Beim Sommerfest der evangelischen Gemeinde in Benrath verwandelte sich die Dankeskirche in einen Spielbereich für Kinder. Dafür gab es Zustimmung, aber auch Kritik.
In der Dankeskirche hatte die Gemeinde eine Hüpfburg für die Kinder aufgebaut.
Foto: Bretz, Andreas (abr)Düsseldorf · Beim Sommerfest der evangelischen Gemeinde in Benrath verwandelte sich die Dankeskirche in einen Spielbereich für Kinder. Dafür gab es Zustimmung, aber auch Kritik.
Beim sehr gut besuchten Sommerfest der evangelischen Gemeinde Benrath fand in der Dankeskirche das Wort Jesu „Lasset die Kinder zu mir kommen“ eine reale Entsprechung. Mitten im Kirchenschiff, zwischen Empore und Altar, stand eine Hüpfburg. In einer Art Bananenburg mit einem Affen hatten Kinder lachend, johlend und auch schon mal kreischend ihren Spaß. „Ich finde es schön, dass die Kinder auf diese Weise den Kirchenraum kennenlernen, einfach eine gute Idee“, sagte Andrea Azzola. Ihr Sohn Leonardo (4) sah den Trubel der älteren Kinder in der Hüpfburg noch ein wenig skeptisch. „Ich finde die Idee des jungen Pfarrers super und habe schon zahlreiche Videos und Fotos gemacht, die ich überall hin gepostet habe“, sagte Consuelo Jahn begeistert, die Mitglied bei den Benrather Schlossnarren ist. „Das ist eine Attraktion. Welche Kirche kann schon von sich behaupten, eine Hüpfburg für die Kinder zu haben?“, ergänzte Bernd Jahn.
Die Idee zu der Hüpfburg stammt ursprünglich von Küster Sascha Zander und hat bereits eine längere Geschichte. Schon bei zwei Sommerfesten zuvor war eine Hüpfburg für die Kinder angedacht. Aber jedes Mal hatte das Wetter nicht mitgespielt.
„Dann kam die Idee mit der Hüpfburg im Kirchenschiff auf, und wir wussten zunächst nicht, ob sie scherzhaft oder ernst gemeint war. Aber wir fanden sie so gut, dass wir sie realisieren wollten“, sagt Michael Mutzbauer, seit Pfingsten Pfarrer in der Gemeinde und selbst Vater von zwei Kindern. Starke Rückendeckung erhielt der 33-Jährige zudem von seinem Diakon Samuel Coppes, Vater von drei Kindern, und letztlich auch vom Presbyterium. „Ich dachte zunächst, da wäre noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, ich müsste da noch viel kommunizieren und Menschen begeistern, aber nichts da, es herrschte wegen der Hüpfburg ein großer Konsens“, berichtet ein selbst überraschter Michael Mutzbauer.
In der Dankeskirchengemeinde möchte man besonders offen sein, dazu zählen enge Kontakte zur benachbarten Kita, zum Zentrum plus, zu den Schlossnarren, zur Heimatgemeinschaft Groß-Benrath sowie zur Christ Ambassadors Gospel Ministry in Hassels. Mit der praktizierten Offenheit gehen aber auch schon mal Neuerungen einher, die mitunter als Provokation verstanden werden können. „So gibt es im Alten Testament eine vergleichsweise unbekannte Stelle, die beschreibt, wie König David nackt getanzt habe - ein Schock für die damalige Gesellschaft, ebenso wie vielleicht eine Hüpfburg in der Kirche“, erklärt Pfarrer Mutzbauer, der seit den wenigen Wochen, in denen er in Benrath tätig ist, bereits viel bewegen konnte.
Auch wenn die Idee mit der Hüpfburg überwiegend auf Zustimmung stieß, gab es dennoch auch kritische Stimmen. „Ich denke, die Kirche wird durch die Hüpfburg ein bisschen zweckentfremdet. Ich kann mich daher damit wenig anfreunden“, sagte Brigitte Schwittay, seit 60 Jahren Mitglied der evangelischen Kirchengemeinde. „Wir haben einen jungen Pfarrer, der bietet uns sehr viel. Aber das mit der Hüpfburg finde ich ehrlich gesagt auch nicht so toll“, ergänzte Gisa Pommerenke.
Damit Pfarrer Mutzbauer die Erfolgsgeschichte in der Gemeinde fortsetzen kann, will er von den Gemeindemitgliedern wissen, welche Wünsche – im Gottesdienst vor dem Sommerfest wurde beispielsweise der Hosen-Klassiker „Wünsch Dir was“ gesungen – seine Gemeinde umtreibt. So sollen die Gemeindemitglieder auf Klebezettel notieren, wo sie die Gemeinde in fünf Jahren sehen.
Zum Austausch treffen sich die Gemeindemitglieder an langen Tischen, wo gegessen und getrunken wird. Vor der Kirche hat sich eine Schlange vor dem Grill gebildet, der Saal hat sich in ein Café verwandelt, in dem Coppes seine Qualitäten als Barista unter Beweis stellt. Es herrscht eine ungezwungene Atmosphäre, und die soll ja die beste Voraussetzung für einen inspirierenden zwischenmenschlichen Austausch sein. Dies und nicht weniger war die Intention des jungen, dynamischen Pfarrers.
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