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So schützen Sie Ihre Kinder vor Grooming

Дата публикации: 06-06-2026 07:51:00

Kinder und Jugendliche erleben online sexuelle Belästigung. So können Eltern ihre Kinder schützen und sicher begleiten.

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Sexuelle Belästigung im Internet

Das Internet ist für Kinder besonders gefährlich. So schützen Sie sie.

Foto: mrs / Getty Images

06.06.2026, 09:51 Uhr

Andy Voß

Lea Peters (ECPAT Deutschland)

Kinder und Jugendliche erleben online sexuelle Belästigung. So können Eltern ihre Kinder schützen und sicher begleiten.

Lea Peters ist Referentin bei

ECPAT Deutschland e.V.

, einem Netzwerk zur Bekämpfung sexueller Ausbeutung von Kindern. In diesem Ratgeber gibt Peters Tipps dazu, wie Eltern ihre Kinder vor sexueller Belästigung im Netz schützen können.

Roblox, Fortnite & Co.: Diese Gefahren lauern in Games

Bildschirme sind aus der Welt unserer Kinder nicht wegzudenken. Ob Tablet, Laptop oder Smartphone, der Wunsch, auch digital "dabei zu sein", entsteht spätestens, wenn die Klassenkameradinnen und Klassenkameraden die ersten Handys in die Schule bringen. Laut aktuellen Studien spielen 85 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren zumindest gelegentlich Video-, Computer- oder Online-Spiele. Bei den jüngeren (zehn bis zwölf Jahre) sind es sogar 91 Prozent. Besonders Games wie "Roblox" haben dabei eine extreme Anziehungskraft, gut ein Drittel der Nutzerinnen und Nutzer sind hier 13 Jahre oder jünger.

Deshalb ist es heute längst nicht mehr nur der Schulweg, Spielplatz oder das soziale Umfeld, wo der Nachwuchs auf gefährliche Personen treffen kann. Straftäter und Straftäterinnen nutzen Gaming-Plattformen gezielt als ersten Kontaktpunkt zu Kindern und Jugendlichen. Welche Gefahren hier lauern und wie Eltern kleine Gamer schützen können, zeigt Lea Peters, Expertin für Kinderschutz und Referentin bei der Kinderrechtsorganisation ECPAT Deutschland.

Cybergrooming & Co.: Diese Gefahren lauern in beliebten Online-Games

Digitale Welten erschaffen, auf Abenteuermission gehen und gemeinsam gegen böse Gegner kämpfen. Klingt nach Fantasie, Teamwork und Spaß. Die meisten beliebten Online-Games wie "Roblox", "Fortnite" oder "Minecraft" haben aber auch eine Chat-Funktion, die das gemeinsame Spielen mit Freunden, aber eben auch fremden Playern ermöglicht.

"Game-Chats sind eine einfache Möglichkeit für Täter, mit Minderjährigen in Kontakt zu treten. Künstliche Intelligenz (KI) macht es ihnen leicht, sich als Gleichaltrige auszugeben und über das gemeinsame Interesse fürs Gaming Vertrauen aufzubauen", warnt Lea Peters. Sie ergänzt: "Erwachsene Täter nutzen die Anonymität von Online-Games für ihre Zwecke aus. Hinter witzigen User-Namen können sich gefährliche Personen verbergen." Was genau kann in virtuellen Gesprächen passieren?

  • Cybergrooming: Sprechen erwachsene Täter Kinder und Jugendliche im Netz gezielt an, um Vertrauen aufzubauen und dann sexuelle Inhalte oder Handlungen zu erzwingen oder zu manipulieren, nennt man das Cybergrooming. Es handelt sich um einen Prozess, bei dem es zunächst nur ums Schreiben geht, später dann jedoch auch um intime Gespräche, anzügliche Bilder und Nacktfotos oder sogar persönliche Treffen.
  • Sextortion: Das Wort Sextortion setzt sich zusammen aus "Sex" und "Extortion" (Englisch für Erpressung). Wie beim Cybergrooming startet alles oft mit scheinbar harmlosen Gesprächen über den Chat. Die Täter wirken nett und interessiert, bauen Nähe auf und machen (falsche) Versprechungen. Dann fordern sie intime Bilder und nutzen die Aufnahmen zur Erpressung. In manchen Fällen braucht es gar keine echten Fotos, denn sogenannte Deep Fakes, also mit KI erstellte Bilder der Minderjährigen, sind mittlerweile so überzeugend, dass sie ausreichen, um die Kinder und Jugendlichen unter Druck zu setzen. Mit der Drohung, das Material zu veröffentlichen, erpressen die Täter so weitere Bilder oder Geld.

