Beim Sommerlichen Orgelkonzert in der Neanderkirche ging es leichtfüßig zu. Michael Porr präsentierte das ideale Programm für diese Temperaturen.
Der Organist Charles-Marie Widor 1924 an der Chororgel in St. Sulpice in Paris.
Foto: Digitale Bibliothek Gallica/WikiDüsseldorf · Beim Sommerlichen Orgelkonzert in der Neanderkirche ging es leichtfüßig zu. Michael Porr präsentierte das ideale Programm für diese Temperaturen.
Für das zweite Sommerliche Orgelkonzert hatte der Organist Michael Porr aus Leverkusen ein wahrlich leichtfüßiges Programm zusammengestellt, darunter das Konzert „Kuckuck und Nachtigall“ von Georg Friedrich Händel, im Original für Streichorchester und konzertierende Orgel. Das Prinzip, dass Solist und Streicher im Dialog stehen, wurde in der Fassung für Orgel allein sinnfällig durch Echoeffekte, auf verschiedenen Manualen nachempfunden. Schwerelos spielte Porr sowohl die Larghetto- als auch die Allegrosätze. Bei jeder Melodie, jedem hinabstürzenden Lauf übertrug sich die Spielfreude des Organisten auf die Zuhörer. Die Vogelstimmen ließ er natürlich prächtig tirilieren.
Der Italiener Padre Davide da Bergamo, ein Komponist der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, schrieb eine kurze Sonatina zwar für die Kirche, ließ sie aber wie große Oper klingen. Porr spielte es quasi mit einem Augenzwinkern – also gerade richtig für dieses Konzertprogramm am frühen Abend. Auch das ganz linear und mit zarten Flötenregistern gestaltete Adagio aus Charles-Marie Widors sechster Orgelsymphonie passte bestens in dieses Programmkonzept.
Michael Porr überraschte das Publikum des Orgelkonzerts dann mit seiner Trompete. Mit abgedämpftem Ton intonierte er den „Blue Bossa“ von Kenny Dorham. Bruchlos wechselte er zur Orgel, um Variationen über diesen Jazz-Standard zu spielen. Sowohl der Bass als auch die Oberstimme gingen hier auf weite Walking-Touren. Und Porr frappierte die Zuhörenden sogar erneut, als er Trompete und Orgel gleichzeitig spielte.
Dieses unterhaltsame und abwechslungsreiche Programm wurde indes durch einen strengen Rahmen zusammengehalten. Gebildet war er aus dem Präludium in Es-Dur von Johann Sebastian Bach zu Beginn und der dazu gehörenden Fuge als Abschluss. Dem Präludium gab der Organist ein lebendiges, vorwärts drängendes Tempo und stattete es mit kräftigen, klar zeichnenden Registern aus – bei perfekter Präzision. Die Tripelfuge entwickelte Porr mit zwingender musikalischer Logik und führte sie zu einer wohldurchdachten Steigerung.
Dieses Konzert machte Lust auf mehr. Im dritten Sommerlichen Orgelkonzert in der Neanderkirche am Mittwoch, 8. Juli um 18.30 Uhr, spielt Jens-Peter Enk aus Wuppertal.
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