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Acht Mediziner sind nicht genug: Neresheimer finden keinen Hausarzt

Дата публикации: 23-06-2026 13:00:00

Im August schließt die Praxis von Gerhard Fauser. Warum die Gemeinschaftspraxis im Ärztehaus nicht alle ihre Patienten übernehmen kann.

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Stand: 23.06.2026, 15:00 Uhr

Von: Bernhard Hampp

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Die Praxis im Ärztehaus Neresheim musste einen Aufnahmestopp verhängen.

Die Praxis im Ärztehaus Neresheim musste einen Aufnahmestopp verhängen. © Dagmar Oltersdorf

Im August schließt die Praxis von Gerhard Fauser. Warum die Gemeinschaftspraxis im Ärztehaus nicht alle ihre Patienten übernehmen kann.

Neresheim. In Neresheim stehen derzeit mehr als 500 Menschen ohne Hausärztin oder Hausarzt da. Grund: Die Allgemeinarztpraxis Gerhard Fauser stellt Ende August ihren Betrieb ein. Die Gemeinschaftspraxis Neresheim im Ärztehaus Heidenheimer Straße  – das einzige verbliebene hausärztliche Angebot der Stadt – hat in den ersten drei Tagen nach Bekanntgabe der Schließung rund 500 der 1000 Fauser-Patienten aufgenommen. Nun musste sie aber einen Aufnahmestopp verkünden.

Aufnahmestopp in Gemeinschaftspraxis

"Leider habe ich trotz intensiver Suche keinen Nachfolger gefunden", so Fauser, der nach 33 Jahren Praxistätigkeit aufhört. Reguläre Sprechstunden gibt es nur noch bis zum 31. Juli. Viele Patienten stehen damit vor einem Problem. Denn in der Gemeinschaftspraxis im 2015 eröffneten, modernen Ärztehaus, stehen zwar sieben – ab September sogar acht – Ärztinnen und Ärzte zur Verfügung. Dennoch kann man dort niemanden mehr aufnehmen. "Wenden Sie sich bei Fragen an die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg oder an Ihre Krankenkasse", heißt es auf der Praxis-Webseite.

Assistenten dürfen nicht abrechnen

Dr. Markus Winkler, der die Gemeinschaftspraxis führt, erklärt die Hintergründe: "Wir haben in Neresheim keinen Ärztemangel, sind aber quasi an die Kette gelegt", sagt er. Grund: Von den sieben Ärzten sind drei Teilhaber, zwei angestellte Fachärzte und zwei Weiterbildungsassistenten. Im September kommt ein weiterer Weiterbildungsassistent hinzu. Diese Weiterbildungsassistenten dürfen jedoch nicht der Grund für eine Vergrößerung der Praxis sein. "Das sind also keine Schüler, sondern das sind ausgebildete, kompetente Ärzte, die aber noch nicht die Ermächtigung zur Abrechnung haben", sagt Winkler. Abgerechnet wird also über die Inhaber der Praxis – und die dürfen nicht zu viele Patienten in ihren Listen stehen haben. Komme nämlich eine "zeitliche Plausibilitätskontrolle" der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zu dem Ergebnis, dass es hier Auffälligkeiten in der Abrechnung gebe, müsse die Praxis Honorar zurückzahlen.

KV: Nur im Rahmen der Kapazitäten

Die KV Baden-Württemberg weist dies zurück: "Es wäre mir nicht bekannt, dass Regelungen der KV es verhindern würden, dass eine Hausarztpraxis zusätzliche Patienten aufnimmt", schreibt deren Sprecher Kai Sonntag und fügt hinzu: "Klar ist aber, dass eine Praxis auch nur im Rahmen ihrer Kapazitäten behandeln kann."

Auch Kritik an gesetzlichen Kassen

Parallel wandte sich Winkler an die Krankenkassen, allen voran an den Marktführer AOK, um wenigstens eine Art Willkommenspauschale zu erwirken — eine einmalige Vergütung für den Erstaufwand bei der Aufnahme neuer Patienten. Sein Argument: Wer neu in die Praxis kommt, sollte eine gründliche Eingangsuntersuchung erhalten, er brauche einen vollständigen Medikamentenplan und eine sorgfältige Diagnoseführung. Eine sogenannte Check-up-Untersuchung ist im kassenärztlichen Bereich nur alle drei Jahre abrechenbar. "Kennenlern-Checks sind in der ambulanten Versorgung nicht vorgesehen", bestätigt Oliver Bayer, Pressesprecher der AOK Ostwürttemberg. "In unserem Hausarztprogramm, das parallel zur Regelversorgung existiert, sind Check Ups ab dem 35. Lebensjahr jährlich möglich", betont er jedoch. Von den betroffenen Patienten sei die große Mehrheit in diesem Hausarztprogramm eingeschrieben.

Angebot zur Telemedizin

Was sollen die Patientinnen und Patienten machen, die jetzt ohne Hausarzt dastehen? KV-Sprecher Sonntag rät ihnen "ihren Suchradius zu erweitern". "Hausarzttermine werden auch über die Terminservicestelle unter der 116117 der KV vermittelt, wenn dort welche gemeldet werden", so Sonntag weiter: "Und dann gibt es noch unser Telemedizinangebot docdirekt (docdirekt.de). Das kann den Hausarzt nicht ersetzen, aber es kann in Akutfällen helfen."

Bürgermeister Häfele kritisiert System

Das will Neresheims Bürgermeister Thomas Häfele so nicht akzeptieren: "Jeden Tag rufen bei mir aufgebrachte Bürger an und beschweren sich über die Gemeinschaftspraxis im Ärztehaus" – dabei könne die gar nichts für den Aufnahmestopp: Und das sei ja im Grunde wieder irgendwie ein politischer Fehler im System. 

Neresheim nicht mehr "grün"

Neresheim war im Landkreis stets grün markiert auf den Versorgungskarten — bestens versorgt. "Das könnte man weiterhin sein, aber aufgrund dieser Vorgaben der Kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenkasse sind wir es jetzt halt nicht mehr", so Häfele. Stattdessen müssen sich nun rund 500 Menschen einen Hausarzt außerhalb der Stadt suchen, etwa in Kirchheim oder noch weiter entfernt,

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