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„Hardcoreversion von Dr. Google” – Forscher aus München lässt KI sogar sein Blutbild analysieren

Дата публикации: 28-05-2026 09:40:00

Das eigene Blutbild bei ChatGPT hochladen? Warum das eine gute Idee ist und wie auch Mediziner davon profitiere, berichtet einer der führenden KI-Forscher Europas.

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Das eigene Blutbild bei ChatGPT hochladen? Warum das eine gute Idee ist, wieso wir einen Virtuellen Menschen brauchen und wie auch Mediziner davon profitiere, berichtet einer der führenden KI-Forscher Europas.

Ein Arztbrief kann ganz schön kompliziert sein. Zwischen Blutwerten, Fachbegriffen und Diagnosen können sich Laien schnell verlieren. Künstliche Intelligenz kann hier Abhilfe schaffen, findet einer der führenden KI-Forscher Deutschlands. Fabian Theis träumt davon, die Diagnose und Behandlung von Krankheiten kostengünstiger, besser verfügbar und damit demokratischer zu machen.

Der Computerbiologe, wie er sich selbst nennt, leitet eine Abteilung mit rund sechshundert Wissenschaftlern am Helmholtz-Zentrum München. Das Department for Computational Health ist einer der größten Forschungszentren im Bereich Gesundheits-KI in Europa – und das mitten in Deutschland. FOCUS online hat den Forscher im Januar auf dem DLD 2026* in München getroffen. 

DLD Health x BAIOSPHERE

Erleben Sie Fabian Theis live beim DLD Health x BAIOSPHERE am 12. Juni 2026 im Literaturhaus München. Die Veranstaltung bringt Menschen zusammen, die Medizin gerade neu erfinden: Forscher, die KI-Modelle entwickeln, um Krebs früher zu erkennen als jeder Radiologe. Neurochirurgen, die Gelähmten mit Hirnimplantaten die Kontrolle über ihren Körper zurückgeben. CEOs, die Versicherung und Versorgung von Grund auf neu denken.

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FOCUS online: Die Diagnose und Behandlung von Krankheiten kostengünstiger, besser verfügbar und demokratischer zu machen, klingt nach einer Idealvorstellung. Wie soll das gehen?

Fabian Theis: Bisher können wir chronische Krankheiten noch nicht wirklich behandeln. Herzerkrankungen, Diabetes, Lungenerkrankungen – da kommen immer mehrere Sachen zusammen. Auch Neurodegenerative Erkrankungen: Wir werden älter, aber niemand weiß wirklich, wie man Parkinson richtig behandelt. Es gibt ein paar Ansätze. Aber da ist in der Entwicklung einfach noch nicht annähernd so viel passiert, wie die Biologie uns Möglichkeiten zur Verfügung stellt. Und da brauchen wir Künstliche Intelligenz.

Wie setzen Sie dieses Ziel in der Forschung um? Ich denke da zum Beispiel an den Virtuellen Menschen – Sie wollen einen digitalen Zwilling des Menschen erstellen.

Theis: Der Virtuelle Mensch ist ein Projekt, wo wir über verschiedene Skalen hinweg Basismodelle bauen. Ein Large Language Model, etwa ChatGPT, ist zum Beispiel ein Basismodell für Sprache. Wir bauen jetzt solche Modelle für die verschiedenen Skalen der Menschen – für Moleküle, für Zellen, für Organe und eben auch für den ganzen Menschen. 

Schlussendlich soll dieser Virtuelle Mensch für uns alle so eine Art Landkarte werden, auf der Menschen mit einem ähnlichen Krankheitsbild und ähnlicher Genetik als Punkte verortet sind. Dann können wir schätzen, was passiert. Zum Beispiel, wenn jemand mehr Sport macht oder gesünder isst. Wir versuchen personalisierte Vorhersagen zu machen. Noch ist das natürlich eher eine Vision, viele Sachen funktionieren bisher nur pro Skala und wir können sie noch nicht integrieren. Aber die Modelle sind da, die Daten werden immer besser – das ist jetzt nicht mehr nur komplett Zukunftsmusik.

Das klingt nach einem tollen Konzept für die Forschung, Aber wie kommt das wirklich beim Patienten in der Arztpraxis an?

