Weshalb sich Patrick Wende für das Priesteramt entscheidet – mitten in der Krise. Jetzt feiert der Heidenheimer Heimatprimiz in der Abteikirche in Neresheim.
Stand: 10.07.2026, 17:00 Uhr
Von: Ulrike Schneider

Weshalb sich Patrick Wende für das Priesteramt entscheidet – mitten in der Krise. Jetzt feiert der Heidenheimer Heimatprimiz in der Abteikirche in Neresheim.
Neresheim/Ravensburg. Die katholische Kirche steckt in einer tiefen Vertrauenskrise. Missbrauchsskandale, Kirchenaustritte und schwindende Bindung prägen das Bild. Trotzdem entscheidet sich Patrick Wende bewusst für den Weg ins Priestertum. An diesem Samstag weiht Bischof Dr. Klaus Krämer den 31-Jährigen, neben drei anderen Männern, in der Liebfrauenkirche in Ravensburg zum Priester. Einen Tag später feiert der in Heidenheim beheimatete Theologe seine Heimatprimiz im Kloster Neresheim.
Im Interview spricht Wende mit Redakteurin Ulrike Schneider über seine Berufung, den Zölibat, Zweifel und die Herausforderungen, vor denen die Kirche heute steht.
Warum wollen Sie ausgerechnet heute, in dieser Krise der katholischen Kirche, Priester werden?
Patrick Wende: Weil ich nicht Priester einer Krise werde, sondern Priester für Menschen. Weil man ein „brennendes Haus“ nicht löscht, indem man davorsteht und nur kritisiert. Ich werde nicht Priester, weil die Kirche perfekt ist – sondern weil sie Heilung, Wahrheit und Erneuerung braucht. Wer nur in guten Zeiten bleibt, glaubt nicht wirklich an seine Berufung. Die Dunkelheit ist für mich kein Grund wegzugehen – sie ist ein Grund, Licht hineinzutragen. Wenn nur perfekte Menschen Kirche gestalten dürften, wäre sie seit 2000 Jahren leer.
Können Sie sich noch an den Moment erinnern, in dem Ihnen zum ersten Mal der Gedanke kam: Ich könnte Priester werden?
Wende: Es war kein dramatischer Moment mit einer Stimme vom Himmel. Es war eher eine Unruhe im Herzen: der Gedanke, dass mein Leben vielleicht nicht nur mir gehört. Diese Frage hat mich nicht mehr losgelassen.
Ganz ehrlich: Gab es schon Momente, in denen Sie gedacht haben – „Ich schmeiß das hin, diese Kirche ist nicht mehr zu retten?"
Wende: Ja. Wer heute keine Fragen, keinen Schmerz und keine Wut empfindet, schaut vielleicht nicht genau hin. Aber ich habe verstanden: Man heilt Wunden nicht, indem man den Patienten verlässt.
Wie gehen Sie persönlich mit den Missbrauchsskandalen und dem Vertrauensverlust der Kirche um – und warum bleiben Sie trotzdem?
Wende: Mit Entsetzen und ohne Ausreden. Jede Vertuschung ist ein Verrat am Evangelium. Ich bleibe nicht, um ein System zu verteidigen – ich bleibe, weil ich an eine Kirche glaube, die sich bekehren muss.
Was würden Sie einem Menschen sagen, der aus der Kirche austreten will?
Wende: Ich würde zuerst fragen: „Was hat dich verletzt?“ Viele Menschen brauchen kein Argument, sondern jemanden, der endlich zuhört. Und ich würde sagen: Gib nicht Gott die Schuld für alles, was Menschen falsch gemacht haben.
Wenn der Zölibat morgen freiwillig wäre: Würde das etwas an Ihrer Lebensplanung ändern – würden Sie lieber als verheirateter Priester mit Familie leben?
Wende: Nein. Nicht weil ich Familie und Ehe gering schätze – gerade weil ich ihren Wert kenne. Der Zölibat ist für mich kein „weniger lieben“, sondern der Versuch, mein Leben ungeteilt zu verschenken. Nicht jeder versteht diesen Weg – aber eine Berufung muss nicht von allen verstanden werden.
Haben Sie Angst vor Einsamkeit im Priesterleben – und was opfern Sie ganz konkret für Ihre Berufung?
Wende: Natürlich kenne ich diese Frage. Wer sagt, er verzichtet auf nichts, hat den Zölibat nicht verstanden. Ich gebe die Möglichkeit auf, Ehemann und Vater zu werden. Das ist kein kleiner Preis. Aber die entscheidende Frage im Leben lautet nicht nur: Was verliere ich? Sondern: Wofür gebe ich es? Und jede große Liebe kostet etwas – auch Ehe, Familie und Karriere.
