Australiens strenges Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige zeigt bislang nur begrenzte Wirkung. Viele Jugendliche umgehen die Alterskontrollen.
Verkleidungen oder falsche Altersangaben reichen oft aus, um Social-Media-Sperren zu umgehen.
Foto: Anna Barclay / Getty Images
Australiens strenges Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige zeigt bislang nur begrenzte Wirkung. Viele Jugendliche umgehen die Alterskontrollen.
Australien wollte mit einem strengen Gesetz den Zugang von unter 16-Jährigen zu sozialen Netzwerken deutlich einschränken. Plattformen müssen seit Ende 2025 verhindern, dass Minderjährige Konten erstellen. Andernfalls drohen hohe Geldstrafen. Doch schon wenige Monate nach dem Start zeigt sich, dass viele Jugendliche die Alterskontrollen erfolgreich umgehen.
Der häufigste Weg ist zugleich der simpelste: Bei der Anmeldung geben viele Nutzerinnen und Nutzer einfach ein anderes Geburtsjahr an. Wer sich älter macht, kann sich auf einigen Plattformen weiterhin problemlos registrieren. Das liegt auch daran, dass manche Dienste noch immer auf die Selbstauskunft setzen. Komplexer wird es bei Plattformen, die das Alter mithilfe von Gesichtserkennung oder künstlicher Intelligenz prüfen. Dafür ist ein Selfie erforderlich, das anschließend ausgewertet wird. Australische Jugendliche berichten jedoch, dass sie mit Make-up, falschen Bärten oder anderen Verkleidungen versuchen, älter zu wirken.
Laut der "
Tagesschau" zeigte ein Schüler dem australischen Fernsehsender ABC, dass sich eine Altersprüfung sogar mit einem Foto von Michael Jackson überlisten ließ. Das System erkannte das Bild offenbar als Gesicht einer erwachsenen Person. Medienberichten zufolge sollen andere Minderjährige Fotos ihrer Eltern oder älterer Geschwister verwendet haben, um die
KIauszutricksen. Auch VPN-Dienste kommen zum Einsatz. Nach aktuellen Untersuchungen spielen sie bei der Umgehung der
Alterskontrollenjedoch eine deutlich kleinere Rolle als falsche Altersangaben oder manipulierte Gesichtsscans. Nicht alle Plattformen prüfen das Alter ihrer Nutzerinnen und Nutzer gleich streng. Während einige Anbieter ihre Kontrollen verschärft haben, reichen bei anderen weiterhin vergleichsweise einfache Methoden aus.
Eine aktuelle Studie der
University of Newcastlekommt zu dem Ergebnis, dass mehr als 80 Prozent der unter 16-Jährigen trotz des Verbots weiterhin soziale Netzwerke nutzen. Einen deutlichen Rückgang konnten die Forschenden bislang nicht feststellen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Gesetz gescheitert ist. Vielmehr verdeutlicht der bisherige Verlauf ein grundlegendes Problem digitaler Alterskontrollen. Solange Plattformen das Alter ihrer Nutzerinnen und Nutzer nicht zuverlässig feststellen können, bleiben viele Sperren angreifbar. Mit immer neuen Kontrollmethoden entstehen auch neue Möglichkeiten, sie zu umgehen. Australien gilt als
Vorreiterfür strengere Regeln im Internet. Deshalb beobachten viele Regierungen genau, wie sich das Modell entwickelt. Die ersten Monate zeigen jedoch vor allem, dass Jugendliche häufig kreative Wege finden, bestehende Hürden zu überwinden.