KI-Firmen sind wenig dafür bekannt, auf geistiges Eigentum zu achten. Nachdem OpenAI viele Mitarbeiter von Apple abgeworben hat, klagt der Konzern. Zu Recht?
Bei Apple dürfte es zuletzt intern gebrodelt haben: Mehr und mehr Mitarbeiter aus dem berühmten Designteam des Konzerns, aber auch diversen weiteren Abteilungen von Hard- bis Software, gingen in den vergangenen Jahren zu OpenAI, wo mit Jonathan „Jony“ Ive, Evans Hankey oder Tang Tan bereits wichtige Ex-Kollegen arbeiteten. Hunderte Personen sollen es zuletzt gewesen sein.
Mac & i-Redakteur Ben Schwan schreibt seit 1994 über Technikthemen und richtet sein Augenmerk mittlerweile insbesondere auf Apple-Geräte. Er mag das Design von Mac, iPhone und iPad und glaubt, dass Apple nicht selten die benutzerfreundlicheren Produkte abliefert. Immer perfekt ist die Hard- und Software-Welt aus Cupertino für ihn aber nicht.
Im Gegensatz zu den zahllosen Abgängen aus Apples lange in schwerem Fahrwasser befindlicher KI-Abteilung betrafen und betreffen die Personalien in Richtung des ChatGPT-Konzerns die zentralsten Bereiche des iPhone-Herstellers. Schließlich ist gute Hardware mit gutem Design dessen Hauptgeschäft. Und beides strebt man nun bekanntermaßen auch bei OpenAI an, hat dafür Milliarden für Ives Firma io Products in die Hand genommen.
Die Sam-Altman-Jony-Ive-Kombination hat es zwar bis dato immer noch nicht geschafft, ein erstes eigenes KI-Gadget zu präsentieren – zuletzt hieß es gar, es könne schlicht ein Smartphone sein –, doch in Sachen Abwerbung von Apple-Mitarbeitern lief es wie geschmiert. Apple konnte und wollte sich das alles offenbar nicht länger gefallen lassen und es kam in der vergangenen Woche, augenscheinlich nach Monaten des internen Leidens, zum Paukenschlag: Der iPhone-Konzern reichte eine dicke Klage gegen OpenAI sowie zwei Ex-Mitarbeiter direkt (darunter Tan) ein – wegen des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen im Rahmen der Ab- und Anwerbeaktionen durch Ive und Team. Und dabei, so behauptet es zumindest Apples Klageschrift, ging es offensichtlich turbulent zu.
So sollen Tan & Co. die Kandidaten nicht nur gebeten haben, Apple-Bauteile ins Bewerbungsgespräch mitzubringen (was angesichts von Apples Sicherheitsprotokollen geradezu unerhört daherkommt), die OpenAI-Mitarbeiter sollen ihren Neukollegen sogar Tipps gegeben haben, wie sie in Apples Ausgangsbefragungen für Mitarbeiter, die gekündigt haben (Exit Interview), am besten durch die Sicherheitsüberprüfungen kommen. Neben Tan soll dieses Prinzip der ehemalige Apple-Ingenieur Chang Liu vorangetrieben haben, behauptet der iPhone-Konzern. OpenAI habe unter anderem Informationen zu noch nicht veröffentlichten Geräten, Herstellungsprozessen, Lieferantenbeziehungen und Komponentenplänen von den Neumitarbeitern sehen wollen.
OpenAI will das alles weder gewusst noch angeleitet haben und weist die Vorwürfe entschieden von sich, wenn auch zunächst mit nur wenigen Worten. Sein Unternehmen habe, so Sprecher Drew Pusateri auf X, kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Firmen. „Wir konzentrieren uns darauf, innovative Technologien zu entwickeln, die Menschen überall auf der Welt neue Möglichkeiten eröffnen.“ Bei Apple hingegen sieht man bei OpenAI eine Art Kultur des Diebstahls. Solches Fehlverhalten werde „normalisiert“ und seitens der Unternehmensführung gar zum Beispiel gemacht. „Soviel ist klar: Auf allen Ebenen – von den Mitarbeitern der technischen Abteilung bis hin zum Chief Hardware Officer – hat OpenAI Geschäftsgeheimnisse und vertrauliche Informationen von Apple gestohlen“, heißt es in der Klage.
Mehr als 400 Mitarbeiter soll OpenAI von Apple mittlerweile abgeworben haben. Das nun angestoßene Verfahren könnte sich über Jahre hinziehen. Interessanterweise soll OpenAI selbst zuletzt eine Klage gegen Apple erwogen haben: Wegen der Tatsache, dass ein Deal, ChatGPT in die Betriebssysteme zu integrieren, bislang offenbar erstaunlich wenig gebracht hat. Intern wurde dann allerdings beschlossen, das Verfahren nicht weiterzuverfolgen. Ob es jetzt erneut aus der Kiste geholt wird, bleib abzuwarten. Nach Apples großem Aufschlag wird in den kommenden Wochen mit einer größeren Reaktion von OpenAI gerechnet.
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(bsc)
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