Eine Medizinische Fachangestellte erklärt, warum die ePA ihr Zeit und Nerven im Praxisalltag sparen könnte.
Wenn über die elektronische Patientenakte (ePA) diskutiert wird, geht es meistens um Datenschutz, Technik oder darum, was gerade wieder nicht funktioniert. Ich verstehe diese Diskussionen. Aber ich sehe die ePA jeden Tag aus einer ganz anderen Perspektive: aus dem Alltag einer Medizinischen Fachangestellten (MFA) in einer Arztpraxis.
(Bild:
Kardiologie Forst
)Andrea Böbber ist gelernte Krankenschwester und arbeitet seit 1991 als Medizinische Fachangestellte.
Ich arbeite seit 1991 als MFA und habe in dieser Zeit schon viele Veränderungen erlebt. Nicht jede neue Software oder jedes Digitalisierungsprojekt hat uns die Arbeit wirklich erleichtert. Deshalb bin ich bei Neuerungen eher vorsichtig als euphorisch. Bei der ePA sehe ich das anders.
Der größte Vorteil ist für mich gar nicht irgendein großes Zukunftsversprechen, sondern etwas ganz Banales: Sie könnte uns an vielen Stellen Arbeit ersparen. Wenn ein Befund bereits in der ePA hinterlegt ist, müsste ich ihn nicht erst einscannen, richtig zuordnen und ablegen. Mit wenigen Mausklicks könnte er in unserer Patientenakte sein. Wer nicht in einer Praxis arbeitet, denkt vielleicht, das seien nur ein paar Minuten. Aber diese Minuten summieren sich jeden einzelnen Tag.
Auch unsere Patientinnen und Patienten könnten davon profitieren. Viele bringen heute noch ganze Ordner mit. Andere haben den entscheidenden Arztbrief zu Hause vergessen. Manche erinnern sich gar nicht mehr an eine Diagnose von vor fünf oder zehn Jahren. Das ist völlig normal. Niemand kann erwarten, dass jemand seine gesamte Krankengeschichte im Kopf hat.
Ähnlich ist es bei Medikamenten. Nicht selten hören wir: „Die kleine weiße Tablette gegen den Blutdruck.“ Oder der Medikationsplan ist nicht vollständig oder nicht mehr aktuell. Wenn diese Informationen in der ePA hinterlegt wären, könnten sie schneller zur Verfügung stehen und manches Nachfragen ersparen.
Was mich außerdem immer wieder wundert, sind die vielen unnötigen Papierwege. Praxis A druckt einen Befund aus. Der Patient bringt ihn zu Praxis B. Dort wird er wieder eingescannt. Anschließend braucht ihn niemand mehr und wir müssen ihn datenschutzkonform vernichten. Das kostet Papier, Zeit und Geld – und eigentlich profitiert niemand davon. Die ePA könnte genau solche Medienbrüche deutlich reduzieren.
Ich hoffe außerdem, dass die ePA irgendwann auch in allen Krankenhäusern selbstverständlich genutzt wird. Dann könnten viele Doppeluntersuchungen entfallen, weil bereits vorhandene Befunde verfügbar wären. Auch Entlassbriefe oder Untersuchungsergebnisse könnten schneller in den Praxen ankommen. Das würde nicht nur Arbeitszeit sparen, sondern vor allem den Patientinnen und Patienten zugutekommen.
Noch sind längst nicht alle Einrichtungen so angebunden, wie man es sich wünschen würde. Aber aus meiner Sicht überwiegt das Potenzial. Ich erlebe jeden Tag, wie viel Zeit in einer Praxis für Dinge verloren geht, die eigentlich keinen medizinischen Mehrwert haben. Wenn wir davon auch nur einen Teil einsparen könnten, bliebe mehr Zeit für das, worum es eigentlich geht: die Menschen, die vor uns sitzen.
Deshalb wünsche ich mir, dass die Diskussion über die ePA nicht nur von Politik, Krankenkassen oder IT-Unternehmen geführt wird. Vielleicht sollte man häufiger diejenigen fragen, die jeden Tag mit den Abläufen in einer Praxis zu tun haben. Denn am Ende entscheidet nicht eine Präsentation oder ein Gesetz darüber, ob Digitalisierung funktioniert, sondern der Praxisalltag.
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(mack)
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