Der SC Kreuzlingen vergeigt den Auftakt in die Finalserie gegen den SC Horgen komplett. Erst Sekunden vor der ersten Pause treffen auch die Gäste aus dem Thurgau. Da liegen sie schon 0:3 in Rückstand und haben das Duell auf Augenhöhe eigentlich bereits verloren.

Matthias Hafen
Als Kreuzlingens Trainer Milan Petrovic kurz nach der Halbzeitpause am Beckenrand die Hände verwarf, wild gestikulierte und so seinen Unmut über die Leistung seiner Mannschaft kundtat, konnte man mit dem 43-Jährigen mitfühlen.
Da hatte sich der SC Kreuzlingen zum Auftakt des Playoff-Finals in Horgen nach einem miserablen Start (1:4 nach dem Startviertel, kein Torerfolg bis zur achten Minute) wieder auf 4:6 herangearbeitet, nur, um nach dem Seitenwechsel alles zu verspielen.
Wie schon die Startphase nutzte der Qualifikationssieger SC Horgen auch die Minuten zu Beginn der zweiten Halbzeit gekonnt aus, erzielte vier Treffer in Folge und zog so entscheidend auf 10:4 davon. Am Ende resultierte für die Zürcher ein verdienter 15:12-Heimsieg und für den SCK die erste Playoff-Niederlage seit zwei Jahren. In der Best-of-5-Serie liegen die Thurgauer damit 0:1 in Rückstand. Die Chance zur Korrektur bietet sich ihnen beim ersten Heimauftritt am Dienstag um 20.30 Uhr im Hörnli.
Kreuzlingens Problem zum Auftakt des Playoff-Finals 2026 war offensichtlich: Die Thurgauer hatten nicht etwa weniger Abschlüsse als ihre Kontrahenten vom Zürichsee, aber sie wussten nichts damit anzufangen. Vor dem gegnerischen Tor fehlten Joel Herzog, Mateo Cuk und Co. die Ideen. Die hervorragende Abwehrarbeit der Horgner überforderte den Titelverteidiger zuweilen gar.

Matthias Hafen
Und wenn er mal den Ball durch die Vielzahl gegnerischer Arme durchgebracht hatte, trieb beim SCH mit dem Schweizer Nationalgoalie Pietro Gazzini ein Rückhalt zwischen den Pfosten, der diesen Namen auch verdiente.
Gazzini hatte Serienmeister Kreuzlingen schon in der Finalserie vor zwei Jahren das Leben schwer gemacht. Unter anderem im Penaltyschiessen in Spiel vier, als er mit grandiosen Paraden den Zürchern eine Finalissima im Hörnli bescherte, die dann aber verloren ging. Auf jeden Fall dürfte der Torhüter des SC Horgen, der bei Carouge Natation gross wurde, auch heuer eine Knacknuss werden für die Kreuzlinger im Kampf um den Meistertitel.
Der SC Kreuzlingen scheiterte am Samstagabend denn auch nicht nur am eigenen Unvermögen. Er hatte immer wieder auch Pech. Deutlich wurde das schon früh durch den Pfostenknaller von Linus Längle, der damit ungewollt das Mobiliar im Sportbad Käpfnach, eine Torhalterung, beschädigte.
Nach dem längeren Unterbruch wegen des verschobenen Tors und weiteren Aluminiumtreffern seiner Teamkollegen stand Längle erneut im Mittelpunkt, als er einen lädierten Finger tapen lassen musste und so seiner Mannschaft minutenlang nicht zur Verfügung stand. Die Partie spielte er angeschlagen zu Ende, was sich auf seine Effizienz auswirkte.
Es war ein Spiel, in dem einfach alles gegen die Kreuzlinger zu laufen schien. Und so fügte sich auch Kreuzlingens impulsiver Trainer Milan Petrovic irgendwann diesem Schicksal und stand nur noch konsterniert am Beckenrand. Auch die zahlreich mitgereisten SCK-Fans konnten den im Stolz verletzten Titelverteidiger in diesem Spiel nicht mehr retten.
Horgen: Gazzini; Szer, Kieloch (2), Fröhli, Osinski; Mathis (1), Negro, Flückiger (4), Csacsovszky (HUN/3), Boros (HUN/4), Scala, Bjelajac, Philipp Herzog (1).
Kreuzlingen: Strkalj (CRO)/Tillema; Zlomislic, Pfister (1), Cuk (GER/3), Längle (1), Flurin Rickenbach (1), Joel Herzog (1), Yves Herzog, Gian Rickenbach, Carballo (1), Patrick Würth (4), Dudler, Christian Würth.
Bemerkungen: Kreuzlingen mit seinem Ex-Goalie Darko Aleksic als Assistenztrainer.
Nächstes Spiel. Dienstag, 14. Juli, 20.30 Uhr: Kreuzlingen - Horgen (Spiel 2 der Best-of-5-Serie).