Den Medien zugespielte Dokumente zeigen, dass die militärische Kooperation zwischen Peking und Moskau viel weiter geht, als bisher bekannt war.
Den Medien zugespielte Dokumente zeigen, dass die militärische Kooperation zwischen Peking und Moskau viel weiter geht, als bisher bekannt war.

Imago
Elon Musks Starlink hat sich für die Ukraine im Kampf gegen Russland zur unersetzbaren Ressource entwickelt. Das Satellitennetzwerk erlaubt praktisch verzögerungsfreie Datenkommunikation mit hoher Datenrate. Damit kann die ukrainische Armee feindliches Gebiet im Detail aufklären – und dann die entsprechenden Artillerieangriffe präzis steuern. Kampfdrohnen werden via Starlink-Datenlink ans Ziel gelenkt. Und der Nachschub für Frontstellungen und der Abtransport von Verletzten werden über Starlink organisiert.
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Auch Russland nutzte zeitweise Starlink – doch im Februar schaltete SpaceX unter politischem Druck das Signal in den russisch besetzten Gebieten der Ukraine ab. Die russischen Truppen versuchen den Verlust mit einer chinesischen Lösung gutzumachen.
Gleichzeitig macht sich der Kreml offenbar Gedanken, wie er Starlink stören oder ausschalten könnte. Er tut dies in enger Zusammenarbeit mit China. Dies zeigen Dokumente, die einem Recherchenetzwerk zugespielt wurden, dem «Der Spiegel», die französische Zeitung «Le Monde» und das russische Investigativmedium «The Insider» angehören.
Zu den geleakten Dokumenten gehören Präsentationen, die an geheimen Treffen seit 2023 gezeigt wurden. Mehrmals haben sich russische Militärs und Forscher in beiden Ländern getroffen. Starlink war da ein wichtiges Thema. Die Teilnehmer planten ein mehrstufiges Vorgehen. Auf internationaler Ebene soll mit neuen Regulierungen versucht werden, den weiteren Ausbau des Starlink-Netzwerks zu beschränken. Denn je mehr Satelliten die Konstellation umfasst, desto besser wird sie – heute sind es bei Starlink rund 10 000.
Gleichzeitig wollen Russland und China ein gemeinsames System aufbauen, um die Signale von Starlink zu stören. Als dritte Eskalationsstufe wird in Betracht gezogen, das Starlink-Netzwerk mit Viren lahmzulegen oder mit Weltraumwaffen mehr Satelliten des Netzwerks zu zerstören, als Starlink im All ersetzen kann.
Ein Angriff auf Starlink hätte weltweite Auswirkungen. Die globale Schifffahrt käme ohne das Satellitenkommunikationssystem zum Erliegen – was zu massiven Störungen der globalisierten Lieferketten führen würde. Auch viele westliche Streitkräfte nutzen Starlink als integralen Teil ihrer Kommunikation. Ein russisch-chinesischer Angriff auf Starlink käme einer Kriegserklärung gegen den Westen gleich.
Ein weiterer Aspekt der Zusammenarbeit, den die Dokumente offenlegen, ist die Raketenabwehr. 2023 beschlossen die beiden Länder in Moskau, gemeinsam ein System zu entwickeln, das Hyperschallraketen abfangen kann. Diese fliegen mit mehr als fünffacher Schallgeschwindigkeit und sind zudem sehr wendig. Entsprechend schwierig sind sie abzuwehren. Ziel ist, die modernsten amerikanischen Systeme zu übertreffen.
Die Raketenabwehr ist einer der wenigen Bereiche, in denen Russland in der Militärtechnologie China noch voraus ist. Bisher hütete sich Moskau davor, diese Technologie mit China oder anderen Ländern zu teilen. Denn Peking hat über Jahrzehnte russische Militärtechnologie gekauft – und jeweils innert Kürze kopiert.
Offenbar sieht sich Moskau nun dazu gezwungen, die Raketenabwehrtechnologie mit China zu teilen. Damit verändert sich die Rollenverteilung. Lange war China ein Kunde russischer Rüstungsgüter und stellte gewisse davon in Lizenz her. Heute sind beide Seiten gleichwertige Partner, immer häufiger ist China voraus. Bekannt ist, dass China auch am russischen Know-how zum Bau von Atom-U-Booten interessiert ist – ob es auch hier eine Zusammenarbeit gibt, geht aus den nun öffentlich gewordenen Dokumenten nicht hervor.
Peking hat klargemacht, dass eine Niederlage Moskaus im Ukraine-Feldzug nicht in seinem Interesse läge. Durch die militärische Zusammenarbeit mit Russland gewinnt China unmittelbare Einblicke in einen modernen Abnutzungskrieg. Die chinesische Volksbefreiungsarmee war letztmals 1979 in Kampfhandlungen verwickelt – die damaligen Grenzscharmützel mit Vietnam haben wenig mit einem modernen Schlachtfeld zu tun. Diese fehlende Kampferfahrung wird von vielen Experten als grosse Schwäche der chinesischen Streitkräfte angesehen. Das könnte sich bei einem allfälligen Angriff auf Taiwan negativ auswirken.
Die Recherche zeigt, dass die russisch-chinesische Zusammenarbeit im militärischen Bereich deutlich weiter geht, als es die beiden Seiten öffentlich zugeben. Peking streitet regelmässig ab, Moskau in seinem Eroberungskrieg gegen die Ukraine zu unterstützen. Offiziell ist China neutral.
Dass es seinen russischen Partner aber mit Hightech-Komponenten für Präzisionswaffen unterstützt, ist schon länger bekannt. Mit regelmässigen gemeinsamen Manövern signalisieren China und Russland, dass sie im Konfliktfall zusammenarbeiten würden.
Zwar erreichen die beiden Streitkräfte bei weitem noch nicht den Grad der Interoperabilität, wie ihn die USA mit ihren Alliierten kennen. Aber Schritt für Schritt werden die Bande zwischen den russischen und den chinesischen Militärs enger. Diese werden verstärkt durch die gemeinsame Strategie gegen Starlink und die Entwicklung hochmoderner Raketenabwehrsysteme.
Franz- Josef Kuß
vor 32 Minuten
"Die Raketenabwehr ist einer der wenigen Bereiche, in denen Russland in der Militärtechnologie China noch voraus ist. Bisher hütete sich Moskau davor, diese Technologie mit China oder anderen Ländern zu teilen. Denn Peking hat über Jahrzehnte russische Militärtechnologie gekauft – und jeweils innert Kürze kopiert. Offenbar sieht sich Moskau nun dazu gezwungen, die Raketenabwehrtechnologie mit China zu teilen" Auch in dieser Hinsicht ist zu erkennen, wie schwach Rußland und wie stark China auf der Weltbühne geworden ist.
Hendrik C.R. Lock
vor 1 Stunde
Der Tag an dem die Welt stillstand. Es wäre der Tag, an dem eine Nation die gegnerischen Satelliten zerstört und damit eine Kettenreaktion freisetzt, bei der durch hochenergetische Trümmer immer weitere Satelliten zerstört werden, bis dort oben eine toxische Trümmerwolke sogar das Durchfliegen zu einem tödlichen Risiko macht. Währenddessen wir auf dem Planeten ohne Satellitennavigation und breitbandige Kommunikation zurückbleiben. Schöne Neue Welt.
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