Theis: Die naheliegendste Sache ist natürlich erst mal Diagnostik. Bisher ist es so: Man braucht einen Termin und muss länger warten. Dann kennt die Ärztin oder der Arzt vielleicht die persönliche Historie oder die letzten Blutbilder nicht. Mit der elektronischen Patientenakte wird das jetzt natürlich immer mehr passieren. 

Aber wie kann da eine Ärztin oder ein Arzt wirklich einen Überblick behalten, um eine Diagnose zu liefern? Ich finde es immer total krass, wenn sie die Patienten untersuchen und dann viele subtile Dinge an einem Entscheidungsbaum abklopfen. Diesen über Jahrzehnte hinweg entwickelten Entscheidungsbaum aus deren Köpfen hätte ich gerne extrahiert in ein Modell. Wenn dann junge Ärzte oder Ärztinnen kommen oder man irgendwo in Entwicklungsländern ist, lässt sich trotzdem die bestmögliche Versorgung sicherstellen. Das ermöglicht die angesprochene Demokratisierung.

Wie weit sind wir damit in Deutschland?

Theis: Bei vielen Sachen passiert es schon ganz konkret. Zum Beispiel in der Bildgebung. Beim Röntgen oder in der Augenhintergrundanalyse wird schon viel KI eingesetzt. Es markiert zum Beispiel bestimmte Bereiche, wo dann die Ärztin oder der Arzt schauen muss. Das ist mittlerweile sehr gut etabliert. Dadurch, dass wir in Deutschland noch nicht so digitalisiert sind, sind viele Anwendungen aber noch ein bisschen kompliziert.

Ein konkretes Beispiel aus meinem Leben: Ich habe vor kurzem ein Blutbild machen lassen und wollte eine Interpretation haben, die über die vorgegebenen Intervalle hinausgehen. Auf dem Ausdruck gibt es Skalen, die mir anhand eines Durchschnitts der gesamten Bevölkerung sagen, ob meine Werte gut oder schlecht sind. Ich habe aber ja noch mehr Eigenschaften, allein schon Geschlecht und Alter. Mithilfe von Sprachmodellen wie ChatGPT oder entsprechenden Tools lassen sich da viel spezialisierte Empfehlungen ableiten.

Kann so eine Analyse gleichwertig mit einem Mediziner sein, der jahrelange Erfahrung mitbringt und mich persönlich kennt? 

Theis: Nein, natürlich nicht. Die Vision ist in keinem Fall, dass Ärzte ersetzt werden. Aber ein Kollege, Eric Topol, hat das einmal so schön beschrieben: "Geben Sie den Ärzten ihre Zeit zurück." Er hat festgestellt, dass sich in den letzten Jahrzehnten die Zeit, die Mediziner mit einem Patienten verbringen, mehr als halbiert hat. Ich glaube, jetzt ist es gerade bei sechs Minuten in den USA. Mithilfe einer KI, die zum Beispiel die Briefe schreibt, könnten sie wieder mehr Zeit mit den Patienten verbringen. 

Ist das nicht auch ein Datenschutzproblem, meine Patientendaten bei Sprachmodellen wie ChatGPT hochzuladen?

Theis: Daten in der Cloud zu speichern, ist keineswegs ein Datenschutzproblem. Das Problem liegt eher in der Weitergabe. Es gibt aber auch Versionen, wo die Daten nicht für Training der Modelle weiterverwendet werden. In der Regel sind die kostenpflichtig oder haben überhaupt keinen Internetzugang. 

Ich versuche wirklich jeden zu motivieren: Spielt mit den Modellen. Probiert aus, was die liefern. Da sind viele Ideen und Kreativität, die einen stark unterstützen können. Seitdem es das Internet gibt, gibt es Dr. Google. Und das jetzt ist noch mal eine noch größere Hardcore-Version. Es ist gut, dass KI unsere Mediziner unterstützen können. Aber wir werden dadurch auch selbst ermächtigt.

*Der DLD wird vom Verlagshaus Burda veranstaltet, zu dem auch FOCUS online gehört.

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Классификация: Наука. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 5. Информативность: 7. Источник: rss.focus.de.