Der Tod eines 17-Jährigen in Berlin erschüttert. Gerade an Badeseen werden Gefahren oft unterschätzt – mit teils tragischen Folgen.
Der Tod eines 17-Jährigen in Berlin erschüttert. Gerade an Badeseen werden Gefahren oft unterschätzt – mit teils tragischen Folgen.
Der Tod eines 17-Jährigen an einer Berliner Badestelle macht mich betroffen. Mein Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und allen, die dieses tragische Ereignis miterleben mussten. Die genauen Umstände werden derzeit ermittelt. Trotzdem stellt sich für mich nach jedem tödlichen Badeunfall dieselbe Frage: Was können wir daraus lernen?
Als Meister für Bäderbetriebe und Technischer Betriebswirt (IHK) arbeite ich seit über 30 Jahren im Bäderbereich. Gerade jetzt im Sommer bin ich selbst regelmäßig an Badeseen unterwegs.
Dabei beobachte ich immer wieder, wie schnell Naturgewässer unterschätzt werden. Viele genießen verständlicherweise die Abkühlung, schwimmen aber weit hinaus, überschätzen ihre Kräfte oder verlassen sich darauf, dass in einer größeren Gruppe schon jemand anderes aufpasst. Genau diese vermeintliche Sicherheit kann gefährlich werden.
Ein See ist kein Schwimmbad. Es gibt keine klar abgegrenzten Bereiche, keine ständige Wasseraufsicht und oft schlechte Sicht unter Wasser. Kalte Wasserschichten, Wasserpflanzen, plötzlich abfallende Ufer oder ungewohnte Strömungen können selbst geübte Schwimmer überraschen.
Schwimmen zu können bedeutet deshalb nicht automatisch, in jedem Gewässer sicher zu sein. Das wird leider immer wieder unterschätzt.
Besonders nachdenklich macht mich, dass der Jugendliche nach Medienberichten mit einer größeren Gruppe unterwegs war. Ohne den konkreten Fall bewerten zu wollen, zeigt er aus meiner Sicht ein Problem, das ich seit Jahren beobachte. Viele glauben, eine große Gruppe bedeute automatisch mehr Sicherheit. Tatsächlich passiert häufig das Gegenteil. Jeder geht unbewusst davon aus, dass jemand anderes schon aufpasst. Am Ende fühlt sich niemand wirklich verantwortlich.
Hinzu kommt, dass Ertrinken meist ganz anders aussieht, als viele Menschen glauben. Es wird selten laut um Hilfe gerufen oder mit den Armen gewunken. Ein Mensch in akuter Not geht häufig still unter und wird deshalb oft erst spät bemerkt. Gerade an Badeseen, an denen viele Menschen gleichzeitig im Wasser sind, kann das fatale Folgen haben.
Aus meiner Sicht gibt es einige einfache Regeln, die jeder beherzigen sollte. Schwimmen Sie möglichst nur an ausgewiesenen Badestellen, gehen Sie nie alleine ins Wasser und achten Sie in einer Gruppe ganz bewusst aufeinander. Wer Alkohol getrunken hat oder sich körperlich nicht fit fühlt, sollte auf das Baden verzichten. Und wenn der Verdacht besteht, dass eine Person im Wasser in Not geraten ist, zählt jede Minute. Dann sollte ohne Zögern der Notruf gewählt werden.
Auch Eltern sollten mit ihren Kindern und Jugendlichen über die Besonderheiten von Naturgewässern sprechen. Respekt vor dem Wasser ist kein Zeichen von Angst, sondern von Verantwortung. Wer früh lernt, Risiken richtig einzuschätzen, schützt sich selbst und andere.
Jeder tödliche Badeunfall ist einer zu viel. Gerade weil ich seit mehr als 30 Jahren im Bäderbereich arbeite und selbst regelmäßig an Seen unterwegs bin, weiß ich, dass sich nicht jedes Unglück verhindern lässt. Ich bin aber überzeugt, dass viele Badeunfälle vermeidbar wären, wenn wir Naturgewässer mit mehr Respekt behandeln und wieder stärker Verantwortung füreinander übernehmen.
Wenn wir nach solchen tragischen Ereignissen nicht nur trauern, sondern auch unser eigenes Verhalten am Wasser hinterfragen, kann aus einem schmerzhaften Verlust vielleicht etwas entstehen, das künftig Leben schützt.
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