Вход на сайт

Просмотр новости

Найдите то, что Вас интересует

Reisen im postsowjetischen Raum: Die unsichtbare rote Linie der Diktatur

Дата публикации: 17-09-2025 12:31:00

Unterwegs in Tadschikistan: Mit jedem Tag wird unsere Autorin in Gesprächen vorsichtiger und oberflächlicher. mehr...

Основное содержимое страницы с новостью.

Reisen im postsowjetischen Raum: Die unsichtbare rote Linie der Diktatur

Alina Schwermer

Unterwegs in Tadschikistan: Mit jedem Tag wird unsere Autorin in Gesprächen vorsichtiger und oberflächlicher.

Ein Bild von Diktator Emomali Rahmon an einem Haus in Dushanbe, Tadschikistan Allgegenwärtig in Tadschikistan: Diktator Emomali Rahmon Foto: Russian Look/imago

D er Bruder meines Gastgebers arbeitet für die russischen Geheimdienste. Der Gastgeber erzählt es mir beiläufig am Frühstückstisch. Man sagt in Tadschikistan immer noch KGB, obwohl der längst aufgelöst ist – als habe sich in 35 Jahren nichts geändert. Russlands Geheimdienste, höre ich oft flüsternd, regierten de facto Tadschikistan. Selbst Diktator Emomalij Rahmon fürchte sie.

Wir frühstücken in einem schönen Privathaus; die goldverzierte Deko erzählt von Privileg, wenngleich auf bescheidenem Niveau. Er ist sehr nett, dieser systemtreue Gastgeber, der uns spontan auf der Straße einlud. Wir sprechen lange. Über den Horror der 1990er, den er als Kind erlebte: den Hunger, den verheerenden Bürgerkrieg, den Systemkollaps. Die Diktatur, glaubt er, habe wieder Ordnung gebracht. Und Leute, die Demokratie fordern? „Das ist, wie wenn ein Vater Kinder erzieht. Es sind eben nicht immer alle zufrieden.“

Ich erlebe viele solcher Gespräche in Tadschikistan. Eine Aktivistin übt vernichtende Kritik an der brutalen Diktatur und sagt dennoch: „Ich bete für Rahmons Gesundheit.“ Warum? Sie zitiert Cicero: „Ein ungerechter Frieden ist besser als ein gerechter Krieg.“ Zufrieden ist fast niemand – aber die Aussichten auf erneutes Chaos oder ein Afghanistan-Szenario wiegen noch schwerer. In Westeuropa hat man bloß Verachtung übrig für die Fügsamkeit in vielen postsowjetischen Staaten. Wie tödlich und traumatisch die Zusammenbrüche der Neunziger waren, ist hierzulande weder bewusst noch von Interesse. Schon im Umgang mit Russland war diese Ignoranz folgenschwer. Sie ist es auch für die eigene Zukunft: Wie Instabilität und Niedergang autoritäre Kräfte an die Macht bringen, ist längst auch unser Thema.

In Tadschikistans bleierner Stille überkommt mich ein Gefühl von DDR. „In jedem Dorf sind KGB-Spitzel. Sie wissen, dass ihr gerade hier im Taxi sitzt“, sagt mir ein Taxifahrer im Schutz des Autos. „Ich kann niemandem vertrauen, nicht mal alten Freunden.“ Mit jedem Tag werde ich in Gesprächen vorsichtiger, oberflächlicher. Diktatur wirkt nicht erst durch offene Drohungen, sondern durch unsichtbare rote Linien. Die einzige Lösung: Flucht. Früher ging man nach Russland, heute nach Westeuropa. Das ist meist keine moralische Entscheidung, trotz der verbreiteten Verachtung für Putin. Moral kann sich hier kaum jemand leisten. Als Gründe höre ich eher den russischen Rassismus, schlechtere Verdienstaussichten, Angst vor Rekrutierung in den Krieg.

Und so träumen viele studierte Tadschiken davon, auf englischen Erdbeerplantagen zu landen. Dort, wo jene Briten, die angeblich keine Ausländer mehr wollen, jetzt Tadschiken statt Bulgaren ausbeuten.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Alina Schwermer

Alina Schwermer freie Autorin

Jahrgang 1991, studierte Journalismus und Geschichte in Dortmund, Bochum und Sankt Petersburg. Schreibt für die taz seit 2015 vor allem über politische und gesellschaftliche Sportthemen und übers Reisen. Autorin mehrerer Bücher, zuletzt "Futopia - Ideen für eine bessere Fußballwelt" (2022), das auf der Shortlist zum Fußballbuch des Jahres stand.

Mehr zum Thema

Схожие новости

#Наименование новостиТональностьИнформативностьДата публикации
1Ferienfeeling in Frankreich: Zwischen deutschen Nummernschildern0527-08-2025
2In zwei Tagen von Wuppertal nach Berlin: Deutschland mit dem Rad erfahren5716-08-2025
3Юрты, фестивали и тайны скифов. Как провести лето в Туве в 2025 году0030-05-2025
4Источник: Таджикистан подпишет с КНР не менее 15 документов по итогам визита Си Цзиньпина0013-06-2019
5В Киргизии сообщили, что Таджикистан стягивает к границе тяжелую технику0027-01-2022
6Горящие туры в Турцию: выгодные предложения для незабываемого отдыха5312-01-2026
7⛵ ДНР - АНАПА - НОВОРОССИЙСК - КАБАРДИНКА - ГЕЛЕНДЖИК ...0729-06-2026
8Раскрыты главные страхи россиян перед поездками в Африку0529-06-2026
9Соглашение США с талибами: признание провала американцев в Афганистане?0002-03-2020
10Message to community0501-07-2026

Классификация: Мнения. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: -3. Информативность: 6. Источник: www.taz.de.