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Minijobs sollen wegfallen: „Enorme Schwächung“ für die Region Heilbronn befürchtet

Дата публикации: 02-07-2026 04:25:30

Die Merz-Regierung plant den Zwang zur Rentenversicherung bei Minijobs. In Heilbronn könnten in dem Fall viele Gastro-Unternehmen ihren Betrieb nicht aufrechterhalten.

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Minijobs sollen wegfallen: „Enorme Schwächung“ für die Region Heilbronn befürchtet

Stand: 09.07.2026, 10:19 Uhr

Von: Adrian Kilb

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Die Merz-Regierung plant den Zwang zur Rentenversicherung bei Minijobs. In Heilbronn könnten in dem Fall viele Gastro-Unternehmen ihren Betrieb nicht aufrechterhalten.

Rund sieben Millionen Menschen in Deutschland, darunter 1,3 Millionen Rentner, gehen in Deutschland einem Minijob nach. Das sind 16 Prozent aller 42 Millionen Beschäftigten.

Was auffällig ist: Mehr Frauen als Männer aus dieser Gruppe und mehr Ältere (ab 55 Jahren) als Jüngere nutzen das Angebot, sich über die gesetzliche Rentenversicherung abzusichern, wie aus Daten der Minijob-Zentrale vom März 2026 hervorgeht. Insgesamt macht aktuell von der Option nur jeder Fünfte Gebrauch, doch künftig sollen alle Minijobber (außer Schülern) zu Renteneinzahlern werden.

Einer der 33 Vorschläge der Rentenkommission sieht vor, alle Minijobber in die Rentenversicherung einzubeziehen. Das heißt: Schluss mit dem steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Heilbronn (DEHOGA) warnt gegenüber echo24 vor den gefährlichen Folgen für die Branche.

Wie viel darf im Minijob verdient werden?

Der Verdienst im Minijob ist im Jahr 2026 auf 603 Euro pro Monat oder 7236 Euro pro Jahr gedeckelt. Bei einer Arbeit zum gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde würde das rund 43 Stunden pro Monat bedeuten. Bei höherem Lohn verringert sich die Stundenzahl entsprechend.

DEHOGA-Chef in Heilbronn sieht gravierende Auswirkungen bei Streichung der Minijobs

Der Anteil der rentenversicherungspflichtigen Minijobber im gewerblichen Bereich liegt bei knapp 21 Prozent, wie die Minijob-Zentrale berichtet. Der Rest spart sich die Sozialabgaben, um mehr netto zu haben.

Für die 6,6 Millionen im Gewerbe registrierten Menschen und deren Arbeitgeber hätte eine Neuregelung mit einem Zwang zur Rentenversicherung schlimme Konsequenzen. Die Rentenreform hat für Millionen Beschäftigte Konsequenzen und würde sich auch in der Gastronomie und Hotellerie in der Region Heilbronn gravierend auswirken, erklärt Michael Ciesléwicz, Vorsitzender der DEHOGA-Kreisstelle in Heilbronn, gegenüber echo24

„Minijobber ermöglichen es unseren Betrieben, auf branchentypische Lastspitzen – etwa bei Veranstaltungen, an Schönwetter-Wochenenden oder in der Urlaubszeit – flexibel zu reagieren. Ohne diesen flexiblen Einsatz drohen Angebotsstreichungen, kürzere Öffnungszeiten bis zu Betriebsschließungen“, warnt Ciesléwicz. Er befürchtet in dem Fall für den Tourismus und die Aufenthaltsqualität in Heilbronns Innenstadt und im Landkreis eine enorme Schwächung. Auch andernorts möchte die Gastro „mit aller Kraft“ für den Erhalt der Minijobs und gegen die Rentenreform kämpfen.

Welche Gastrobetriebe und Tätigkeiten eine Neuregelung besonders treffen würde

Vor allem kleinere und mittlere Gastrobetriebe – klassische Gasthäuser, Cafés, Biergärten und Veranstaltungscaterer – wären existenziell bedroht. Die Wirtschaft kritisiert die voraussichtliche „Vernichtung Hunderttausender Jobs“. Viele Lokale könnten ihr Angebot ohne Minijobber schlicht nicht aufrechterhalten. Viele Rentner, Studenten oder Hinzuverdiener sind aber nur bereit, unter den flexiblen und steuerfreien Bedingungen eines Minijobs zu arbeiten. Fallen diese weg, schmilzt die Personalreserve und eine größere Kundschaft könnte nicht mehr bedient werden.

