Das Whoop ist bei Sport-Influencer:innen und Profis beliebt, allerdings an ein teures Abomodell gekoppelt. Mit dem Fitbit Air hat Google eine Alternative für unter 100 Euro im Angebot. Kann das Armband mithalten? Wir haben es angelegt.
Mit fast 40 Jahren kickt die Midlife-Crisis hart. Zum Glück muss mittlerweile kein neuer Sportwagen mehr her, um seinem Lebenswandel Ausdruck zu verleihen. Heutzutage betreiben Frau und Mann Ausdauersport. Ich selbst habe 2025 nach einer „Kreisklassen-Karriere“ im Fußball zunächst mit einem Halbmarathon angefangen.
2026 sollte es nun der erste Triathlon sein. Und wenn man so etwas schon macht, dann auch richtig. Als Zahlen-Freak dürfen wichtige Werte zur Leistung und Erholung nicht fehlen. Die erhebt bei mir die Apple Watch. In den finalen Wochen der Vorbereitung und beim Wettkampf selbst habe ich aber auch das Fitbit Air getragen.
Grundsätzlich kann man das Fitbit Air mit dem Whoop-Armband vergleichen. Beide kommen ohne Display und sammeln Daten anhand vieler Sensoren. Beim zu Google gehörenden Tracker sind unter anderem ein Herzfrequenzmesser, Infrarotsensoren und ein Temperatursensor an Bord. Damit lassen sich neben der Herzfrequenz die Sauerstoffsättigung im Blut, aber auch die Hauttemperatur bestimmen. Wichtig zu wissen ist: Diese Datenerhebung sollte man nicht als Goldstandard sehen. So präzise wie mit medizinischen Geräten sind sie in der Regel nicht.
Im Gegensatz zum Whoop ist das Air schlanker, das Armband mit Klettverschluss wirkt nicht so hochwertig wie beim Whoop. Dafür zahlt man beim letztgenannten aber auch mindestens 199 Euro im Jahr fürs Abo. Die Hardware ist gratis. Bei Google ist es umgekehrt. 99 Euro werden fürs Armband fällig, aber man braucht nicht zwingend den Google Premium Health. Den Plan bietet das Unternehmen für 8,99 Euro im Abo an. Ohne bleibt der Zugriff auf den KI-Coach verwehrt, der Trainingspläne erstellen und Daten interpretieren soll. Als Unterbau dafür kommt Googles Gemini zum Einsatz.

Das Fitbit Air im Triathlon-Einsatz. Im Anschluss wurde der Wettkampf als simple Trainingseinheit erkannt. (Foto: t3n)

Der Coach kann auch Fragen auf Basis eurer Daten beantworten. (Screenshot: t3n)
Der KI-Coach ist es aber vor allem, was das Wearable für mich interessant macht. Ohne ist das Air schlicht ein Fitnesstracker. Auf seiner Shop-Seite bewirbt Google das Helferlein als Allzweckmesser für Sportler:innen. Das muss mir doch helfen, die letzten Prozente für den Wettkampf herauszukitzeln? Zunächst einmal spielt er mir aber eine Warnung aus. Der Ruhepuls in der Nacht war zu niedrig. Für Ausdauersportler:innen ist das jedoch nicht ungewöhnlich. Ähnliche Werte zeigt mir meine Apple Watch stetig an. Ein Hinweis an jeder KI-Meldung macht außerdem deutlich: Die Angaben vom Coach ersetzen keine medizinische Untersuchung. Wer sich nach so einer Meldung unsicher fühlt, sollte aber den Arzt oder die Ärztin seines Vertrauens aufsuchen.
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Danach erzähle ich ihm von meinem Vorhaben: Ich bin mitten in der Vorbereitung für eine olympische Triathlon-Distanz. Der Wettkampf war zum Start des Tests noch drei Wochen entfernt. Es stehen bis dahin noch ein, zwei Koppeleinheiten auf dem Programm, bei denen man nach einer Radfahrt den Übergang ins Laufen übt. Stichwort: Wackelbeine. Der Coach erstellt direkt Vorgaben für die Woche, die stetig angezeigt werden. Diese kann man erreichen, wenn man es nicht schafft, droht aber auch keine Strafrunde.
Was mir zunächst gut gefällt, ist, wie die KI Daten interpretiert. Weil ich als Allergiker im Frühjahr oft nur schlecht Luft bekomme, kann die App das mit Leistungsdaten in Verbindung setzen und erklärt mir auch, dass der Wert für meine Trainingsbereitschaft (der „Readiness-Score“) gerade trotz gut durchgeschlafener Nacht nicht auf dem Peak ist, weil ich eben erkennbar Atemprobleme habe. Auch mit der Aufdröselung der Schlafdaten und der Empfehlung für die Trainingsintensität kann der Coach bei mir punkten. Als ich dann aber mal beiläufig mitgebe, dass der Nacken Probleme macht, beißt sich der KI-Coach daran fest. Immer wieder rät er mir, ein „Nacken-Release“ in mein Workout einzuplanen, und ist davon bis heute nicht abzubringen. Statt wie Manuel Neuer die Wade, habe ich für Google offenbar den Nacken der Nation.
An anderer Stelle ist der Coach dagegen vergesslich. Zwar habe ich ihm das Wettkampfdatum mitgeteilt. Am Race-Day sieht er für mich aber nach wie vor eine Koppeleinheit vor. Gut, die mache ich schließlich auch. Aber Training ist das nicht mehr. Und während das Band Laufen und Radfahren problemlos selbstständig erkennt, klappt das beim Schwimmen nicht immer so gut. So bleibt es am Ende des Tages auch bei einer Koppeleinheit in der Auswertung, obwohl ich doch eine olympische Distanz gemacht habe.
Insgesamt wirkt die App analog zum Gerätenamen deutlich leichter als jene von Whoop. Anstatt Nutzer:innen mit Daten zu erschlagen, gibt es viele Erklärungen von der KI. Das ist einsteigerfreundlicher. Whoop bietet dafür viel mehr Daten auf einen Blick.

