Die EU importiert fast alle Zukunftsrohstoffe aus dem Ausland – und ob sich der Abbau eigener Vorkommen lohnt, ist weitgehend ungeklärt.
Stand: 16.07.2026, 05:09 Uhr
Von: Christoph Gschoßmann
Die EU importiert fast alle Zukunftsrohstoffe aus dem Ausland – und ob sich der Abbau eigener Vorkommen lohnt, ist weitgehend ungeklärt.
Frankfurt – Kobalt für Batterien, Germanium für Halbleiter, Seltene Erden für Windräder und Waffensysteme – ohne diese Rohstoffe steht Europas Zukunft auf wackligen Beinen. Doch die EU bezieht fast all diese Materialien aus dem Ausland. Und das könnte so bleiben: Die Europäische Union droht, ihre selbst gesteckten Ziele für eine unabhängigere Rohstoffversorgung zu verfehlen. Das zeigt eine neue Studie des ifo Instituts, die am Dienstag (14. Juli 2026) veröffentlicht wurde.

Die Zahlen sind ernüchternd: Von 27 untersuchten kritischen Rohstoffen kommt die EU bei gerade einmal vier auf einen Förderanteil von mehr als fünf Prozent an der weltweiten Produktion. Bei neun Rohstoffen liegt der eigene Beitrag bei null. Rohstoffe für Batterien, Halbleiter, erneuerbare Energien und die Verteidigung muss Europa damit fast vollständig einführen.
Dabei hat die EU mit dem Critical Raw Materials Act klare Ziele gesetzt: Bis 2030 soll ein bestimmter Anteil der Rohstoffe in Europa selbst gefördert, verarbeitet und recycelt werden. Doch die ifo-Studie zeigt: Der Weg dorthin ist weit – und die Zeit läuft.
Ifo-Forscherin Isabella Gourevich übt scharfe Kritik: „Europa sollte bereits heute stabile Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern aufgebaut haben und eigene Vorkommen systematisch erschließen, bisher gibt es aber kaum mehr als Absichtserklärungen und zu viele Unklarheiten.“
Zwar hat die EU in den vergangenen Monaten Handelsabkommen mit Australien und Indonesien abgeschlossen, die auf Rohstofflieferungen abzielen. Australien sagte zu, Zölle auf Rohmaterialien zu senken und auf Exportbeschränkungen zu verzichten; mit Indonesien einigte man sich laut Angaben aus Brüssel auf eine Vorzugsbehandlung. Doch das reicht laut Gourevich nicht: „Die EU sollte ihre Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern jetzt durch konkrete Projekte und Finanzierungszusagen unterlegen, Ankündigungen reichen nicht mehr.“
Grundsätzlich wäre es möglich, in Europa eigene Verarbeitungskapazitäten aufzubauen und mittelfristig auch eigene Vorkommen zu erschließen – die Studie nennt eine Reihe bislang ungenutzter Lagerstätten. Das Problem: Ob sich deren Abbau wirtschaftlich lohnt, ist laut den Forschern weitgehend ungeklärt.
Die europäische geologische Rohstoffdatenbank MIN4EU hat erhebliche Lücken. In Deutschland etwa stellt nur Baden-Württemberg detaillierte Daten zu Lagerstätten und Bergbaustandorten bereit. Und selbst wenn heute gehandelt würde, bräuchte es Zeit: „Auch hier muss die EU jetzt handeln, denn die Erschließung einer Mine dauert bis zu 18 Jahre“, sagt Gourevich. (Quellen: ifo Institut, Europäische Kommission) (cgsc)
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