Die Belastung der Wyna mit Pestizid im vergangenen Oktober löste eine Debatte über den Gewässerschutz im Aargau aus. Der Regierungsrat sieht sich mit Forderungen einiger Grossräte konfrontiert, hält aber nicht alle für umsetzbar.

Bild: Daniel Vizentini
Eine massive Belastung: Im Januar wurde der Grenzwert des Pestizids Deltamethrin in der Wyna bei Beromünster LU um das 4200-fache überschritten .
Verursacht wurde das Ganze vermutlich durch das Besprühen von Rapsfeldern . Das Pestizid gelangte in das kleine Flüsschen. Als die Ergebnisse der Wasserproben, die im vergangenen Herbst entnommen wurden, im Januar an die Öffentlichkeit kamen, ging die mediale Aufmerksamkeit weit über die Kantone Luzern und Aarau – durch welche die Wyna fliesst – hinaus.
Auch die Politik griff das Thema auf. Matthias Betsche, Grossrat der GLP und Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, wandte sich kurz nach Bekanntwerden mit einer 19 Fragen umfassenden Interpellation an den Regierungsrat . In der Begründung machte Betsche deutlich, dass die Belastung der Wyna kein isolierter Sonderfall ist. «Nationale Studien zeigen, dass Schweizer Fliessgewässer regelmässig mit Pestizid-Cocktails belastet sind», erklärte er. Gerade kleinere und mittelgrosse Gewässer seien besonders oft betroffen, würden aber kaum überwacht.
In seiner Antwort vom 1. April räumte der Regierungsrat ein, dass im Kanton Aargau tatsächlich nur zwei Flüsschen mittels Langzeitmonitoring überwacht werden – der Küntenerbach in Künten seit dem Jahr 2018, der Möhlinbach in Zeinigen seit 2019. Und zwar als Teil des nationalen Monitorings in Zusammenarbeit mit dem Bund. Beim kantonalen Monitoring werde jährlich jeweils ein grösseres Gewässer und dessen Einzugsgebiet in einem Zeitraum von zwei Wochen überprüft.
Betsche und zehn Mitunterzeichnende der Interpellation fragten auch nach, wie der Austausch der Kantone funktioniere, wenn es zur Belastung eines Fliessgewässers komme, das eine Kantonsgrenze überschreitet. Offenbar waren die Informationen des Kantons Luzern im Fall der Wyna nämlich nur spärlich nach Aarau durchgesickert. Zwar erklärte der Regierungsrat: «Die Kantone Luzern und Aargau pflegen eine gute Zusammenarbeit.» Er räumte aber ein: «Über die hohe Konzentration von Deltamethrin in der Wyna im Herbst 2025 hatte der Kanton Luzern den Kanton Aargau vor Bekanntwerden der Belastung durch die Presse nicht informiert.»

Archivbild: Britta Gut
Der Interpellation liessen die elf Grossrätinnen und Grossräte von GLP, Grüne, SP, EVP, FDP und Die Mitte am 28. April ein Postulat betreffend Gewässerschutz und Verbesserung von Frühwarnsystemen folgen. In diesem richteten sie drei Forderungen zur Prüfung und Abklärung an den Regierungsrat. Erstens, wie bei akuten, aber auch chronischen Belastungen eines Gewässers verbindliche Abläufe zur Ursachenabklärung sichergestellt werden können. Ausserdem, wie die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen verbessert werden kann. Und drittens, wie das bestehende Monitoring ergänzt werden kann, um Belastungsspitzen besser erfassen und deren Ursachen identifizieren zu können. Das kommt der Forderung nach der Einrichtung eines Frühwarnsystems für alle Gewässer im Kanton gleich.
So reagiert der Regierungsrat: «Die Überprüfung und Überarbeitung des Monitorings ist Teil der Wasserstrategie.» Dabei sollen regionale Akteure und Gemeinden einbezogen werden, um konkrete Massnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Allerdings nehme der Turnus des kantonalen Monitorings durch alle Einzugsgebiete zehn Jahre in Anspruch.
Daher sei die Forderung nach einem effektiven Frühwarnsystem von Belastungsspitzen im 3000 km langen Gewässernetz des Aargaus nicht umsetzbar. Das aktuelle Monitoring sei aber auch «bei allen Akteuren sehr gut akzeptiert». Genannt werden etwa der Bauernverband, der Fischereiverband, die Abwasserverbände und die kantonalen Fachstellen.
Zum interkantonalen Austausch von Daten heisst es: «Noch nicht vollständig etabliert ist die Kommunikation und Darstellung der Daten.» Vorgesehen sei jedoch die Kommunikation via Internetplattformen. Auch könnte eine interkantonale Datenablage den Austausch zwischen den Kantonen zeitnah und zuverlässig gestalten. Der Regierungsrat sei bereit, die Mitarbeit an einer solchen Datenbank zu prüfen.
Die Mitwirkung im Rahmen bereits laufender Projekte auf kantonaler oder nationaler Ebene könnte bei grenzüberschreitenden Gewässern die Früherkennung problematischer Substanzen fördern. Der Regierungsrat räumt ein: «Die Zusammenarbeit und die aktive Kommunikation zwischen den Kantonen könnte weiter gestärkt werden.»
Zum Abschluss heisst es: «Der Regierungsrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.» Es gelte jedoch eine Umsetzungsfrist von zwei Jahren.