Googles Health-App kann mit zahlreichen Daten füttern. Aber sollte man das auch? (Screenshot: t3n)
Abseits davon könnt ihr über die App eine ganze Menge weiterer Daten erfassen. Dazu zählt etwa die Ernährung. Teilt dem Coach einfach mit, was ihr gegessen habt, und er erhebt die Nährstoffe automatisch. Alternativ fotografiert ihr einfach, was ihr auf dem Teller vor euch habt. Wie verlässlich die Angaben am Ende aber wirklich sind, ist schwer zu sagen. Einen Impact im Alltag habe ich dadurch nicht feststellen können.
Außerdem kann ich euch das Fitbit Air mithilfe des verbauten Vibrationsmotors aufwecken – entweder zur Wunschzeit oder in einem Zeitraum, dann angeblich passend zur Schlafphase. Das ist bei mir offenbar verlässlich 5:45 Uhr. Statt frisch habe ich mich aber immer eher gerädert gefühlt. Angst davor, zu verschlafen, weil der Akku nicht geladen ist, muss man nicht haben. Im Test lief das Air sechs bis sieben Tage am Stück. Danach musste es für circa 45 Minuten geladen werden.
Darüber hinaus könnt ihr der KI noch viel mehr mitteilen, darunter bekannte Erkrankungen, Schwangerschaften, Arztbesuche, und Impfungen. Auch mit Apple Health auf dem iPhone lässt sich der Dienst verbinden. Schon bei der Einrichtung heißt es in der App, die KI funktioniere umso besser, je mehr Daten sie zur Verfügung hat. Das klingt schlüssig. Eine andere Frage ist, ob man Daten, die man im Zweifel vielleicht nicht einmal in seiner digitalen Patientenakte stehen haben möchte, wirklich an Google übermitteln will. Um das Fitbit Air als Tracker zu nutzen, muss man aber nichts davon tun.
Als Sparringspartner hat sich Googles KI-Coach im Check häufig ganz gut geschlagen, Zahlen verständlich aufgeschlüsselt und wertvolle Infos gegeben. Wie mit allen Chatbots kann es aber zu Fehlern kommen, etwa weil der KI etwas aus dem Kontextfenster fällt oder sie andersherum eine Sache nicht vergessen will. Die Software ist aber ja auch ein kostenpflichtiges Extra, dass sich vor allem lohnt, wenn man ernsthaft trainieren, aber nicht sofort auf Profi-Level einsteigen will. Für Letztere gibt es Whoop mit teilweise viel tiefgreifenderen Daten. Das Fitbit Air richtet sich eher an jene, die mal beim Zehn-Kilometer-Lauf mitmachen wollen und sich nicht sofort für den Ironman anmelden.
Da das Armband kein Display hat, kann man allerdings im Training nicht nachvollziehen, wie schnell man gerade auf der Laufrunde unterwegs ist. Eine Sportuhr ist zusätzlich nötig. Wer allerdings nur Schritte und Schlaf tracken will, braucht sie nicht. Dafür reicht das Air auch ohne Abo vollkommen aus.
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