Hinzu kommt, dass viele Teil- und Vollzeitstellen schlicht nicht besetzt werden können, da Bewerber fehlen, sagt Ciesléwicz, der als Geschäftsführer das Hotel SALINE1822 in Bad Rappenau betreibt.

Betroffen wären insbesondere Tätigkeiten in der Küche, im Service und im Veranstaltungsbereich, die kurzfristig und flexibel besetzt werden müssen – etwa Aushilfen bei Hochzeiten, Firmenfeiern oder an stark frequentierten Tagen. Zudem in der Hotellerie im Housekeeping, primär in den Urlaubszeiten. echo24 berichtet, in welchen Minijobs Rentner gut dazuverdienen können.

Wie Minijobber die Arbeitsplätze ihrer fest angestellten Kollegen retten

Landesweit sind allein in Baden-Württemberg rund 170.000 Minijobber im Gastgewerbe beschäftigt. Mehr als die Hälfte davon geht im Hauptberuf einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Es geht also größtenteils um Menschen, die ohnehin finanziell gut abgesichert sind. Das von Politikern gerne vorgebrachte Argument, Betroffene im Minijob durch eine Rentenversicherungspflicht vor Altersarmut zu bewahren, verfängt hier also nur bedingt – zumal die Beträge marginal sind.

Dazu kommt, dass die geringfügig Beschäftigten auch den Arbeitsplatz ihrer voll- oder teilzeit arbeitenden Kollegen stabilisieren. Durch ihren spontanen Einsatz kann der Arbeitgeber auf große Gästeanstürme und volle Auslastungen besser reagieren, ohne, dass seine Fixkosten durch weitere Vollzeitkräfte in die Höhe und er selbst womöglich in den Ruin getrieben wird. Auch in der Region Heilbronn ist die Zahl der Arbeitsplätze, die bei einem Minijob-Aus akut bedroht wären, laut DEHOGA erheblich.

Anhebung der Sozialbeiträge käme Abschaffung der Minijobs „durch die Hintertür“ gleich

Was die Situation weiter verschärft, sind geplante steigende Sozialabgaben für die Arbeitgeber. Den pauschalen Krankenversicherungsbeitrag, den diese für geringfügig Beschäftigte bezahlen, möchte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) von bislang 13 Prozent auf 17,5 Prozent anheben, wie der Focus berichtet.

Das wäre ein satter Anstieg von 4,5 Prozent. Zusammen mit den übrigen Posten, zu denen etwa die Rentenversicherung von 15 Prozent gehört, würde sich die gesamte Abgabenlast von derzeit knapp 31,2 auf fast 36 Prozent anwachsen. „Das wäre eine massive Belastung und käme einer Abschaffung der Minijobs durch die Hintertür gleich“, sagt der DEHOA-Vorstand Ciesléwicz aus Heilbronn gegenüber echo24.

Alleine für die Minijobs belaufen sich die jährlichen Mehrkosten für die Arbeitgeber auf 1,5 Milliarden Euro. Da auch im Übergangsbereich für die sogenannten Midijobber höhere Abgaben anfallen, erhöht sich die Summe auf 2,3 Milliarden Euro, wie aus dem Ende April veröffentlichten Regierungsbericht zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge hervorgeht.

Höherer Pauschalbetrag belastet Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Damit nicht genug: Auch die Pauschsteuer, mit der Einkommensteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag abgegolten werden, möchte die Merz-Regierung anheben, wie aus dem Anfang Juli von der Koalition beschlossenen Steuerpaket hervorgeht. Für Minijobber, die bisher 603 Euro im Monat für ihre Tätigkeit im Minijob erhalten, müssen Arbeitgeber derzeit 12,06 Euro entrichten. Durch die Neuregelung könnte dieser Betrag auf 30,15 Euro steigen und zumindest anteilig an die Arbeitnehmer weitergegeben werden, wie der Focus berichtet.

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