Deutschland Wirtschaft dürfte sich nur dank der Staatsausgaben leicht erholen. Ifo-Chef Fuest warnt vor wenig Rückenwind für Beschäftigte in Krisenbranchen.
Deutschlands Wirtschaft dürfte sich 2026 nur dank schuldenfinanzierter Staatsausgaben leicht erholen. Ifo-Chef Clemens Fuest warnt im DLD-Interview vor strukturellen Bremsklötzen – und wenig Rückenwind für Beschäftigte in Krisenbranchen.
Deutschland hofft auf ein besseres Jahr – doch die wirtschaftliche Erholung kommt nicht aus eigener Kraft. Hohe Staatsausgaben sollen 2026 Wachstum bringen, während Bürokratie, Investitionsflaute und steigende Rentenlasten weiter bremsen. Im DLD-Interview erklärt Ifo-Präsident Clemens Fuest, warum er nur mit einem vorsichtigen Aufschwung rechnet, wo die größten strukturellen Risiken liegen – und was das konkret für Beschäftigte und Verbraucher bedeutet.
FOCUS online: Wie beurteilen Sie die Konjunkturaussichten für Deutschland im Jahr 2026 – als Aufschwung, Stagnation oder verlängerte Schwächephase?
Clemens Fuest: Für 2026 erwarte ich eine moderate wirtschaftliche Erholung, getrieben durch eine schuldenfinanzierte Ausweitung der Staatsausgaben.
Welche wirtschaftspolitischen Entscheidungen der vergangenen Jahre wirken aus Ihrer Sicht 2026 besonders stark nach – positiv wie negativ?
Fuest: Positiv wirkt die Schaffung steuerlicher Investitionsanreize. Negativ ist das Ausbleiben von Reformen, die dauerhaft mehr Wachstum bringen. Negativ ist außerdem die massive Erhöhung des künftigen Zuschusses aus dem Bundeshaushalt zur Rentenversicherung.
Wie groß schätzen Sie das Risiko ein, dass Deutschland auch 2026 hinter anderen großen Volkswirtschaften zurückbleibt? Wo liegen die zentralen strukturellen Bremsklötze?
Fuest: Deutschland wird durch die Impulse der Schuldenpakete gegenüber den anderen Industrieländern aufholen, sie aber voraussichtlich nicht überholen.
Welche Rolle spielen Investitionsschwäche, Bürokratie und Fachkräftemangel für die Wachstumsperspektiven im kommenden Jahr?
Fuest: Kurzfristig lässt der Fachkräftemangel nach, weil die Unternehmen angesichts des geringen Wachstums weniger Menschen einstellen. Bürokratiebelastung ist ein wichtiger Grund dafür, dass die Kosten in Deutschland hoch sind und die Unternehmen wenig investieren.
Welche Auswirkungen hat die angespannte geopolitische Lage – vom Ukrainekrieg bis zu neuen internationalen Konflikten und Drohkulissen – auf die deutschen Konjunkturaussichten 2026, insbesondere mit Blick auf Wachstum, Energiepreise und Investitionen?
Fuest: Die geopolitischen Risiken schaffen Unsicherheit und tragen dazu bei, dass viele Unternehmen sich bei Investitionen zurückhalten.
Welche Impulse könnten kurzfristig noch Wirkung entfalten – etwa durch Steuerpolitik, Investitionsanreize oder Reformen am Arbeitsmarkt?
Fuest: Es geht weniger darum, kurzfristig Impulse zu schaffen, denn die Politik macht ja schon hohe Schulden und pumpt viel Geld in die Wirtschaft. Wichtiger wäre es, ein überzeugendes, mittelfristig ausgerichtetes wirtschaftspolitisches Reformprogramm zu beschließen. Das würde Vertrauen schaffen und dadurch auch zur kurzfristigen Belebung der Konjunktur beitragen.
Was bedeutet die konjunkturelle Lage 2026 aus Ihrer Sicht konkret für Verbraucher – etwa mit Blick auf Einkommen, Arbeitsmarkt und Kaufkraft?
Fuest: Vor allem in den von der Krise stark getroffenen Branchen, beispielsweise in der Chemie- oder der Autoindustrie müssen die Beschäftigten sich auf bescheidene Lohnsteigerungen und wachsende Risiken für ihre Arbeitsplätze einstellen.
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