Die Düsseldorfer Autorin Christine Weißenborn hat mit ihrem Buch „Juli Gold – Wächterin der Zeit“ einen Nerv getroffen. Der Fantasy-Roman für Jugendliche bekommt viele Reaktionen.
Düsseldorf · Die Düsseldorfer Autorin Christine Weißenborn hat mit ihrem Buch „Juli Gold – Wächterin der Zeit“ einen Nerv getroffen. Der Fantasy-Roman für Jugendliche bekommt viele Reaktionen.
Es brauchte drei Initialzündungen, bis Christine Weißenborn ihr Buch „Juli Gold – Wächterin der Zeit“ in Angriff nahm. Nach seinem Erscheinen Ende Mai entwickelte sich eine Dynamik, die sie selbst überraschte. „Offenbar habe ich mit dem Thema einen Nerv getroffen“, sagt die Düsseldorfer Autorin. Ihre Botschaft, verpackt in einen Fantasy-Roman für Jugendliche, lautet stark verkürzt: „Knips‘ die Geräte aus und das Leben an.“ Es geht um den ausufernden Gebrauch von Smartphone und Social Media - und um das Verschleudern von Zeit. Die Resonanz ist groß, inzwischen hat sie mehrere Lesungen an Schulen gehalten.
Am Freitag um 17 Uhr trifft man Christine Weißenborn open air im Café Noca im Sternwartpark an. Dort stellt sie „Juli Gold“ vor, gemeinsam mit der Cellistin Karina Suhorukova und dem Medienpädagogen Mathias Hainski („rheingeklickt“). „Uns alle eint, dass wir Menschen im echten Leben zusammenbringen wollen“, sagt sie. Ihre bisherigen Erfahrungen bei Lesungen sind positiv: „Da war keiner widerwillig dabei, dabei finden Kinder ihre Smartphones in der Regel richtig gut. Aber alle hatten Lust auf das Phänomen der durch die Geräte verlorenen Zeit.“
Eltern im Handy-Dauereinsatz sind kein gutes Vorbild. „Dieser Funktion werden wir oft nicht gerecht“, mahnt Weißenborn und nimmt sich da nicht aus. Doch sie lernte dazu. „Maßgeblich für die Buch-Idee war vor dreieinhalb Jahren meine Entscheidung, mich aus dieser Welt zu verabschieden“, erzählt sie. Kein Instagram, kein LinkedIn, kein Pinterest. „Der Impuls zu klicken, war mächtig“, gibt sie zu. „Es dauerte eine Weile, bis ich mich aus diesem System gelöscht hatte.“ Inzwischen postet sie hin und wieder etwas. Ganz ohne soziale Medien geht es im Literaturbetrieb nicht.
Der zweite Anreiz überkam Christine Weißenborn beim Familienurlaub auf einem Campingplatz in Südfrankreich. Dort traf sie ein Mädchen namens Juli – so sollte ihre Heldin heißen. Zuletzt befeuerte sie ein Aufenthalt in New York. „An einem Wintermorgen fuhr ich allein hinaus nach Coney Island“, erinnert sie sich. „Die Stimmung war mystisch. Plötzlich fiel ein Sonnenstrahl aufs Wasser. Da hatte ich den ganzen Namen vor mir: Juli Gold.“ Ihre Geschichte beginnt am Schauplatz New York. Ein Mädchen, das mit sich und dem Leben hadert, das voller Misstrauen, Zweifel und Ängste ist, fühlt sich verloren in der riesigen Stadt. Einzig in dem verwunschenen Garten der Großmutter findet sie, wonach sie sich sehnt – Zeit und ein einfaches Dasein in der Natur. An ihrem 13. Geburtstag bekommt Juli ein Zelt geschenkt. Mit dem Bäckerlehrling Janko katapultiert es sie in ein geheimnisvolles Land, voller echter Abenteuer und echter Freundschaften. Doch auch dort lauert ein mächtiger Feind. Ein Schurke verschlingt die Zeit, indem er sich durch die digitalen Geräte in das Leben der Menschen stiehlt. Happyend? Na klar.
Für die Autorin war die Thematik umso greifbarer, weil sie vier Kinder hat. Sie kennt die Ratlosigkeit von Eltern und Lehrern. Smartphone & Co. verbieten? Kaum machbar. Aber die Jugend mit Fantasy-Mitteln für einen maßvollen Umgang sensibilisieren, das wohl. „Ich hatte schon immer ein Faible für Märchen und Mystik“, sagt sie. „Das zieht sich durch alle meine Bücher.“
Vor ihrem ersten Solo-Projekt als Romanautorin veröffentlichte Christine Weißenborn mit der Autorengruppe „Gretas Freunde“ zahlreiche Kinder- und Kreativbücher. Sie ist gelernte Wirtschaftsjournalistin mit Ausbildung beim „Handelsblatt“, für das sie nach wie vor schreibt. Ein Leben zwischen Fakten und Fantasy.
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