Als Theo Welsch sein silbernes Jubiläum für 25 Jahre Priesterdienst im Jahr 2019 in der Pfarreiengemeinschaft Heiligkreuz in Trier feierte, dachte der Geistliche, dass er auch eines Tages dort in den Ruhestand gehen würde. Doch dann kam alles anders. „Pack deine Koffer, ich brauche dich woanders“, habe Bischof Stephan Ackermann gesagt und den gebürtigen Saarländer zurück in seine Heimat berufen. Im März 2021 ging es für den damals 65-Jährigen ins Schaumberger Land. Dort wirkte er als Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Am Schaumberg, für eineinhalb Jahre als Pfarrverwalter in der Pfarreiengemeinschaft Nonnweiler, als Pfarrverwalter am Bostalsee und schließlich als Dekan im Leitungsteam des Pastoralen Raumes Tholey. Mit inzwischen 70 Jahren möchte sich Welsch nun wieder einer neuen Herausforderung stellen: dem Ruhestand.
Pfarrer Theo Welsch: „Wenn ich gebraucht werde, bin ich da“ – auch im Ruhestand
Dieser beginnt ab 1. Juni. Und da es nun mal sein erster Ruhestand ist, wisse er noch nicht genau, was er sich davon erwartet. Auf jeden Fall „mehr Zeit für mich“. Außerdem verliere er sein Priestersein nicht. Denn: Die Abkürzung i.R. hinter seinem Namen bedeute für ihn: Priester in Reichweite und nicht Priester in Ruhestand. Soll heißen: „Wenn ich gebraucht werde, bin ich da.“ Die ersten Anfragen habe er schon erhalten. Alle wird er nicht erfüllen können, aber sicherlich einige.
Dass er einmal als Pfarrer Gottesdienste leiten würde, war dem heute 70-Jährigen nach Ende seiner Schulzeit noch nicht bewusst. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Saarbrücken und schloss das Studium der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule des Saarlandes (heute: Hochschule für Technik und Wirtschaft) ab, anschließend arbeitete er als Banker. Doch dann änderte er seinen Weg: Er wollte Priester werden, seine Weihe empfing er 1994. Zweifel habe es in der Vorbereitung darauf nie gegeben. „Für mich war das ganz klar. Sonst hätte ich als Banker nicht den gut bezahlten Job aufgegeben.“ Diese Klarheit habe ihm immer Kraft verliehen. Welsch empfindet es als Glück, dass er Priester sein durfte.
Fünf-Euro-Aktion war besonderer Moment
Bei seinem „kleinen Heimspiel“ im Schaumberger Land hat sich der 1956 in Wadgassen geborene Geistliche von Beginn an gut aufgenommen gefühlt. „Da merkt man noch, dass die Leute den Priester willkommen heißen“, sagt Welsch. Viele Momente werden ihm in Erinnerung bleiben wie die Altarweihe in Hasborn-Dautweiler nach Abschluss der Sanierungsarbeiten in der Pfarrkirche St. Bartholomäus und seine Fünf-Euro-Aktion. Bei Letzterer ging es darum, das Evangelium einmal wörtlich zu nehmen. Genauer gesagt, das Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Dazu verteilte Welsch im November 2023 in mehreren Gottesdiensten jeweils fünf Euro an die Gläubigen – mit dem Auftrag, diese zu vermehren (wir berichteten). 430 Scheine aus seinem Privatvermögen hat er unter die Kirchgänger gebracht, was einer Summe von 2.150 Euro entsprach. Letztlich kamen bei der Aktion für den guten Zweck rund 8.000 Euro zusammen, die vor Ort, für Arbeiten in den Kirchen, eingesetzt wurden.
Abschied bei Patronatsfest am 14. Mai
Neben besonderen Aktionen werde ihm aber auch die tägliche Arbeit, unter anderem mit Susanne Zöhler und Sebastian Leinenbach, die mit ihm das Leitungsteam im Pastoraler Raum Tholey bilden, in Erinnerung bleiben. Von den Menschen in der Region wird er sich mit Gottesdiensten verabschieden, wobei er sich zwei ganz besondere ausgesucht hat. Zum einen wird er das traditionelle Festhochamt an Christi Himmelfahrt, 14. Mai, 10.30 Uhr, zelebrieren. In der Regel wird dieses auf dem Schaumberg-Plateau gefeiert. Aufgrund der schlechten Wetterprognose geht es dieses Mal in die Kirche nach Theley. Es ist zugleich das Patronatsfest für die seit dem 1. Januar bestehende „Pfarrei am Schaumberg, Christi Himmelfahrt“. Der zweite Abschieds-Gottesdienst wird Welsch an Fronleichnam, 4. Juni, am Bostalsee feiern. In beiden Fällen eben dort, wo die Menschen zusammenkommen.
Wohnt künftig in Lisdorf
Bereits Ende Mai wird der 70-Jährige aus dem Pfarrhaus in Theley ausziehen. Künftig wird er im alten Pfarrhaus in Saarlouis-Lisdorf leben. „Ich habe mir viele leerstehende Pfarrhäuser angeschaut und mich dann für dieses entschieden“, berichtet Welsch. Dabei hätten mehrere Faktoren eine Rolle gespielt. Ein wichtiger sei die Tatsache gewesen, dass das Gebäude in einem guten Zustand und einzugsfertig ist. Auch die Lage passe. Denn es seien gute Wege für Radtouren in der Nähe. Mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, ist eine große Leidenschaft des Pfarrers. „Wenn die Leute überlegen, was sie mir schenken, dann kommen sie letztlich auf den Gedanken: Etwas, was mit dem Rad zu tun hat.“
Erstes Projekt ist eine Radtour
Und damit hat auch der erste konkrete Plan für den Ruhestand zu tun. Es geht im Juni zwölf Tage lang auf Tour nach Lisieux in der Normandie, wo die Heilige Theresia von Lisieux verehrt wird. Unterwegs ist Welsch auf der 600 Kilometer langen Strecke mit einer Rad-Wallfahrtgruppe, die er vor einigen Jahren gegründet hat. Aber auch durchs Saarland radelt er regelmäßig. Somit kann es auch in dessen Ruhestand ein Wiedersehen mit Welsch geben – entweder im Priestergewand in der Kirche oder mit Fahrradhelm in der Natur.
Festhochamt an Christi Himmelfahrt, 14. Mai, 10.30 Uhr, in der Kirche in Theley.
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