Ein breites Bündnis aus 110 Organisationen, Vereinen, Medienorganisationen und Projekten fordert, die im Koalitionsausschuss beschlossenen Pläne zur Einschränkung des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) zu stoppen. Ihre Kritik: Durch die Pläne würden Journalist:innen und zivilgesellschaftlichen Organisationen künftig wichtige Informationen vorenthalten und das wichtigste Instrument gegen Korruption und Machtmissbrauch würde abgeschafft. In einem offenen Brief fordert das Bündnis, dem […]
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Ein breites Bündnis aus 110 Organisationen, Vereinen, Medienorganisationen und Projekten fordert, die im Koalitionsausschuss beschlossenen Pläne zur Einschränkung des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) zu stoppen. Ihre Kritik: Durch die Pläne würden Journalist:innen und zivilgesellschaftlichen Organisationen künftig wichtige Informationen vorenthalten und das wichtigste Instrument gegen Korruption und Machtmissbrauch würde abgeschafft.
von 7. Juli 2026
In einem offenen Brief fordert das Bündnis, dem auch LobbyControl angehört, die Bundesregierung, das Bundesinnenministerium und die Abgeordneten des Innenausschusses auf, die Pläne zu stoppen und die Informationsfreiheit für alle zu schützen. Der Verlust des Rechts auf Informationsfreiheit für Millionen Bürger:innen erschwert eine faktenbasierte Berichterstattung, die öffentliche Kontrolle und das Engagement der Zivilgesellschaft. Zudem wird das Vertrauen in die Politik geschwächt. Gerade in Zeiten wachsenden Misstrauens gegenüber Politik und ihren Institutionen brauche es ein starkes IFG, so die Unterzeichnenden.
IFG-Anfragen sollen nur noch bei nachgewiesenem „berechtigtem Interesse“ möglich sein. Organisationen und Pressevertreter:innen (juristische Personen) sind davon ausgenommen. Zudem prüft das Bundesinnenministerium, nur noch in Deutschland lebende Deutsche und Unionsbürger:innen zuzulassen. Die Namen aller Behördenmitarbeiter:innen, auch der Leitung, soll die Verwaltung pauschal schwärzen. Der Gebührendeckel von 500 Euro entfällt: Eine einzelne Anfrage könnte dann schnell mehrere tausend Euro kosten.
Die Regierung begründet dies mit „Bürokratieabbau“ und dem Schutz kritischer Infrastruktur. In ihrem Schreiben monieren die Unterzeichner:innen u. a.: Behörden schützen sensible Sicherheitsinformationen bereits heute. Der Sicherheitsvorwand trägt nicht.
„Die Pläne zur Einschränkung des IFG sind ein frontaler Angriff auf Transparenz und öffentliche Kontrolle von Regierungshandeln – und auf Medien und Zivilgesellschaft. Und das ist gerade in Zeiten dramatisch sinkenden Vertrauens in die Politik ein katastrophales Signal!
Durch das IFG haben Medien und Zivilgesellschaft in den vergangenen Jahren viele Lobbyskandale aufgedeckt – und Verantwortliche konnten zur Rechenschaft gezogen werden. Das hat gezeigt, wie wirksam das Instrument ist. Es ist äußerst bedenklich, wenn nun der Eindruck entsteht, dass diese demokratische Kontrolle nicht länger erwünscht ist.“
Im Koalitionsvertrag von 2025 versprachen Union und SPD, das IFG „mit einem Mehrwert für Bürgerinnen und Bürger und Verwaltung“ zu reformieren. Der aktuelle Beschluss kehrt dieses Versprechen jedoch um. Die Pläne richten sich zudem gegen den Willen der Bevölkerung: Laut dem Datenbarometer der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit wünschen sich 83 Prozent der Bürger:innen mehr Transparenz, nicht weniger.
Bereits 2025 wehrten Hunderttausende mit einer Petition einen Angriff auf das IFG ab. Im internationalen Vergleich zählt Deutschland bei der Informationsfreiheit zu den Schlusslichtern.
Zum Bündnis gehören: abgeordnetenwatch, Deutsche Gesellschaft für Informationsfreiheit (DGIF) e.V., Deutscher Journalisten-Verband (DJV), FragDenStaat, LobbyControl, Mehr Demokratie e.V., Netzwerk Recherche e.V., openPetition, Transparency International Deutschland e.V., Wikimedia Deutschland und weitere.
Die Petition „SPD, stoppt den Frontalangriff auf die Informationsfreiheit!“ haben bereits 364.880 Menschen unterzeichnet.
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