Lenovo zieht Konsequenzen aus dem schwächelnden XR-Markt und richtet sein Innovationsgeschäft auf KI-Wearables aus.
Lenovo richtet sein Geschäft mit Zukunftstechnologien offenbar neu aus. Das Unternehmen soll seine auf Geschäftskunden ausgerichtete XR-Abteilung in den USA aufgelöst haben und will sich nach eigenen Angaben künftig stärker auf KI-Wearables für Verbraucher konzentrieren.
Der Brancheninsider Antony Vitillo berichtet unter Berufung auf eine anonyme Quelle, dass Lenovo den Großteil der Mitarbeiter seiner US-amerikanischen XR-Abteilung entlassen hat. Einige konnten innerhalb des Konzerns auf andere Stellen wechseln. Wie viele Beschäftigte insgesamt betroffen sind, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Lenovo dementiert die Gerüchte nicht, erklärt jedoch, dass das Unternehmen derzeit mehr Marktdynamik und eine stärkere Nachfrage bei KI-fähigen Wearables als XR-Produkten sehe. „Deshalb verlagert Lenovo den Schwerpunkt von einer auf Geschäftskunden ausgerichteten XR-Strategie unter der Marke ThinkReality hin zu einem stärker auf Verbraucher ausgerichteten Ansatz innerhalb von Motorola“, sagt ein Lenovo-Sprecher in Vitillos Bericht.
Die Neuaufstellung soll Lenovos Geschäft mit verbraucherorientierten KI-Wearables bündeln und das Zusammenspiel von KI-PCs, Tablets, Smartphones und tragbaren Geräten im KI-Bereich verbessern, heißt es weiter. Auch wenn die Entlassungen nur eine regionale Abteilung betreffen, sprechen die Bedeutung des US-Geschäfts und der Wortlaut der Stellungnahme für einen umfassenderen Strategiewechsel.
Die neue Produktstrategie dürfte auch KI-Brillen umfassen. Auf der CES 2026 stellte Lenovo bereits ein entsprechendes Konzept vor: eine smarte Brille, die sich drahtlos mit Smartphones oder PCs verbinden lässt und Sprachsteuerung, Telefonie, Musikwiedergabe, einen Teleprompter, Live-Übersetzungen und Bilderkennung bieten soll. Lenovos Stellungnahme legt nahe, dass die Brille unter der Marke Motorola erscheinen könnte, sofern das Konzept denn zur Marktreife gelangt.
Dass Lenovo seine XR-Bemühungen vorerst zurückfährt, kommt nicht überraschend. Die Nachfrage nach XR-Headsets ist seit dem Ende der Pandemie stetig gesunken. Selbst Marktführer Meta hat dieses Jahr einen Teil seiner Investitionen vom Metaverse in Richtung KI-Brillen verlagert, mit weitreichenden Folgen für die gesamte Branche.
Lenovo ist seit mehr als zehn Jahren im XR-Bereich aktiv und zählt zu den experimentierfreudigsten Unternehmen der Branche. Mit der 2019 eingeführten Marke ThinkReality baute der Konzern ein umfassendes Ökosystem aus Hardware und Software für Unternehmenskunden auf. Lenovo war auch an der Entwicklung und Fertigung der PC-VR-Brille Oculus Rift S beteiligt und hätte mit Meta ein auf Produktivität ausgerichtetes Mixed-Reality-Headset auf Basis von Horizon OS herausbringen sollen. Meta legte die Initiative Ende 2025 auf Eis, sodass das Produkt nie auf den Markt kam. Trotz dieses Rückschlags investiert Meta weiter in VR und arbeitet derzeit an zwei neuen Headsets.
(tobe)
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