Mehr Spielpraxis für Top-Talente, ein ungewöhnlicher Modus und Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Die "Bundesliga Talent Series" soll die Lücke zum Profibereich schließen. Doch das neue Format sorgt nicht nur für Begeisterung.
Fußball Alles Wichtige zur neuen "Bundesliga Talent Series"
Die Deutsche Fußball Liga (DFL), also der Zusammenschluss aller Vereine der ersten und zweiten Bundesliga, hat einen neuen Zusatzwettbewerb ins Leben gerufen: die "Bundesliga Talent Series". Was genau sich die DFL von diesem Format verspricht, wer teilnimmt und wie das Ganze funktioniert.
Die "Bundesliga Talent Series" ist ein von der Deutschen Fußball Liga (DFL) neu eingeführter Zusatzwettbewerb für die Klubs der 1. und 2. Bundesliga. Er wurde ins Leben gerufen, um die Lücke beim Übergang vom Jugend- in den Herrenbereich zu schließen. Eine von der DFL zu Zukunftsfragen des deutschen Fußballs eingesetzte Expertengruppe hatte bemängelt, dass viele deutsche Top-Talente nach der U19 zu wenig Spielpraxis auf hohem Niveau bekommen. Die "Bundesliga Talent Series" soll diesen Talenten die nötige Wettkampfhärte gegen Gleichaltrige bieten.
Spielberechtigt ist ab der Vollendung des 16. Lebensjahres jeder, der am Stichtag (dem jeweils 30. Juni vor Saisonbeginn) maximal 21 Jahre alt ist. Die Vereine dürfen also flexibel auf alle ihre bestehenden Kader zurückgreifen. Zusätzlich dürfen pro Partie bis zu vier ältere Spieler eingesetzt werden. Zum Beispiel solche, die nach einer längeren Verletzungspause Spielpraxis sammeln sollen.
Die bisherigen, sogenannten "zweiten" Mannschaften bleiben bestehen. Die "Bundesliga Talent Series" sieht sich als Zusatzangebot. Hertha BSC kann seine U23 also weiter in der Regionalliga Nordost spielen lassen. Für einen Verein wie Union Berlin hingegen, das seine zweite Mannschaft 2015 abgemeldet hatte, schließt das Format eine Lücke. Diese Klubs bekommen nun eine kostengünstige, flexible Plattform für ihren Nachwuchs, ohne ein komplett neues Team anmelden zu müssen.
Um die finanzielle und organisatorische Belastung für die Vereine so gering wie möglich zu halten, finden die Partien zunächst grundsätzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Zudem können die Klubs die Spielorte frei untereinander absprechen. Gespielt wird demnach zumeist auf den Trainingsgeländen oder in den Nachwuchsleistungszentren. Laut DFL sind aber auch Spiele auf neutralen Plätzen in der geografischen Mitte möglich. Zuschauer und Medien sind erst für das große Finalturnier im Frühjahr erlaubt.
Gespielt werden soll vorrangig unter der Woche, um den regulären Ligabetrieb am Wochenende nicht zu stören. Allerdings werden keine starren Termine vorgegeben. Stattdessen werden flexible Zeitfenster von zwei Kalenderwochen festgelegt. Innerhalb dieses Zeitraums können die Klubs den genauen Tag und die Uhrzeit komplett frei untereinander absprechen.
Mit einem Wort: ungewöhnlich! Eine Saison besteht aus zwei getrennten Halbserien (September bis Dezember und Februar bis April), alle 26 teilnehmenden Teams werden in einer Tabelle geführt. Wer dabei gegen wen spielt, bestimmt die DFL unter Verwendung einer Software. Und nach Meldung der Vereine, die vor jeder Halbserie selbst entscheiden dürfen, wieviele Partien sie in dieser Zeit absolvieren möchten (zwischen drei und sechs).
Das bedeutet, dass Teams mit ähnlicher Bilanz aufeinandertreffen. In der zweiten Halbserie werden bevorzugt Teams gegeneinander gesetzt, die in der Tabelle beieinander stehen. Diese wird wegen der flexiblen Anzahl an Spielen nicht über die totale Punktzahl bestimmt, sondern über den jeweiligen Punkteschnitt berechnet. Die beiden bestplatzierten Mannschaften der erste und der zweiten Halbserie qualifizieren sich für das Finalturnier. Sollte ein Verein in beiden Halbserien und den besten zwei Mannschaften sein, gibt es Nachrücker.
Trainer können Talente ohne den Ergebnisdruck einer normalen Liga Wettkampfpraxis zukommen lassen. Die hohe Leistungsdichte der Profiklubs verspricht Begegnungen auf Augenhöhe und hohem Niveau. So können die Klubs ihren Toptalenten eine zusätzliche Perspektive und Spielzeit im direkten Übergang zum Profibereich bieten.
Kritiker wie der FSV Mainz 05 bemängeln, dass es schon genügend Angebote für den Nachwuchs gäbe. Auch die zusätzliche Belastung wird angeführt. So sagte der Mainzer Nachwuchs-Direktor Volker Kersting im Gespräch mit der Sportschau: "Wenn wir über 16-Jährige reden, dann reden wir auch über Spiele unter der Woche, bis zu 250 Kilometer entfernt. Wie viele Tage wollen wir Jungs eigentlich noch aus der Schule holen?" Dass ohne Zuschauer gespielt wird, sieht Kersting ebenso kritisch: "Das macht den Spieler bestimmt richtig viel Spaß. Dass nicht einmal Eltern zugucken können - ich weiß nicht, ob das zielführend ist."
Sendung: rbb|24, 05.07.2026, 18:47Uhr
Audio: rbb|24, 05.07.2026, Antonia Hennigs im Gespräch mit Ilja Behnisch
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