Was müsste sich in der Kirche radikal verändern, damit Sie sagen: „Jetzt ist sie wieder glaubwürdig“?
Wende: Nicht zuerst die Fassade, sondern die Haltung: mehr Demut, Transparenz, Zuhören und Nähe zu den Menschen. Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Worte, sondern durch gelebtes Evangelium.
Was ist Ihre größte Hoffnung für die Kirche der nächsten 20 Jahre – und was Ihre größte Angst?
Wende: Ich schaue nicht in die Zukunft, sondern ich lebe im Hier und Jetzt. Ich möchte jetzt gestalten. Aber meine Hoffnung: eine Kirche, die weniger um sich selbst kreist und mehr für Menschen da ist. Meine Angst: dass wir Strukturen retten wollen und dabei vergessen, warum es uns überhaupt gibt.

Viele Menschen halten die Kirche für moralisch unglaubwürdig. Warum sollten sie ausgerechnet Ihnen als Priester vertrauen?
Wende: Vertrauen kann man nicht verlangen – schon gar nicht heute. Mein Auftrag ist nicht, Respekt einzufordern, sondern ein Leben zu führen, das Vertrauen wieder möglich macht.
Würden Sie einem jungen Menschen heute ernsthaft empfehlen, Priester zu werden – und unter welchen Bedingungen würden Sie klar davon abraten?
Wende: Ja, wenn sein Herz brennt für Gott und Menschen. Nein, wenn er Anerkennung, Sicherheit oder einen Rückzugsort sucht. Das Priestertum ist kein Versteck vor der Welt – es ist ein Hineingehen in ihre Wunden.
Wenn Sie einmal nicht im Dienst sind: Womit verbringen Sie Ihre Freizeit? Und haben Priester eigentlich andere Hobbys als der Durchschnittsbürger?
Wende: Nein, natürlich nicht! Unter dem Collarhemd schlägt kein anderes Herz. Ich brauche Freundschaft, Humor, Bewegung, Musik, gute Gespräche. Reisen. Kochen und vieles mehr (lacht). Wer den Menschen Gott näherbringen will, darf nicht vergessen, selbst Mensch zu sein.
Was wünschen Sie sich, dass jeder Mensch über sich selbst erkennt?
Wende: Du bist wertvoll – nicht erst durch das, was du leistest, was andere über dich sagen oder welche Wege du bereits gegangen bist. Du bist ein einzigartiges Geschenk, mit deiner Geschichte, deinen Stärken, deinen Fragen und deinem Herzen. Vergiss niemals: Dein Leben hat Bedeutung, und diese Welt ist reicher, weil es dich gibt. Danke, dass du da bist.
Der gebürtige Heidenheimer Patrick Wende ist in der Kirchengemeinde Christkönig in Heidenheim an der Brenz beheimatet und legte nach der Schule zunächst einen Bachelorstudiengang in Wirtschaftsingenieurwesen in Ulm/Neu-Ulm ab.
Nach einem kurzzeitigen Zwischenstopp in der Immobilienbranche, wie er selbst sagt, hat er sich dazu entschlossen, Theologie zu studieren mit dem Ziel, Priester zu werden.
Laut eines Interviews mit katholisch.de hat der Priesteramtskandidat für das Bistum Rottenburg-Stuttgart sich unter anderem im Studienhaus St. Lambert, dem überziözesanen Seminar zur Priesterausbildung, in Lantershofen bei Bonn auf seinen Dienst in der katholischen Kirche vorbereitet.
Der 31-Jährige, der mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen ist, war schon lange aktiv in der Kinder- und Jugendarbeit seiner früheren Kirchengemeinde.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Патриарх призвал священников отказаться от "левых" свечей | 0 | 0 | 24-12-2020 |
| 2 | Духовный раскол. Почему Папе Римскому не нужна украинская церковь | 0 | 0 | 17-01-2019 |
| 3 | Патриарх Кирилл возглавит крестный ход в День крещения Руси | 0 | 0 | 17-07-2019 |
| 4 | Патриарх Кирилл: президент Украины нарушает конституцию, вмешиваясь в дела церкви | 0 | 0 | 06-12-2018 |
| 5 | Владимир Легойда: священник, как и врач, верен своей присяге | 0 | 0 | 07-12-2020 |
| 6 | Некоторые священники РПЦ после Пасхи причастят прихожан на дому | 0 | 0 | 16-04-2020 |
| 7 | Патриарх Кирилл: война уже не производит сильного впечатления на молодое поколение | 0 | 0 | 09-05-2020 |
| 8 | Патриарх Кирилл в праздник Крещения освятил воду в Богоявленском соборе | 0 | 0 | 19-01-2020 |
| 9 | Русская православная церковь отмечает праздник Введения во храм Пресвятой Богородицы | 0 | 0 | 03-12-2020 |