Ein Tankstopp kostet so viel wie ein Kleinwagen. Das Marpinger Busunternehmen „Der Saarländer" kämpft mit explodierenden Spritpreisen. Ob die Familie Schmidt den Betrieb in die nächste Generation retten kann, ist ungewiss. Ein Besuch vor Ort.
Marpingen · Ein Tankstopp kostet so viel wie ein Kleinwagen. Das Marpinger Busunternehmen „Der Saarländer" kämpft mit explodierenden Spritpreisen. Ob die Familie Schmidt den Betrieb in die nächste Generation retten kann, ist ungewiss. Ein Besuch vor Ort.
Michael Schmidt (Mitte) führt das Marpinger Familienunternehmen „Der Saarländer“ in zweiter Generation. Gilmar (links) und Hagen wollen übernehmen.
Foto: Gilmar Schmidt/Der SaarländerDas Verkehrsaufkommen ist für die Straße Hinten auf der Gaß in Marpingen für den Moment zu groß. Daher lenkt der freundliche Busfahrer seinen Wagen in eine Lücke am Straßenrand des Gewerbegebietes und überlässt einigen Autos die Vorfahrt. Zum Dank heben sie die Hand, was er prompt beantwortet: Auf der Anzeigetafel lässt er den Namen des Unternehmens aufleuchten, für das er unterwegs ist: Der Saarländer.
Wie viele seiner 36 Kollegen ist der Angestellte des Familienunternehmens aus Marpingen an diesem Morgen auf Tour. Linienbusse zählen nach den Worten von Michael Schmidt, dem Chef der Firma, ebenso zu dem Angebot wie Reisebusse, Fahrten zu Schulen, Krankentransporte, Vereinstouren oder als Veranstaltungs-Shuttles. Insgesamt zählt seine Flotte 25 Wagen: 20 Busse für Linie und Reise und fünf kleinere Fahrzeuge, die unter anderem für Krankentransporte genutzt werden.
Kopfzerbrechen bereiten dem Mann, der in zweiter Generation den Betrieb führt, die Spritpreise, die derzeit durch die Decke gehen. Zu absoluten Spitzenzeiten sei pro Tank die Summe fällig geworden, die ein Kleinwagen kostet, verrät er. „Unsere Branche steht aktuell unter einem enormen Druck“, sagt der Mann, der die Firma von seinen Eltern Monika und Dieter Schmidt übernommen hat.
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15.09.2025
1959 hatten diese das Unternehmen gegründet. Seit 1995 ist das Gewerbegebiet am Rande von Marpingen die neue Heimat für die Bushalle, die Werkstatt und das Bürogebäude. Sohn Gilmar, der sich anschickt, mit seinem Bruder Hagen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, nickt zustimmend, als sein Vater die Probleme beschreibt, das Unternehmen sicher durch die stürmischen Zeiten zu lenken.
Der Corona-Pandemie folgte der Ukraine-Krieg, danach die bewaffneten Auseinandersetzungen im Nahen Osten. „Die Einschläge kommen immer öfter“, sagt der Vater daher mit Blick auf die Weltlage und die Krisen, die sich in den vergangenen Jahren häufen. Vor allem die Linienbusse sind seine Sorgenkinder. Pro 100 Kilometer benötigten diese 32 Liter – derzeit ein enormer Kostenfaktor.
Das Problem: Bei der Unterzeichnung der Verträge lege man sich auf einen Preis fest, an dem man mehrere Jahre gebunden sei. „Im Linienverkehr machen nun mal die Kilometer den Kernpunkt der Kosten aus. Und bei solchen Fahrten kommen da täglich viele Kilometer zusammen. „Es wird Zeit, dass sich endlich etwas bewegt“, fordern beide. „Wir setzen alles daran, den Betrieb zu erhalten und zu investieren", sagen sie.
Kritisch sehen beide die Regelung der Bundesregierung, dass Tankstellen ihre Preise nur noch einmal am Tag erhöhen dürfen: „Das bringt uns gar nichts." Dagegen helfe die temporäre Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, den akuten Kostendruck auch auf Unternehmen kurzfristig zu mindern.
Doch es bedürfe einer längerfristigen Entlastung und nicht nur über drei Monate – eine Forderung, die der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) von der Bundesregierung stellte. Der Verband, in dem sich knapp 3000 Busunternehmen zusammengeschlossen haben, vertrete laut Gilmar Schmidt engagiert die Interessen seiner Mitglieder. Nach seiner Einschätzung ist es wichtig, an dem Thema dranzubleiben. Sein Wunsch: mehr Wertschätzung für die Branche, in der er und sein Bruder ihre Zukunft sehen.
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Trotz aller Schwierigkeiten, denen sie sich stellen müssten, wollen sie nach ihrem Bekunden weiter arbeiten und investieren. Schließlich sei Busfahren eine Alternative zum Auto und Flugzeug, die umwelt- und klimafreundlicher sei. „So braucht ein vollbesetzter Bus pro Kopf weniger Kraftstoff als ein Auto mit nur einer Person. Ein Bus kann viele Autos ersetzen und reduziert somit Staus und schont wertvolle Rohstoffe.
Natürlich sei E-Mobilität angesichts der hohen Dieselpreise eine Option. Doch diese benötigt nach Meinung der Familie Schmidt eine klare nationale Strategie und eine Infrastruktur, die in allen Bundesländern gleich ist. „Diese muss vorhanden sein, sonst funktioniert es nicht“, sagen Vater und Sohn. Hier habe das Saarland noch viel Nachholbedarf.