Die Deutsche Bahn erreicht bei der Pünktlichkeit erneut einen historischen Tiefstand. Der wachsende Druck auf Politik und Bahn nimmt weiter zu.
Die Deutsche Bahn erreicht bei der Pünktlichkeit erneut einen historischen Tiefstand. Der wachsende Druck auf Politik und Bahn nimmt weiter zu.
Im Juni erreichten nur 52,6 Prozent der Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn pünktlich ihr Ziel. Die neuen Pünktlichkeitsstatistiken der Bahn liegen damit nur knapp über dem historischen Tiefstand, der im Oktober 2025 mit nur 51,5 Prozent pünktlichen Zügen markiert wurde. Zu den pünktlichen Zügen zählt die Deutsche Bahn übrigens auch Züge, die bis zu sechs Minuten Verspätung haben, sodass die Dunkelziffer der verspäteten Fernverkehrszüge noch höher sein dürfte.
Als Grund nennt die Bahn die jüngste Hitzewelle Ende Juni. Hinzu kam ein bundesweiter Ausfall des Bahnverkehrs aufgrund veralteter Funktechnik. Für den historischen Pünktlichkeitstiefstand im Oktober 2025 hatte die Bahn damals den schlechten Zustand der Schieneninfrastruktur verantwortlich gemacht. Es bedarf keiner tiefgründigen Analyse, um zu erkennen, dass jetzt eine Kehrtwende in der deutschen Bahnpolitik nötig ist.
Martin Nebeling ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Verbandsfunktionär, der sich auf arbeitsrechtliche Beratung und Tarif- und Sozialplanverhandlungen spezialisiert hat. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Aktuell ist die Deutsche Bahn zwar ein privater Konzern, gehört aber zu 100 Prozent dem Staat. Als zentrale Verkehrsinfrastruktur ist die Bahn nicht nur Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge, sondern auch ein sicherheitsrelevanter Bereich und Wirtschaftsfaktor.
Grundsätzlich ist daher nachvollziehbar, dass viele Stimmen an dieser Stelle den Staat in Verantwortung sehen. Leider zeigt sich jedoch auch hier: Der Staat ist einfach nicht der bessere Unternehmer. Mehr noch: Wie der jüngste Totalausfall der Bahn beweist, ist unser Staat nicht in der Lage, eine sichere Infrastruktur zu bieten.
Hinzu kommt ein unverantwortlicher Umgang mit dem Geld der Steuerzahler. So musste die Bahn jüngst auch noch eingestehen, dass die Kosten für das Großprojekt Stuttgart 21 durch jahrelange Verzögerungen ein weiteres Mal explodiert sind. Statt unternehmerischer und sicherer Unternehmensführung sehen wir bei der Bahn also Leistungsdefizite und Missmanagement.
Der Vergleich mit der Wirtschaft hingegen beweist: Gerade in Deutschland haben wir – zum Beispiel in der Autoindustrie – Unternehmen, die konkurrenzfähig und verantwortungsvoll handeln. Diese Unternehmen gewährleisten durch hohe eigene Expertise und mit Unterstützung von nichtstaatlichen Prüfstellen wie dem TÜV gute Sicherheitsstandards und funktionieren wesentlich effizienter. Unternehmerische Exzellenz vereint Verantwortung und Gewinn. Wer eine gute und sichere Bahn möchte, braucht eine unternehmerische Bahn.
Kurzfristig sollte sich die Bahn für privatwirtschaftliche Akteure aus dem deutschen Hightech-Mittelstand öffnen, um unsere Schiene erst einmal grundsätzlich wieder fit zu machen. Auf lange Sicht aber führt kein Weg mehr an einer Privatisierung vorbei. Als kritische Infrastruktur ist sie zu wichtig, um weiterhin in der Hand eines Staates zu bleiben, der ihre Funktionsfähigkeit und Sicherheit nicht mehr gewährleisten kann.
Wer in die Geschichte Mittel- und Osteuropas nach dem Kommunismus blickt, weiß: Nach Jahrzehnten staatlicher Misswirtschaft kann nur noch unternehmerische Freiheit den Aufschwung bringen – auch wenn die Übergänge sich schwierig gestalten können.
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