Seit mehr als 60 Jahren sinken die Kosten für den Transport von Nutzlast ins All. Laut einer Analyse gibt es in der Geschichte keine vergleichbare Entwicklung.
Die Kosten für den Transport von Nutzlast ins Weltall sind seit 1960 um 96 Prozent gefallen und könnten in den nächsten 14 Jahren um weitere 90 Prozent sinken. Das haben zwei Forscher von der University of Cambridge und dem Polytechnikum Turin ermittelt, die von einer geradezu historischen Entwicklung sprechen. Ihren Zahlen zufolge übertrifft die Rate gar die enorme Kostenreduzierung der Frachtbeförderung per Dampfschiff im 19. Jahrhundert und sogar den noch drastischeren Preisverfall bei Photovoltaik. Letzterer gelte als Maßstab für die rasche Erschwinglichkeit einer transformativen Technologie. Wenn der Transport ins All tatsächlich weiterhin so viel günstiger werde, könnte das die Entwicklung ganz neuer Industrien im Weltraum ermöglichen, schreiben die beiden: Der Weltraum werde zum Marktplatz.
Nutzlastaufkommen zieht erst seit wenigen Jahren anDarstellung der fallenden Kosten
(Bild: University of Cambridge)
Mitten im Weltraumrennen zwischen den USA und der Sowjetunion habe es 1960 noch mehr als 87.000 US-Dollar gekostet, ein Kilogramm Nutzlast ins All zu schießen, rechnen die beiden Ökonomen vor. Dieser Preis sei innerhalb eines Jahrzehnts auf rund 20.000 US-Dollar gesunken, dann habe der Preisverfall aber aufgehört. Erst nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Kalten Kriegs konnte der Preis demnach weiter gesenkt werden – auf etwa 9000 US-Dollar im Jahr 2015. Im vergangenen Jahr habe der Transport eines Kilogramms im Schnitt noch 3868 US-Dollar gekostet, bis 2030 soll er auf 1569 fallen. 2040 könnte ein Kilogramm Nutzlast sogar nur noch 273 US-Dollar kosten, prognostizieren die beiden. Die Kosten fallen demnach schneller als während der großen Transportrevolution vor 200 Jahren.
Das zuletzt angestiegene Transportaufkommen, inklusive Prognose
(Bild: University of Cambridge)
Für den dramatischen Preisverfall ist SpaceX hauptverantwortlich. Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk startet alle paar Tage eine Rakete des Typs Falcon 9, von der große Teile wiederverwendet werden können. Auf SpaceX entfallen laut der Analyse etwa 80 Prozent der weltweit ins All transportierten Nutzlast. Diese Dominanz sei mit der der britischen East India Company in den 1820er Jahren vergleichbar. Ist das Volumen der weltweit ins All gestarteten Nutzlast zwischen 2019 und 2020 noch um 4 Prozent gestiegen, seien es danach 31 Prozent pro Jahr gewesen. Das fällt aber nicht mit der Einsatzbereitschaft der Falcon 9 zusammen – die wird seit 2017 gestartet und wiederverwendet – sondern mit dem Aufbau des Satelliteninternets Starlink. SpaceX transportiert also weiterhin hauptsächlich firmeneigene Nutzlast.
Wurden im vorigen Jahr insgesamt noch 4900 Tonnen Nutzlast ins All geschossen, wird sich die Kapazität bis 2030 auf 9100 Tonnen verdoppeln, schreiben die beiden. „SpaceX allein könnte diese mit 80 Flügen seiner neuen extrem schweren Rakete Starship schaffen“, meint Alessio Terzi von der Universität Cambridge. Die ist aber noch nicht einsatzbereit und wird weiterhin erprobt. Ob in vier Jahren mehr als eine davon mit wertvoller Nutzlast ins All gestartet werden kann, ist derzeit vollkommen unklar. Terzi schätzt aber noch, dass 2040 jährlich sogar 32.000 Tonnen in den Weltraum geschickt werden könnten. „Die rasch sinkenden Startkosten könnten den Weg für die Besiedlung des Weltraums ebnen“, sagt er noch und klingt damit etwas nach Elon Musk. Die Analyse wurde im Fachmagazin PNAS Nexus veröffentlicht.
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(mho)
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