Die AfD liegt in der Sonntagsfrage zur Bundestagswahl vor allen anderen Parteien. „Wie kann das sein?“, fragt sich unsere Autorin.
Der Beitrag Haben wir uns an die AfD gewöhnt? erschien zuerst auf Westdeutsche Allgemeine Zeitung.

Marie Wilken, funky-Jugendreporterin
Die Sonne scheint auf mein Bett. Ich stehe auf und putze im Bad meine Zähne. Anschließend gehe ich in die Küche, um zu frühstücken. Ich sitze am Tisch und öffne Instagram. Das Erste, was mir angezeigt wird, ist ein Beitrag der Tagesschau. Ich sehe die Sonntagsfrage zu den Bundestagswahlen. Die AfD liegt erstmals vor allen anderen Parteien. „Wie kann das sein?“, frage ich mich.
Gleichzeitig merke ich, dass ich vor ein paar Jahren noch anders reagiert hätte. Mit mehr Wut und Hoffnungslosigkeit. Ich bin, bitte versteht mich nicht falsch, enttäuscht über diese Umfragewerte. Sie machen mir auch sehr große Angst. Doch irgendwo schwirrt da ein „War ja klar, dass das irgendwann so sein wird“ in meinem Kopf herum.
Die AfD ist eine rechtsextreme Partei. In ihrem Wahlprogramm spricht sich die Partei gegen ein Anti-Diskriminierungssystem aus. Auch das Gendern möchten sie verbieten. Darüber hinaus möchten sie die „deutsche Leitkultur“ prägen, sind gegen Maßnahmen zur Bekämpfung von Desinformation und Hate Speech. Außerdem möchten sie die Angebote der Öffentlich-rechtlichen Medien einschränken. Die AfD ist also das genaue Gegenteil einer diversen und demokratischen Partei.
In den letzten Jahren hat die AfD immer mehr an Popularität gewonnen. Die Politikerinnen und Politiker der AfD äußern sich in einer Weise, die vor ein paar Jahren noch unvorstellbar war. Die Grenzen dessen, was öffentlich gesagt wird, verschieben sich. Es ist schon fast normal geworden, etwas Menschenfeindliches von einem Politiker der rechten Partei zu hören.
Durch die großen Anhängerzuwachs der AfD wird inzwischen auch mehr über die Partei berichtet. Am Anfang versuchten die Medien noch, die Berichterstattung über die Alternative für Deutschland klein zu halten. Dies war damals auch gut begründbar, schließlich interessierte sich nur ein kleiner Teil der Gesellschaft für die Inhalte der Partei . Mittlerweile sieht das anders aus. Die AfD gehört zu den größten Parteien des Landes.
Es ist wichtig, über alle Parteien zu sprechen. Auch wenn uns manche Meinungen nicht gefallen. Das ist aber auch ein Grund, warum die AfD immer präsenter in den Medien wird, auch Wahlsendungen laden entsprechende Politikerinnen und Politiker ein. Dort können sie ihre Meinungen und Inhalte vertreten – wieder ein Moment, in dem wir mit der AfD in Berührung kommen, und der es normalisiert, Rechtsextremen zuzuhören.
Vor allem bei Wahlsendungen fällt die kontroverse Meinung der Alternative für Deutschland auf. Man könnte meinen, dass dieses Auftreten die Menschen eher von der AfD abrücken lässt. Doch genau das Gegenteil passiert. Viele Menschen in Deutschland sind unzufrieden. Das zeigen sie durch so genanntes „Protest-Wählen“. Sie wählen also nicht das, was sie gut finden, sondern das, was sich anders anhört als der Rest. Ob das die beste Taktik für einen demokratischen und sicheren Staat ist, ist kritisch zu hinterfragen.
Der Eindruck entsteht, als würde sich die Weltpolitik schneller verändern als wir darauf reagieren können. Die Politik in Deutschland nimmt eine sehr ähnliche Abzweigung. Es muss weiter aufgeklärt werden, welche Werte die AfD vertritt. Und man muss darauf hoffen, dass der Großteil der Menschen eben doch nicht menschenfeindlich ist.
Wir alle sind gefragt, die Weichen der nationalen Politik in Richtung Demokratie zu stellen. Die AfD mag die meisten Stimmen bei Umfragen haben, sie hat aber noch nicht die Mehrheit. Das darf auch nicht passieren – deshalb müssen wir laut bleiben.
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