Red Flags: So erkennen Kinder Warnzeichen in Online-Games

Werden Kinder selbstständig und beginnen, alleine erste Schritte in der Welt zu machen, müssen sie wissen, welche Gefahren ihnen begegnen können. Gleiches gilt für die ersten virtuellen Erlebnisse. "Auch in Online-Games gibt es eindeutige Warnsignale, die Kinder und Jugendliche kennen sollten", so ECPAT-Referentin Peters. Bei diesem Verhalten sollten sie in Online-Games hellhörig werden:

  • Eine fremde Person versucht im Chat schnell Vertrauen und Nähe aufzubauen.
  • Jemand macht viele Komplimente oder ist großzügig mit virtuellen Geschenken.
  • Ein Gesprächspartner versucht, Geheimnisse herzustellen, und sagt Sätze wie: "Das darfst du aber niemandem erzählen!" oder "Das bleibt unter uns, okay?"
  • Jede Form von Druck und Erpressung, etwa mit Sätzen wie: "Andere machen das auch!" oder "Wenn du das nicht machst, bist du peinlich."
  • Jemand fragt nach intimen Aufnahmen oder Nacktbildern oder verschickt sie. Egal ob es sich um scheinbar Gleichaltrige handelt.

Was Eltern tun können: Vertrauen und Gespräch statt Verbote und Kontrolle

"Verbote führen nur dazu, dass Kinder heimlich spielen und sich im Ernstfall nicht an ihre Eltern wenden", erklärt Peters. Besser ist es, sie aktiv zu begleiten und zu sensibilisieren:

  • Wissen teilen: Mit Kindern über Risiken sprechen und ihnen vermitteln: Cybergrooming und Erpressung sind Straftaten. Sie tragen keine Schuld, wenn ihnen etwas passiert.
  • Zuhören und im Gespräch bleiben: Kinder selbst erzählen lassen, welche Spiele sie nutzen. Gezielte Fragen stellen und Interesse zeigen, statt alles kontrollieren zu wollen.
  • Technisch schützen: Gemeinsam die Privatsphäre-Einstellungen der Spiele prüfen: Nur Freunde dürfen Kontakt aufnehmen und das Geo-Tracking (Standortübermittlung) ausschalten.
  • Vertrauen schaffen: Klarstellen, dass Kinder jederzeit zu ihren Eltern kommen können. Außerdem: Beratungsstellen als weitere Anlaufpunkte aufzeigen, schon bevor etwas passiert ist.
  • Politik einbeziehen: Eltern können sich aktiv dafür stark machen, dass Gaming-Anbieter strengere Sicherheitsregeln einführen.

"Haben Täter Kontakt zu einer oder einem Minderjährigen aufgenommen, ist es wichtig, dass Eltern die Situation gemeinsam mit ihrem Kind aufarbeiten, die Straftat anzeigen und sich Hilfe suchen", rät die Expertin für Kinderschutz. Die wichtigsten Schritte im Überblick:

  • Nicht reagieren: Nie auf die Forderungen eingehen, am besten gar nicht reagieren.
  • Gemeinsam handeln: Eltern sollten nicht über den Kopf ihrer Kinder hinweg die nächsten Schritte planen, sondern mit ihnen gemeinsam. Ist es dem Kind lieber, sollte es immer die Möglichkeit bekommen, ohne seine Eltern mit Schutzpersonen, etwa bei Beratungsstellen, zu sprechen.
  • Beweise sichern: Chats per Screenshot sichern. Wurden bereits intime Bilder verschickt, sollten davon jedoch keine Aufnahmen gespeichert werden, da Eltern sich damit auch strafbar machen können.
  • Anzeige erstatten: Insbesondere bei Kindern unter 14 Jahren sind die meisten Annäherungen in Online-Games strafbar.
  • Melden und blockieren: Täter nach der Beweissicherung melden und blockieren. Das Melden ist sowohl über die Plattform selbst möglich als auch bei spezialisierten Meldestellen. "Die Polizei und unabhängige Beratungsstellen helfen Familien sowohl bei der Beweissicherung als auch beim Identifizieren der richtigen rechtlichen Schritte. Sie sind im Ernstfall immer eine gute Anlaufstelle", rät Peters.

Gemeinsam schützen

Mit dem Schritt in Online-Games ergeben sich auch neue Gefahren für Kinder und Jugendliche. Anstatt jedoch sämtliche Spiele zu verbieten und den Nachwuchs damit schlimmstenfalls sozial auszugrenzen, sollten Eltern ihr Kind begleiten, aufmerksam bleiben und Vertrauen schaffen. "Um mehr Awareness zu schaffen, haben wir eine Kampagne über TikTok und Instagram ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen verpacken wir das schützende Wissen hier genauso, wie sie es brauchen, um sich selbst sicherer im Netz zu bewegen", fasst Lea Peters zusammen.

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